US-Vorwahlen: Falsche Schadenfreude

Kommentar27. April 2016, 18:55
1 Posting

Die Demokraten müssen sich endlich daranmachen, ihren Blick auf die gewaltigen Probleme zu richten, die der Wahlkampf in der eigenen Partei offenlegt

Nun rückt er also näher, der Doomsday der Republikaner: Mit 5:0 hat Donald Trump bei den jüngsten Vorwahlen im Nordosten der USA seine Rivalen vernichtet, womit er einen weiteren großen Schritt in Richtung Nominierung macht. Die Demokraten reiben sich die Hände: ob des Schlachtfelds auf der Gegenseite und auch da ihre Favoritin nach der letzten Wahlrunde ihr Ziel praktisch schon erreicht hat. Bernie Sanders kann kaum noch verhindern, dass Hillary Clintons Name bei den Wahlen im November auf dem Wahlzettel stehen wird.

Ihre Schadenfreude ist jedoch unangebracht. Vielmehr müssen sich die Demokraten endlich daranmachen, ihren Blick auf die gewaltigen Probleme zu richten, die der Wahlkampf in der eigenen Partei offenlegt. Sanders mag nicht der beste Kandidat gewesen sein, sein Vermächtnis aber wird die Demokraten weit über die Wahl hinaus prägen. Sie zeigen sich schließlich nicht weniger von der Wutbürgerwelle überrascht, die nicht nur Trumps, sondern auch Sanders' Erfolge ermöglicht hat.

Unterdessen stecken die Demokraten weiterhin in einer Zeit fest, in der Anti-Establishment-Politik die Sache von Einzelkämpfern war. Sie verkennen, dass Sanders und Trump, jeder auf seine Art, für eine Revolution stehen – und dass Clinton die Politik verkörpert, die dabei über den Haufen geworfen werden soll. Der Doomsday der Demokraten, der zeichnet sich mittelfristig also ebenso ab. (Anna Giulia Fink, 27.4.2016)

Share if you care.