Herzenswörter, Partnerwahl und Anti-Aging-Tricks

27. April 2016, 16:52
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An der Grazer Uni drehte sich in der Langen Nacht der Forschung alles um die eben erwachenden Frühlingsgefühle, deren Ursachen und Folgen

Graz – "Furzi", "Pimpi", "Stinki", "Sumpfschnecke", "dicker Uhu" – das sind nicht etwa milde tadelnde Bezeichnungen für unmanierliche Haustiere. Ganz im Gegenteil, sozusagen: So kann es sich in Österreich nämlich anhören, wenn sich zwei Menschen besonders nahestehen und sprachlich kosen. "Es gibt eigentlich kein Wort, das nicht zum Kosewort werden kann", schmunzelt der Sprachforscher und "Unwort des Jahres"-Erfinder Rudi Muhr.

Mit seinem launigen Beitrag über die "Herzenswörter" der Österreicher drang er in dieser Langen Nacht der Forschung quasi in die sprachlichen Intimzonen vor. "Meist entstehen Kosenamen zwei Wochen nach Beziehungsbeginn", weiß der Germanist aus einer österreichweiten Umfrage. "Fehlen solche Herzenswörter in einer Beziehung, ist das kein gutes Zeichen. Dann pflegen die Partner entweder ein sehr distanziertes Verhältnis, oder die Beziehung ist im Begriff, sich aufzulösen."

Womit man zu rechnen hat, wenn die Frühlingsgefühle zur Partnerwahl drängen, konnten die Besucher dann am Stand der Sozialpsychologen erkunden. Ziehen sich Gegensätze wirklich an? Oder finden sich eher ähnliche Typen? Wann hält eine Beziehung? "Wir wissen aus vielen Studien, dass eine Verbindung zwischen Menschen mit ähnlichem Charakter zu einer größeren Beziehungszufriedenheit führt", erfahren die Besucher von Lisa Eckerstorfer.

Anpassung an den Partner

Dass sich die Partner äußerlich und innerlich durch (unbewusste) Imitation, Anpassung oder gemeinsame Aktivitäten mit der Zeit noch ähnlicher werden, kann eine Gruppe älterer Damen aus vollem Herzen bestätigen. Und weil der Sprung von der Partnerwahl zum Thema Schönheit kein weiter ist, konnte, wer sich traute, sein Gesicht auch am wissenschaftlich errechneten Schönheitsideal überprüfen. Alle, die dank Doppelkinn und Hamsterbacken etwas über die optimalen Maße hinauslappten, konnten sich dann gleich am Nachbarstand Informationen über die verjüngende Wirkung des Fastens holen.

Mitarbeiter des Instituts für molekulare Biowissenschaft luden dort zur Teilnahme an einer Studie ein, in der die Auswirkungen periodischen Kalorienverzichts nicht nur auf den Körperumfang, sondern vor allem auf die Zellalterung untersucht werden. Auch wie durch Natursubstanzen Anti-Aging-Prozesse eingeleitet werden, konnte man erfahren. Eine zentrale Rolle dabei spiele die Autophagie, wie Slaven Stekovic erklärt: "Bei diesem Prozess verdaut sich eine Zelle teilweise selbst und baut dabei Abfallstoffe ab."

Ausgelöst werde dieser Abbau von "zellulärem Schrott" insbesondere durch kontrolliertes Fasten. Wem dazu die innere Stärke fehlt, kann aber auch Kaffee zu Hilfe nehmen, wie die Grazer Forscher herausfanden: "Allerdings ohne Milch und Zucker", betont der Jungforscher. "Auch Filterkaffee ist nicht optimal, weil dabei viele ungesättigte Fettsäuren ausgeschwemmt werden." Einen anderen Auslöser von Autophagie haben die Grazer Forscher übrigens bereits 2009 identifiziert: das im Körper produzierte Spermidin, das man auch in Soja, Weizenkeimen, Grapefruits oder roten Weintrauben findet.

Mehr Licht macht glücklich

Wenn sich selbst durch Fasten und gezielten Kaffeekonsum kein Gefühl von Verjüngung einstellt, könnte das Wetter dafür verantwortlich sein. Wie der Chemiker Wolfgang Kroutil in seinem Kurzvortrag erklärte, ist für das Entstehen von Frühlingsgefühlen nämlich ein Temperaturanstieg und ein Plus an Licht unerlässlich. "Die Zunahme von Licht lässt den Serotoninspiegel steigen, der sowohl die Gedächtnisleistung steigert als auch die emotionalen Prozesse positiv beeinflusst", meinte der Chemiker.

Interessanterweise ist Serotonin in seiner chemischen Struktur dem Schlafhormon Melatonin sehr ähnlich. "Wenn in der Nacht der Serotoninspiegel fällt, bildet sich ein Enzym, das Serotonin zu Melatonin umbaut." In der Frühlingssonne aber erlahmt dieses Enzym, und wir fühlen uns gleich fitter, jünger und glücklicher.

Und weil am Glücklichsein alle Sinne beteiligt sind, spielt im Orchester der Frühlingsgefühle natürlich auch die Nase mit. Dieser haben die Forscher unter anderem durch den Aufbau einer kleinen Wasserdampf-Destillationsanlage gehuldigt. Lavendelblüten, Pfefferminzblätter und Orangenschalen wurde auf diese Weise ihr wunderbarer Duft entzogen. Wer einmal miterleben konnte, wie lange dieser Prozess dauert und wie klein die Menge an ätherischen Ölen ist, die man aus den Rohstoffen gewinnt, wird diese Essenzen künftig sicher noch mehr zu schätzen wissen.

Insgesamt zeigte das vielfältige Programm, dass der wissenschaftliche Nachwuchs heute nichts mehr mit Forschung im Elfenbeinturm am Hut hat. Geschult an Science-Slam-Wettbewerben, verstehen es die Wissenschafter, den einst beachtlichen Graben zwischen Forschungswelt und Gesellschaft zu verkleinern. (Doris Griesser, 27.4.2016)

  • Dort, wo es raucht, staunen die Leute: Der Physiker und Planetarium-Direktor Werner Grüber mit einem Show-Act in Wien.
    foto: foto: bmvit; alpbacher technologiegespräche

    Dort, wo es raucht, staunen die Leute: Der Physiker und Planetarium-Direktor Werner Grüber mit einem Show-Act in Wien.

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