Pensionistenverbände strikt gegen Bankomatgebühren

27. April 2016, 15:51
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Edlinger: "Trifft vor allem sozial Schwächere" – Korosec: "Werden uns dagegen mit allen Mitteln wehren"

Wien – Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ), der Österreichische Seniorenbund, die Fraktion der Christlichen Gewerkschafter (FCG) im ÖAAB und die Arbeiterkammer (AK) sprechen sich heute unisono strikt gegen die Einführung von Bankomatgebühren aus. "Mit der Gebühr droht ein neuerlicher finanzieller Anschlag vor allem auf die sozial Schwächeren, darunter zahlreiche Pensionisten", kritisiert PVÖ-Vizepräsident Rudolf Edlinger.

Die Einhebung von Gebühren für Behebungen bei Bankomaten müsse als eine weitere finanzielle und auch alltagspraktische Belastung der Bankkunden entschieden ablehnt werden, so die Vorsitzende des Österreichischen Seniorenbundes, Ingrid Korosec, am Mittwoch in einer Presseaussendung. "Wir werden uns dagegen mit allen Mitteln zur Wehr setzen." Auch der PVÖ werde das nicht kampflos hinnehmen, so Edlinger.

"Irgendwann muss mit dem Abkassieren Schluss sein", betont der FCG-ÖAAB-Fraktionsvorsitzende Fritz Pöltl. Er wirft den Banken vor, in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben an die Kunden abgewälzt zu haben und gleichzeitig von ihnen für jede Dienstleistung am Schalter saftige Gebühren zu kassieren. Pöltl fordert die Banken auf, diese Pläne rasch wieder zu verwerfen. Die Kunden zahlten schon Kontoführungsgebühren und auch Gebühren für ihre Bankomatkarte, sodass die Aufwendungen der Banken damit eigentlich gedeckt sein müssten. "Es darf nämlich nicht sein, dass die Banken neuerlich unter dem Deckmantel der Wirtschaftskrise Kosten an die Kunden abwälzen", so Pöltl.

AK auch gegen Bankomatgebühren

"Die Menschen sollen immer mehr Bankgeschäfte selbst erledigen, anderseits kassieren Banken bei Spesen kräftig ab. Das ist nicht einzusehen", so Gabriele Zgubic, Leiterin der AK-Konsumentenpolitik.

Eine aktuelle AK Online-Umfrage, an der knapp 2.000 Menschen teilgenommen hätten, zeige: Rund 97 Prozent sagten klar, dass sie von Bankomatgebühren nichts halten. Das Abheben solle kostenfrei bleiben. Auch die zig Kommentare auf der AK Homepage würden in dieselbe Kerbe schlagen.

In den meisten österreichischen Kontoverträgen sei das Abheben von Geld am Bankomaten im Girokonto- bzw. im Kartenentgelt schon inkludiert, betont die AK. Das Filial- und somit auch das Bankomat-Netz werde immer mehr ausgedünnt. "Es könnte die Strategie sein, das eigene Bankomatnetz auszudünnen, so Kosten zu sparen und Drittanbietern das Feld zu überlassen, die Gebühren kassieren", vermutet die AK. Laut Statistiken von PSA und Nationalbank habe die PSA 2013 noch um 335 Bankomaten mehr betrieben als 2015.

Verluste zurückfahren, statt Bankkunden belasten

"Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Banken Gewinne schreiben wollen, aber bitte nicht vordringlich zu Lasten der kleinen Leute ´", so Edlinger. Vielmehr sollten die Bankmanager die zahlreichen Verluste im Rahmen von hochriskanten, oftmals allein virtuellen Investitionen und Spekulationen, die nicht selten mit hohem Abschreibungsbedarf verbunden seien, spürbar zurückfahren. Dann müssten sie nicht ständig die "kleinen Bankkunden" mit immer neuen Belastungen zur Kasse bitten.

Edlinger weist zudem darauf hin, dass zahlreiche Bankfilialen schließen, die Leistungen der Kassenstellen laufend eingeschränkt und die Bankgeschäfte zunehmend automatisiert werden, wie z.B. die Behebung von Bargeld über Bankomaten. Die Kundenfreundlichkeit und das Service werde immer weniger, Bankgeschäfte wie Bargeldbehebungen oder Überweisungen, die man bisher bei einem freundlichen Schalterbediensteten tätigen konnte, müssten zunehmend selbst an Automaten oder online erledigt werden. "Dass die Kunden jetzt dafür, dass sie noch weniger Service erhalten auch noch zusätzliche Gebühren bezahlen sollen, ist zynisch", so Edlinger.

Auch Korosec weist darauf hin, dass die Banken seit einiger Zeit Gebühren bei Geldabhebung am Schalter einheben. "Bei Einführung dieser Gebühren wurde von den Banken darauf hingewiesen, dass man am Bankomaten das Geld ohnehin gebührenfrei beheben kann. Daher ist es völlig unzumutbar, dass die Banken nun auch hier Gebühren einheben wollen", so Korosec. Sie appelliert an die Vertreter des Bankensektors, solche Pläne wieder ad acta zu legen. "Es werden ohnehin für alle Bankdienstleistungen Gebühren eingehoben, für die Bankomat-Karte wird eine Jahresgebühr verrechnet. Auch angesichts dessen, dass die Zinserträge von Konten faktisch Null sind, besteht für eine Einführung neuer Gebühren keinerlei Rechtfertigung", so Korosec. (APA, 27.4.2016)

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