Warum man von Zuckerbergs Spenden lernen kann

28. April 2016, 09:13
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Das Valley ist ein Schlaraffenland für Philanthropen, von denen man viel lernen kann

George Roberts war gar kein Guter. Als Miteigentümer des KKR Equity Fonds war er eine Riesenheuschrecke im Finanzkapitalismus der 1990er-Jahre. Unter anderem verhinderte er mit seinen Kompagnons Kravis und Kohlberg den RJR-Nabisco-Management-Buyout und fand damit als Bösewicht Eingang in Literatur und Film: Barbarians at the Gate – The Fall of RJR Nabisco. Dieses Los wurde ihm durch Rang 369 unter den reichsten Menschen der Welt erleichtert.

George Roberts ist auch ein Guter. 1997 gründete er in San Francisco den Roberts Enterprise Development Fund. Als ob er es vom seligen Alfred Dallinger gelernt hätte, wollte er Arbeitslose mit aller Kraft in Jobs bringen. REDF startete die Finanzierung von Sozialunternehmen. Derzeit sind es 60 in Kalifornien, die 11.000 neue Jobs geschaffen haben und 163 Millionen Dollar Umsatz machen. Mittlerweile agiert REDF US-weit. Über die Grenzen Kaliforniens wurde REDFals erster Sozialinvestor bekannt, der Wirkung mit Social-Return-on-Investment (SROI) maß und damit über Investments entschied.

Brennpunkt sozialer Innovationen

Im Silicon Valley konzentrieren sich nicht nur High-Tech-Unternehmen und Internet-Start-ups, hier ist auch ein Brennpunkt sozialer Innovationen. Beides hat miteinander zu tun. Wohl kaum sonst wo ist das Matthäus-Prinzip so sichtbar: "Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe." Das Valley ist ein Schlaraffenland der Philanthropie, ist es doch soziale Norm, einen Teil seines Vermögens für das Gute auszugeben. Das taten die Stanfords, Bill Hewlett und David Packard, das tun George Roberts und Bill Gates, Marc Zuckerberg und tausende andere hier im Valley. Die Sozialinvestoren transferieren auch Performance-Management-Methoden in die Welt.

Neben den neuen Venture-Philanthropen sind es finanzstarke Community-Foundations, die private Philanthropie bündeln und innovative Sozialprojekte finanzieren. Die San Francisco Foundation gibt es beispielsweise seit 1949, sie verfügt über ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar und gibt jährlich 100 Millionen Dollar für ihre Programme aus. Das ist mehr als alle gemeinnützigen österreichischen Stiftungen in fünf Jahren ausgeben. Die Silicon Valley Community Foundation verfügt gar über ein Vermögen von 6,5 Milliarden Dollar und gibt jährlich eine Milliarde Dollar für gemeinnützige Projekte aus.

Diese Stiftungen finanzieren sich im Wesentlichen durch (steuerbegünstigte) Zuwendungen, die im Jahr etwa zehn Prozent des Vermögens ausmachen. Politiker aus Österreich, die ins Valley kommen, sollten sich diese Stiftungen ansehen. Von ihnen ist mehr zu lernen als von Google und Tesla. Sie fördern "Hilfe zur Selbsthilfe", vor allem durch Capacity-Building-Programme – beispielsweise durch Training von Community-Führungskräften bei "undocumented immigrants" und für innovative Sozialprojekte.

Für die Menschlichkeit

Wie etwa La Cocina im Mission District von San Francisco: ein Inkubator für Gastro-Start-ups und eine Gemeinschaftsküche. La Cocina hilft, dass Frauen mit Migrationshintergrund Gastro-Unternehmen starten können. Unternehmensberater und Haubenköche arbeiten unentgeltlich in einem Ausbildungsprogramm für Gastro-Jungunternehmerinnen mit. Starten die Teilnehmer dann ein Catering-Unternehmen, können sie sich für beschränkte Zeit in die La-Cocina-Großküche einmieten. Zusätzlich veranstaltet La Cocina Großevents wie das San Francisco Street Food Festival. Viele neue Ethno-Restaurants in der Bay Area sind entstanden.

Ein anderes Beispiel heißt Forward US. Als Marc Zuckerberg sich im letzten Jahr dazu entschloss, anlässlich der Geburt seiner Tochter 99 Prozent seines Vermögens gemeinnützigen Zwecken zu widmen, erntete er in Europa beißende Kritik und Kassandrarufe, die vor dem ach so gefährlichen Einfluss privater Philanthropie und der damit verbundenen Steuerflucht warnten – meist von Menschen mit geringem gemeinnützigen Engagement und vernachlässigbarer Steuerleistung. Bereits 2010 hat Zuckerberg 100 Millionen Dollar für Schulen in Newark gespendet, 2012 dann 500 Millionen Dollar für die Silicon Valley Foundation.

2013 zeigte Zuckerberg dann, dass er nicht nur die finanziellen Mittel hat, sondern auch ein Anliegen und gute Ideen. Mit Forward US stellte er gemeinsam mit anderen IT-Milliardären wie Bill Gates eine hochprofessionelle Lobbying-Organisation auf die Beine, die vor allem um eines kämpft: eine offene und menschliche Immigrations- und Integrationspolitik – "damit der amerikanische Traum weiter leben kann". Gäbe es in Europa ähnlich vehemente Stimmen von Unternehmern für die Menschlichkeit, dann wäre die europäische Flüchtlingspolitik vielleicht weniger grausam. (Michael Meyer, 28.4.2016)

Zur Person:

Michael Meyer leitet das Institut für Non-Profit-Management an der WU Wien und berichtet für den STANDARD exklusiv über seinen Forschungsaufenthalt in Stanford.

Frühere Teile:

In puncto Einwanderung von Kalifornien lernen

Wie es Österreichern im Silicon Valley geht

Das Wappentier von Stanford im eigenen Garten

Deckmantel Philanthropie: Wer in den USA die Konservativen finanziert

  • Bereits 2010 hat Zuckerberg 100 Millionen Dollar für Schulen in Newark gespendet, 2012 dann 500 Millionen Dollar für die Silicon Valley Foundation. Ganz allgemein ist die Infrastruktur für Sozialinvestoren in den USA besser als in Österreich.
    foto: money sharma/afp

    Bereits 2010 hat Zuckerberg 100 Millionen Dollar für Schulen in Newark gespendet, 2012 dann 500 Millionen Dollar für die Silicon Valley Foundation. Ganz allgemein ist die Infrastruktur für Sozialinvestoren in den USA besser als in Österreich.

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