Sprachlose Bühnenchefs

26. April 2016, 17:54
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Der deutsche Theaterintendant Christoph Nix wollte für eine wissenschaftliche Arbeit österreichische Bühnenchefs zu ihrer politischen Einstellung befragen. Er stieß auf Granit

Wien – Wie halten es Theaterintendanten mit Politik? Das wollte der deutsche Jurist, Publizist und Leiter des Theater Konstanz, Christoph Nix, im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Uni Bern von seinen Kollegen wissen. Die Untersuchung, die unter dem Titel Theater_Macht_Politik im Berliner Verlag Theater der Zeit erscheinen wird, beschäftigt sich u. a. mit der Frage, wie Intendanten in Deutschland, Österreich und der Schweiz über die Lobbyarbeit ihrer Bühnenverbände denken.

Zur Erhebung der Daten hatte Nix im vergangenen Jahr einen anonymisierten Fragebogen an über 100 Intendanten, davon 15 in Österreich, verschickt: "Nehmen Sie an politischen Diskussionen teil?" – "Glauben Sie, dass Sie als IntendantIn politischen Einfluss haben?" – "Wer macht in Österreich Theaterpolitik?" – "Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestags/Nationalratswahl wäre?"

Zusätzlich zu diesen Fragen wollte Nix auch Angaben zur Subvention oder zum Mitarbeiterstand der Häuser erheben. Den österreichischen Direktoren wurde das zu heiß: Nur zwei von insgesamt 15 Fragebögen seien retourniert worden, "zu wenig für eine repräsentative Auswertung", wie es in einer trotzigen Aussendung von Christoph Nix heißt, die an österreichische Medien erging.

Zweifel an Sinnhaftigkeit und Anonymität

"In meiner Doppelfunktion als Intendant und Wissenschafter habe ich schon mehrere Befragungen dieser Art durchgeführt, aber so eine Blockade habe ich noch nicht erlebt", sagt der 61-Jährige auf Nachfrage zum STANDARD. Zwar sei der Rücklauf mit etwa einem Viertel der verschickten Bögen auch in Deutschland und der Schweiz nicht riesig gewesen, das Desinteresse aus Österreich habe ihn aber erschreckt.

Über die Gründe für die Verweigerung könne er nur spekulieren: "Vielleicht ist man zu satt oder hat Angst um Subventionen." Während in Deutschland vor allem die steigende "Vermarktlichung" und der Einfluss von Managern zu Entpolitisierung an den Häusern führen würden, liege es in Österreich vielleicht daran, dass man von der Politik zu abhängig sei, sagt Nix.

Fragt man bei den Bühnen nach, bekommt man andere Motive zu hören: "Zweifel an Sinnhaftigkeit und Anonymität der Befragung", heißt es fast unisono aus Staatsoper und Burgtheater. Auch die Doppelfunktion von Christoph Nix befand man in den Häusern zumindest für fragwürdig. Absprachen habe es aber nicht gegeben, auch nicht im Dachverband Wiener Bühnenverein, wie Präsident Thomas Drozda versicherte.

"Total überrascht" von der Haltung seiner Kollegen zeigte sich Carl Philip von Maldeghem, Intendant des Salzburger Landestheaters: "Ich finde die Fragen hochinteressant und habe das gerne ausgefüllt." Auf das Ergebnis hätte er sich gefreut. Dass es nun so aussieht, sei verwunderlich. (Stefan Weiss, 26.4.2016)

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