"Der Freischütz": Gruselige Liebschaften

26. April 2016, 17:20
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In der kecken Inszenierung im Letzten Erfreulichen Operntheater glänzen die Protagonisten mit Witz und Stimmgewalt

Spätestens wenn Agathe für die Sicherheit ihres geliebten Max nicht nur zum Kreuz, sondern auch zu Buddha betet und mit einem Traumfänger den Qualm der Räucherstäbchen zu verwedeln versucht, ist klar: Diese Interpretation der Oper "Freischütz" von Carl Maria von Weber glänzt durch Exzentrik. Im Letzten Erfreulichen Operntheater (L.E.O.) führt Kerstin Grotrian in der Rolle des Ännchen nicht nur charmant, sondern interaktiv durch das Stück: Keck und rotbäckig verführt sie das Publikum zum Trällern des Jägerchors, Jungfern zum Verteilen von Rosen. Auch zum Getier des Waldes (samt schelmischem Gelächter) darf das Publikum werden.

Starke Präsenz der Protagonisten

Singt Max (Stefan Fleischhacker) von der Verzweiflung, die ihn plagt, ahnt er natürlich noch nichts von der misslichen Lage, die ihm Kaspar (Ivaylo Guberov) durch den Pakt mit Samiel beschert hat. Beide gießen – gruseligst inszeniert – ihre Freikugeln in der Wolfsschlucht, während Elena Schreiber mit spürbar "ungestüm wallendem Herzen" ihre Arie singt – begleitet von Pianist Yu Chen. Basierend auf den romantischen Spukgeschichten glänzt die Inszenierung durch Witz und Novität. Der Eremit jedoch rettet (Gott sei Dank) die Liebenden traditionell. (Anja Krämer, 27.4.2016)

27. und 29. 4., L.E.O., 19.30

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