Nutzer "jagen" Amateur-Pornodarsteller mit Gesichtserkennung

27. April 2016, 10:34
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Russische Internetnutzer wollen anonyme Darstellerinnen in sozialen Medien finden

Die App Findface soll laut Betreibern einem romantischen Gedanken entsprungen sein: Nutzer sehen Menschen auf der Straße, die sie gerne kennenlernen würden. Da sie für das Ansprechen zu schüchtern oder in Eile sind, machen sie ein Foto der Person und suchen sie dann über Findface in sozialen Medien. Dort kann dann die Kontaktaufnahme erfolgen. Dass diese Idee in puncto Datenschutz Alarmglocken schrillen lässt, bewies unlängst der russische Künstler Egor Tsvetkov mit einem Projekt. Er fotografierte Menschen in der U-Bahn und verglich ihr Auftreten dort mit deren Onlineprofilen.

Unbekannte Darstellerinnen werden verfolgt

Jetzt haben sich Nutzer des russischen Forums 2chan der App bedient, um "Jagd auf Pornodarstellerinnen" zu machen. Ihnen geht es darum, unbekannte Darstellerinnen zu "enttarnen" und auf der russischen Facebook-Alternative V-Kontakte zu finden. Die Nutzer teilen dann deren Social-Media-Profile, oftmals auch mit Klarnamen und Fotos von Freunden und Verwandten. Diese als "Doxing" bekannte Praxis soll "den Frauen den Spiegel vorhalten", wie "Global Voices" die 2chan-Nutzer zitiert.

App-Betreiber weist Schuld von sich

V-Kontakte selbst hat entsprechende Foren, die sich auf der Seite gebildet haben, nach Beschwerden schnell blockiert. Doch solange die App Findface weiter verfügbar ist, wird das Vorgehen der Nutzer nicht zu stoppen sein. Deren Gründer Maxim Perlin sieht sich nicht verantwortlich. Es gebe "keinen Weg", wie der Missbrauch der App verhindert werden könnte, sagt Perlin. Aber er wolle mithelfen, "schadhafte Angriffe" gegen Frauen zu stoppen. (red, 27.4.2016)

  • Nutzer suchen anonyme Pornodarstellerinen auf V-Kontakte (Symbolbild).
    foto: ap/japaridze

    Nutzer suchen anonyme Pornodarstellerinen auf V-Kontakte (Symbolbild).

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