Fromm der Wunsch, dreckig das Wasser

26. April 2016, 17:12
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100 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio sieht es danach aus, als ginge die ÖOC-Hoffnung auf 80 Teilnehmer nicht in Erfüllung

Rio de Janeiro – 17 Athleten sind vom Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) bereits nominiert, 19 weitere haben fixe Quotenplätze erbracht, und mehrere liegen in Ranglisten auf Positionen, die die Teilnahme an den Sommerspielen ab 5. August in Rio de Janeiro garantieren. Insgesamt ist davon auszugehen, dass sich die von ÖOC-Präsident Karl Stoss wiederholt geäußerte Hoffnung auf 80 österreichische Aktive nicht ganz erfüllen wird. Heute, Mittwoch, da exakt noch hundert Tage bis zur Eröffnung bleiben, erscheint ein 65- bis 75-köpfiges Team realistisch.

Letztlich geht es nicht um die Größe, sondern um die Qualität der Equipe. Peter Schröcksnadel, Chefkoordinator des vom Sportministerium installierten "Projekts Rio", hält drei bis fünf Medaillen für möglich. "Vom Projekt Rio hat es eine intensive Unterstützung gegeben. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg", sagte der Skiverbandspräsident, der nach der Medaillennullnummer in London 2012 angetreten war, den Sommer zu retten. Die Hoffnungen Schröcksnadels ruhen auf den 28 Athletinnen und Athleten des Medaillenkaders. Viele von ihnen sollten "gewinnen oder in die vordersten Plätze hineinkommen" können.

Der Druck wird größer

Noch müssen allerdings auch einige der 28 um ihr Olympiaticket bangen. Die Flachwasserkanutinnen Yvonne Schuring, Ana Roxana Lehaci und Viktoria Schwarz, Wildwasser-Paddlerin Corinna Kuhnle (den Quotenplatz erbrachte Violetta Oblinger-Peters) sowie Ringer Amer Hrustanovic und die Tischtennis-Herrenmannschaft haben die Norm noch nicht ganz erfüllt.

Nach der Enttäuschung vor vier Jahren, als vierte Plätze der Segler Nico Delle Karth und Niko Resch im 49er sowie des Schwimmers Dinko Jukic über 200 Meter Delfin das Nonplusultra waren, blickt Schröcksnadel dem Highlight zuversichtlich entgegen. "Es schaut leistungsmäßig nicht schlecht aus. Drei Medaillen wären eh schon ganz gut, fünf Medaillen sehr gut." Mit Delle Karth und Resch ist auch in Rio zu rechnen, wie generell der Segelverband, der auch die zweimaligen 470er-Weltmeisterinnen Lara Vadlau und Jolanta Ogar stellt, die größten Hoffnungen trägt. Für Schröcksnadel wäre es "irres Pech", gingen die Segler leer aus. In anderen Sportarten werde man auch Glück benötigen. "Paddeln, Judo, Schießen, wir sind in einer Reihe von Disziplinen gut."

Bei Jukic indes ist die Situation offen, er macht sich seit Monaten rar. "Es gibt Kontakt, aber in den letzten Wochen nicht viel", sagt Schröcksnadel, der bei Jukic ein eigenes Maß anlegen will. "Wenn er das Limit schwimmt, dann muss das eine Zeit sein, wo man sagt, das ist wirklich Weltklasse. Nur das Limit ist zu wenig, denn nur mit dem Limit hat er noch keine Chance auf eine Medaille. Bei den anderen Schwimmern ist das anders, aber er hat sich halt irgendwo ausgeklinkt. Wenn er wieder hineinwill, muss er schon Chancen haben."

In 28 Sportarten stehen ab 5. bis 21. August 306 Entscheidungen an. Das sind vier mehr als in London 2012, weil Golf (zuletzt 1904) und Rugby (1924) ins Programm zurückkehrten. Die Wettkampfstätten werden fertig, das größte Problem droht den Seglern im verdrecktem Wasser der Guanabara-Bucht. Schon bei Testregatten gab's viele Klagen über Erkrankungen, Ekzeme und Entzündungen. "Du kannst nur hoffen, gesund zu bleiben", sagt Delle Karth angesichts der Tatsache, dass ungeklärte Abwässer in die Bucht fließen. "Und die Veranstalter müssen beten, dass es nicht regnet. Denn nach Regen schwimmt richtig viel Scheiße herum." (fri, APA, 26.4. 2016)

Brasilien ganz im Banne von Rezession und Korruption

Zika-Virus, Rezession, politisches Chaos. Rios Olympia-Premiere steht bisher unter keinem guten Stern. Aber es regiert der Optimismus. "Die größten Herausforderungen sind überwunden", erklärte Rios Bürgermeister Eduardo Paes bei der zehnten und letzten Visite des IOC.

Fast im Wochentakt hat Paes zuletzt neue Stadien eröffnet. Doch noch ist vom Olympiafieber in Rio de Janeiro nichts zu spüren. Um die Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff gibt es einen erbitterten Streit. Mitte Mai wird der Senat entscheiden, ob Rousseff zunächst für 180 Tage suspendiert werden soll. Dann würde Vizepräsident Michel Temer die Spiele eröffnen.

Es ist nicht Olympia, das die Menschen derzeit bewegt. Die Wirtschaftsleistung ist 2015 um 3,8 Prozent eingebrochen, es droht die tiefste Rezession seit den 1930ern. Das einst gefeierte Boomland hat 9,6 Millionen Arbeitslose. Hinzu kommt ein Korruptionsskandal, in den mehr als 50 Politiker verwickelt sind.

Das Land ist tief gespalten, die Rio-Organisatoren müssen Abstriche machen – so gibt es tausende Freiwillige weniger, auch bei der Eröffnungs- und der Schlussfeier wird gespart. Zweifel daran, dass die neue Metro-Linie nach Barra rechtzeitig fertig wird, werden immer größer. Die Zuseher könnten mit Pendelbussen zum 40 Kilometer vom Zentrum entfernt liegenden Olympiapark gebracht werden, ein Verkehrschaos wäre quasi programmiert.

  • Cristo Redentor schaut hinunter auf die wunderschön gelegene Stadt, die ab 5. August Gastgeber der 31. Olympischen Sommerspiele ist.
    foto: ap/philip

    Cristo Redentor schaut hinunter auf die wunderschön gelegene Stadt, die ab 5. August Gastgeber der 31. Olympischen Sommerspiele ist.

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