Topverdiener erben dreimal so viel wie untere Schichten

28. April 2016, 06:00
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In Österreich sind Erbschaften besonders hoch. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung konstatiert, dass Erben Ungleichheit erhöht

Wien – Eine neue Studie zeigt auf, wie stark Erbschaften die Vermögenskonzentration erhöhen. Reiche, so hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erhoben, erben in Österreich, Deutschland, Frankreich und Belgien nicht nur öfter, sondern auch mehr. Entsprechende Ergebnisse aus einer Untersuchung der Nationalbank werden vom DIW bestätigt und mit anderen Ländern verglichen. Auffällig ist, dass in Österreich ebenso wie in Westdeutschland das oberste Einkommensfünftel doppelt so oft von Erbschaften und Schenkungen profitiert wie das unterste Quintil.

Das wirkt sich unter dem Strich stark aus, wie ein Blick auf Höhe der Vermögenstransfers zeigt: Während in Österreich der durchschnittliche Wert der erhaltenen Erbschaften oder Schenkungen im untersten Einkommensfünftel 119.000 Euro ausmacht, beläuft er sich im obersten Quintil auf 361.000 Euro. Die Reichen erben also durchschnittlich den dreifachen Wert der Armen. Von den Haushalten mit den höchsten Einkommen profitiert hierzulande die Hälfte von einer Erbschaft oder Schenkung, während nur 26 Prozent des untersten Fünftels in diesen Genuss kommen.

Österreich auf Platz zwei

Österreich liegt bei der durchschnittlichen Erbschaft mit 230.000 Euro hinter Zypern (274.000 Euro) an zweiter Stelle von acht untersuchten Ländern, allerdings heben wenige umfangreiche Transfers diesen Wert. Das DIW hat dabei – mit Unterstützung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung – die auf Befragungen basierenden, umfangreichen Daten der Europäischen Zentralbank herangezogen und west- mit südeuropäischen Ländern verglichen.

Das Ergebnis zeigt, dass in Portugal, Griechenland und Spanien die unteren Einkommensschichten in etwa gleich oft zu Erbschaften und Schenkungen kommen wie die Topverdiener. Dieser Unterschied zu den westeuropäischen Ländern hat aber unter dem Strich keine Auswirkung auf das soziale Gefüge, weil die Vermögenstransfers an die Bestverdiener entsprechend höher sind als die an untere Einkommen.

Geringverdiener "zweifach benachteiligt"

Die Erbschaften spielen auch eine große Rolle, wenn man sie in Relation zu den Vermögen setzt. Vor allem in Österreich und Deutschland nehmen sie mit rund 30 Prozent des gesamten Vermögens eine bedeutende Rolle ein, während beispielsweise in Belgien, Spanien, Zypern und Portugal die Hälfte dieses Wertes geerbt wird. Für Studienautor Christian Westermeier zeigen die Ergebnisse, dass untere Einkommensschichten "zweifach benachteiligt" sind: Sie haben wegen des niedrigen Verdienstes kaum Chancen, Geld auf die hohe Kante zu legen, und Erbschaften fallen seltener an und niedriger aus.

Das DIW kommt zum Schluss, dass die Erbschaften die ökonomische Ungleichheit verstärken. Die Senkung oder Abschaffung von Erbschaftssteuern in vielen Ländern habe diesen Effekt noch verstärkt. (as, 28.4.2016)

  • Die im Hafen von Monaco durch Yachten repräsentierten Vermögen dürften nicht alle hart erarbeitet worden sein.
    foto: reuters/eric gaillard

    Die im Hafen von Monaco durch Yachten repräsentierten Vermögen dürften nicht alle hart erarbeitet worden sein.

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