Für Trumps Gegner sind fast alle Wege versperrt

27. April 2016, 17:25
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Noch deutlicher als die Umfragen waren die Siege, die Donald Trump bei den republikanischen Vorwahlen am Dienstag erzielte

Die Bühne steht in Philadelphia, und schon das ist alles andere als Zufall. In der Stadt, in der die amerikanische Republik ihre Unabhängigkeit erklärte, werden die Demokraten im Juli entscheiden, wen sie in die Endrunde des Duells ums Weiße Haus schicken. So ist es eine Art Generalprobe fürs Finale, wenn Hillary Clinton die Vorwahlsiege, die ihre Kandidatur de facto besiegeln, dort feiert.

Es gebe nichts, was falsch laufe in Amerika, das nicht geheilt werden könne durch das, was richtig sei an Amerika. Das ist eigentlich der Satz, mit der ihr Mann Bill im Jänner 1993 das Amt des Präsidenten antrat. Nun wiederholt sie ihn.

Die Würfel scheinen gefallen, bei den Demokraten ziemlich gewiss, bei den Republikanern noch versehen mit einem Fragezeichen. Im Vorwahlkampf sind die Favoriten Hillary Clinton und Donald Trump ihren Konkurrenten davongeeilt.

Anti-Trump-Pakt erfolglos

Clinton setzte sich am Dienstag in Pennsylvania, Delaware und Maryland klar gegen ihren Rivalen Bernie Sanders durch, in Connecticut knapper, während der Senator in Rhode Island einen Achtungserfolg verbuchen konnte. Bei den Republikanern entschied Donald Trump alle Abstimmungen für sich, wobei der Abstand zu Ted Cruz und John Kasich noch deutlicher ausfiel als erwartet.

Der Pakt, den seine Gegenspieler zuvor angekündigt hatten – Cruz lässt Kasich demnächst bei den Rennen in New Mexico und Oregon den Vortritt, während sich Kasich dafür in Indiana zurückhält –, hat die erhoffte Signalwirkung vorläufig völlig verfehlt.

Als Mann keine fünf Prozent

Clinton gegen Trump, darauf läuft es wohl hinaus. Hillary, polterte der Immobilienmogul in der Wahlnacht, zehre allein vom Frauenbonus. "Wäre sie ein Mann, würde sie nicht einmal fünf Prozent der Stimmen bekommen." Darauf ihr Konter: Wenn die Frauenkarte zu spielen bedeute, dass man sich für die Gesundheitsversorgung von Frauen einsetze, für gleichen Lohn und bezahlten Elternurlaub, "dann bin ich dabei".

Bevor es ins Finale geht, dürften die Demokraten einmal mehr jenes Wechselbad durchlaufen, wie es schon den Wettlauf 2008 prägte. Der denkbar harten Auseinandersetzung zwischen Barack Obama und Hillary Clinton folgte damals im Juni der Schulterschluss, schneller und reibungsloser, als man es in der Hitze des Gefechts für möglich gehalten hatte.

Diesmal findet sich Clinton in der Obama-Rolle wieder, in der Rolle der Siegerin, die darauf hofft, dass ein starker Rivale der Realität Rechnung trägt, sich in seine Niederlage fügt und dazu beiträgt, die Reihen zu schließen.

Sanders-Wähler keine Clinton-Fans

Noch ist knapp ein Viertel der Sanders-Anhänger nicht bereit, die frühere Außenministerin im November zu unterstützen, hat der TV-Kanal CBS News in einer Umfrage ermittelt. Das kann sich ändern. Aber nicht über Nacht. Sanders hat Wählergruppen erreicht, in denen Clinton kaum einen Stich macht: Leute unter dreißig, Unabhängige, jene, die vom Establishment enttäuscht sind, aber nicht auf den Zug eines Donald Trump aufspringen wollen. Clinton braucht diese Stimmen, ergo flicht sie verbale Lorbeerkränze für ihren Rivalen.

Sie applaudiere Sanders, weil er sowohl den Einfluss des Geldes in der Politik zurückzudrängen versuche als auch Ungleichheit in den Vordergrund rücke. "Uns eint viel mehr, als uns trennt."

Trumps starke Zugewinne

Trump dagegen lässt Gefühl für Nuancen vermissen, als er Cruz und Kasich empfiehlt, aufzugeben. "Wenn der eine Boxer den anderen k. o. geschlagen hat, braucht man nicht mehr auf die Entscheidung des Ringrichters zu warten. Dann ist es vorbei", sagt er.

Es ist seine Metapher, um zu beschreiben, dass er Gedankenspiele der Parteigranden für Zeitverschwendung hält. Diese wollen ihn auf dem Konvent im Juli noch auszubooten versuchen. Tatsächlich sind jene Strategen blamiert, die orakelt hatten, der Milliardär könne an der Basis der "Grand Old Party" maximal 40 Prozent erzielen. Sein deutlich höherer Sieg in New York sei nur eine Eintagsfliege gewesen. Am Dienstag gewinnt er überall mit deklassierendem Vorsprung: Sein schlechtestes Resultat sind die 55 Prozent, auf die er in Maryland kommt. (Frank Herrmann aus Washington, 27.4.2016)

  • Die Gewinner der Dienstag-Vorwahlen von Republikanern und Demokraten in den USA.

    Die Gewinner der Dienstag-Vorwahlen von Republikanern und Demokraten in den USA.

  • Donald Trumps lächeln wurde am Dienstag noch ein bisschen breiter, seine Nominierung ist kaum mehr zu verhindern.
    foto: reuters/lucas jackson

    Donald Trumps lächeln wurde am Dienstag noch ein bisschen breiter, seine Nominierung ist kaum mehr zu verhindern.

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