Dorotheum im Geschäft mit Offshore-Firmen

26. April 2016, 17:42
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Panama Papers belegen steuerschonende Transaktionen. Verkäufe von Altmeistergemälden und anschließende Überweisungen an Amerop

Wien – Geht es um das Business mit Offshore-Firmen, unterscheidet sich der Kunstmarkt nicht von anderen Branchen. Dass auch österreichische Akteure involviert sind, liegt auf der Hand. In welchem Ausmaß, ist eine andere Frage. Sämtliche zur Verhinderung von Geldwäsche ergangenen gesetzlichen Regelungen, die eine Identifizierungs-, Sorgfalts- und Meldepflicht inkludieren, sind vom Kunsthandel einzuhalten.

Allerdings: Wozu man nicht verpflichtet ist, das gibt man auch nicht bekannt. Erlöse aus Kunstverkäufen in Österreich auf das Konto einer in einem Steuerparadies registrierten Firma zu überweisen unterliegt nicht der Meldepflicht. In den Panama Papers tauchten nun Abrechnungen des Dorotheums auf. Recherchen des ORF-Kulturmontag zufolge geht es um Verkäufe von Altmeistergemälden und anschließende Überweisungen an Amerop, eine auf den Britischen Jungferninseln registrierte Firma, die von der Finanzkanzlei Mossack Fonseca gegründet wurde. Laut einem Mossack-Datenbankeintrag werden die zugehörigen Firmendokumente beim Liechtensteiner Sequoia Treuhand Trust aufbewahrt, was dieser in Abrede stellt.

Vermögender Kunstsammler

Hinter Amerop verbirgt sich Valery Babkin, der Anfang der 1990er-Jahre durch die Privatisierung des Chemiekonzerns Ammophos vermögend wurde. Der 75-Jährige ist auch Kunstsammler und Inhaber der Galerie Modus Vivendi in Moskau sowie der Foundation Fine Art SVB im Schweizerischen Montreux. Eine Interview-Zusage zog Babkin laut ORF zurück, als er erfuhr, dass es um seine Offshore-Geschäfte geht.

Sein Firmengeflecht gleicht anderen, die durch die Panama Papers öffentlich wurden. Wer als Einbringer jener acht Gemälde fungierte, die STANDARD-Recherchen zufolge im Oktober 2014 versteigert werden sollten, ist unbekannt. Bei der Provenienz scheinen keine Angaben auf, die Rückschlüsse ermöglichen. Ob auf expliziten Wunsch des Kunden, muss eine Mutmaßung bleiben. Das Auktionshaus gibt hierzu keine Auskunft, betont jedoch, das standardisierte Identifikationsverfahren und einen Backgroundcheck durchgeführt zu haben.

Keine Auskunft vom Dorotheum

Gesichert ist, dass nur ein Teil des Konvoluts verkauft wurde: ein Paar Stillleben von Jan Peeter Brueghel (53.170 Euro), die Allegorie des Wassers von Jan Brueghel II und Jan van Balen (75.000) sowie eine Kreuzigung aus der Rubens-Werkstatt (40.000). Unverkauft blieben Bilder von Jan Brueghel II. Ob diese noch im Dorotheum lagern? Unter Verweis auf Datenschutzbestimmungen gibt es auch dazu keine Auskunft.

Wie der STANDARD herausfand, hatte Valery Babkin diese Bilder 2010 und 2012 im Dorotheum ersteigerte. Ob für seine private Sammlung oder namens seiner Galerie, ist unbekannt. Für Letztere gilt es zu vermuten, womit die vom ORF aufgedeckte Transaktion Babkin über seine Amerop Einnahmen bescherte, die er wohl nicht versteuert haben wird. Illegal ist das nicht. Ob das Dorotheum öfter Auktionserlöse an Offshore-Firmen überweist, ohne deren nominellen Eigentümer zu kennen? Man halte sich an die Rechtsvorschriften, lautet die lapidare Antwort. (Olga Kronsteiner, 26.4.2016)

  • Das Dorotheum überweist Verkaufserlöse aus Auktionen teils an Offshore-Firmen und hilft Kunden damit auf legalem weg keine Steuern abführen zu müssen.
    foto: heribert corn

    Das Dorotheum überweist Verkaufserlöse aus Auktionen teils an Offshore-Firmen und hilft Kunden damit auf legalem weg keine Steuern abführen zu müssen.

  • ORF-"Kulturmontag" recherchierte das Firmengeflecht von Valery Babkin, der über das Dorotheum Gemälde versteigern ließ. Welche seiner Firmen als Verkäufer fungierte ist unbekannt.
    foto: orf/standard screenshot

    ORF-"Kulturmontag" recherchierte das Firmengeflecht von Valery Babkin, der über das Dorotheum Gemälde versteigern ließ. Welche seiner Firmen als Verkäufer fungierte ist unbekannt.

  • Der Versteigerungserlös, etwa dieses Gemäldes von Jan Brueghel II. Jan van Balen, wanderte auf ein Konto der auf den Britischen Jungferninseln registrierten Firma Amerop.
    foto: screenshot

    Der Versteigerungserlös, etwa dieses Gemäldes von Jan Brueghel II. Jan van Balen, wanderte auf ein Konto der auf den Britischen Jungferninseln registrierten Firma Amerop.

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