Stand-up Paddling

28. April 2016, 15:00
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Edler Tanz oder schlichter Spaziergang

foto: reuters / amir cohen

Pro
von Karin Bauer

Auch wenn es bei vielen, die mehr oder weniger erfolgreich Balanceübungen betreiben, nicht ganz so aussieht: Es ist wie alle Tänze mit dem Wasser. Es gibt nichts Harmonischeres, Unmittelbareres. Das Beste: Stand-up-Paddling verlangt Hingabe. Weil den Rhythmus bestimmt das Wasser je nach seiner Tageslaune. Das ist die unwiderstehliche Einladung: Erkunde mich, schau, was ich heute mit dir mache. Gerne!

Man ist ja auch schnell bereit, vor allem mit den äußerst praktischen Inflatables – schnell aufgeblasen und ausreichend stabil. Und dann? Tango oder Walzer – man weiß es vorher nicht wirklich, und wenn der Wind dreht, ist sowieso alles anders. Resistance is useless. Sonst wirft es dich ab.

Mach dich bereit, geh in Beziehung zu den Wellen und Strömungen. Im Streitfall: hinknien und Kampfansage, links, rechts, rechts, links. Stundenlange Beziehungsarbeit mit dem Element. Sonnendusche, Sonnenliege und Eintauchen dazwischen inklusive. Da staunen die Fische und die Elektroboote: Runter vom Brett, abgetaucht und weiter geht's. Ein solches Glücksgefühl.

Kontra
von Florian Vetter

Schon die Übersetzung ist alles andere als sexy: Stand-up-Paddling, zu Deutsch: Stehpaddeln. Aber okay, in Zeiten des allgemeinen Downsizings bleibt meditative Freizeitgestaltung im Trend, egal wie sie heißt. Am Anfang fühlt es sich an wie Balancieren auf einem nassen, glitschigen Baumstamm, gelernt hat es aber noch der unkoordinierteste Badeurlauber zwischen Schopfbraten und Nachmittagskaffee.

Ganz ehrlich? Surfen ohne Welle? Ein bisschen mehr Aufwand darf es ruhig sein. Der Kampf mit der Naturgewalt Ozean, das Salzwasser auf der Haut, der Brustkorb breit wie von einem Gorilla: Nie hat die Erhebung aus der Liegeposition so viele Glücksgefühle hervorgerufen wie beim Wellenreiten. Und auf Süßwasser? Dort ist man früher zumindest mit dem Navigieren antiquierter Holzruderboote kräftiger geworden. Und wenn es an einem sonnigen Badetag wirklich chillig sein soll, dann lässt es sich auch in einem Tretboot dahinschippern und Fische beobachten.

Aber Stand-up-Paddling? Das ist fast wie übers Wasser gehen. Aber eben nur fast. (RONDO, 29.4.2016)

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