Zehn Millionen weniger iPhones: Apple braucht ein neues Wunderding

27. April 2016, 10:23
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Erster Rückgang seit Einführung, CEO Cook sieht dennoch "glänzende Zukunft"

Man könnte sagen, dass Apple die Erwartungen nicht enttäuscht hat. Schon vorab war prognostiziert worden, dass das Unternehmen nun erstmals seit der Einführung des iPhones 2007 weniger Smartphones verkaufen wird. Und so ist es im zweiten Quartal 2016 nun auch eingetreten. Der Konzern muss etwas ändern, soll der Wind wieder in eine andere Richtung wehen.

Zehn Millionen weniger iPhones verkauft

Apple verkaufte zehn Millionen iPhones weniger als im Vorjahreszeitraum. Zuvor war die Nachfrage nach dem iPhone 6 mit seinem größeren Display aus dem Weihnachtsgeschäft 2014 noch so groß, dass sie ins erste Quartal 2015 mitgenommen werden konnte. Die iPhone-Verkäufe stiegen damals um 40 Prozent auf 61,2 Millionen Geräte. Nun haben aber wesentlich weniger iPhone-Nutzer auf ein neues Geräte gewechselt. Der Gesamtumsatz lag bei 50,6 Milliarden US-Dollar, der Netto-Gewinn bei 10,5 Milliarden Dollar. Und auch für das dritte Quartal erwartet Apple einen weiter sinkenden Umsatz. Dennoch gibt man sich optimistisch. "In Anbetracht des gesamtwirtschaftlichen Gegenwinds hat unser Team äußerst gut agiert", so CEO Tim Cook.

Er spricht von einer "unglaublichen Stärke des Apple-Ökosystems" von "verblüffenden Innovationen" und verweist auf über ein Dutzend Übernahmen in den vergangenen Quartalen. Der Umsatz habe nur "eine Pause" eingelegt und soll nun unter anderem mit mehr iPhone-Verkäufen in Indien angekurbelt werden, wo das iPhone entgegen des Trends zulegen konnte.

Apple hat im Gegensatz zu vielen Android-Herstellern kein Gerät, das den Einsteigermarkt bedient. Das im März vorgestellte, billigere iPhone SE kostet immer noch mindestens 479 Euro. In der Android-Welt gibt es Highend-Modelle für etwas weniger und Einsteigergeräte um sehr viel weniger Geld. Laut Apple soll sich das iPhone SE dennoch gut verkaufen, es gebe Lieferengpässe weil man die Nachfrage unterschützt habe.

Hohe Erwartungshaltungen

Ein Problem des Konzerns ist auch, dass die Erwartung an neue Produkte stets enorm hoch ist und kaum mehr erfüllt werden können. Der verstorbene CEO Steve Jobs schürte diese Erwartungshaltungen noch viel mehr als Cook heute. Bei seinen Präsentationen zauberte Apple oft "one more thing" hervor und konnte damit auch begeistern. "Spektakulär" und "atemberaubend" war immer alles. Nur diese Zeiten sind vorbei. Gute Testurteile bekommen Apples Geräte noch immer. Aber die erhält auch die Konkurrenz. Die Apple Watch schlug nicht ein, wie erhofft. Das Produktangebot des Unternehmens ist zersplitterter denn je.

Wachstum bei Services bringt wenig

Neben dem iPhone sind auch iPad- und Mac-Verkäufe rückgängig. Wachsen konnte das Unternehmen nur bei Services – dazu zählen etwa iTunes und App Store – sowie bei anderen Produkte wie der Apple Watch und Apple TV. Nur beides bringt dem Konzern vergleichsweise wenig ein. Bei Services waren es 5,9 Milliarden Dollar. Die als "andere Produkte" zusammengefassten Geräte kommen auf 2,1 Milliarden Dollar. Wieviele Apple Watches verkauft wurde, wird nicht extra ausgewiesen. Im Vergleich zu den 32 Milliarden, die das Unternehmen mit iPhones einnimmt.

Vor allem an den Services hält Cook fest: "Wir sind mit dem kontinuierlich starken Umsatzwachstum bei den Services sehr zufrieden, dank der unglaublichen Stärke des Apple Ökosystems und unserer wachsenden Basis von über einer Milliarde aktiver Geräte." Vieles ist bei Apple "unglaublich". Dass der Abwärtstrend der iPhones ohne echte Innovation oder eine Änderung bei der Preispolitik aufgehalten hat, ist es allerdings auch.

iPhone 7 muss mehr schaffen

Im September wird höchstwahrscheinlich das iPhone 7 präsentiert. Einige Gerüchte gibt es dazu bereits. Eine Dualkamera soll es bekommen, das Design soll verbessert werden (keine Antennenstreifen mehr), der klassische Kopfhöreranschluss soll wegfallen und es soll kabellos aufladbar sein. Das alles bieten Hersteller von Android-Smartphones aber bereits. Um wieder mehr Nutzer zu bewegen, von älteren iPhones umzusteigen, oder gar von Android zu wechseln, muss das iPhone 7 allerdings spektakulär werden.

Offen ist auch noch Apples Eintritt in den Markt mit Videostreaming – über iTunes können Filme und Serien nur heruntergeladen werden. Hier ist die Konkurrenz mit Netflix, Amazon und Co zwar groß, aber Apple hat mit iTunes eine große bestehende Kundenbasis. Mit einem guten Angebot wäre hier noch einiges abzuholen.

Apples Zukunft, so Cook, sei glänzend. Von einem Konzern, der in jeder Presseaussendung mitschickt, "persönliche Technologie" revolutioniert zu haben und die Welt heute "mit Innovationen anzuführen", ist aber wohl nichts anderes zu erwarten. (Birgit Riegler, 27.4.2016)

  • Apples Zugpferd, das iPhone, hat einen Schwächeanfall.
    foto: apa/afp/getty images/justin sull

    Apples Zugpferd, das iPhone, hat einen Schwächeanfall.

  • Das Unternehmen verlor im zweiten Quartal 2016 bei iPhones, iPads und Macs. Nur Services und andere Produkte konnten zulegen.
    grafik: apple

    Das Unternehmen verlor im zweiten Quartal 2016 bei iPhones, iPads und Macs. Nur Services und andere Produkte konnten zulegen.

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