Prämien sollen deutsche Autofahrer elektrisieren

26. April 2016, 14:04
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Deutschland denkt über Zuschüsse für den Kauf von E-Autos nach. Experten halten das für keine gute Idee. Andere Barrieren gehörten abgebaut

Wien – In Deutschland sind derzeit rund 50.000 E-Fahrzeuge unterwegs, das ist etwa jedes tausendste Fahrzeug. Jetzt will die Regierung in Sachen E-Mobilität und Alternativantrieb aufs Gas steigen, Elektro- und Hybridautos sollen staatlich gefördert werden. Bis 2020 sollen damit auf Deutschlands Straßen eine Million Elektroautos unterwegs sein.

Um die Autofahrer zum Umstieg zu bewegen, will Deutschland auch Geld in die Hand nehmen. Nachgedacht wird über eine Befreiung von der Kfz-Steuer oder über einen finanziellen Anreiz in Form einer Kaufprämie von bis zu 5.000 Euro für reine E-Autos und 3.000 Euro für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor.

Geht es nach den Plänen der Regierung, soll der Anreiz zeitlich und nach Art des E-Antriebs gestaffelt werden. Die Kosten würden sich auf insgesamt 1,2 Milliarden Euro belaufen. Kanzlerin Angela Merkel hat für Dienstagabend Vorstandschefs der Branche und das halbe Kabinett zum "Autogipfel" geladen – wohl auch, um über die Kostenteilung zu diskutieren. Finanzminister Wolfgang Schäuble pocht darauf, dass sich Steuerzahler und Autoindustrie die Förderkosten 50 zu 50 teilen. Dazu sollen die Konzerne zuletzt noch nicht bereit gewesen sein. Auch den Ausbaue der Ladestationen will man in Angriff und dafür weitere 300 Millionen Euro bis 2020 in die Hand nehmen.

Wifo-Forscherin Angela Köppl hält Prämien indes nicht für den effizientesten Weg, öffentliche Mittel einzusetzen: "Die mangelnde Marktdurchdringung hat mit anderen Barrieren zu tun", ist sie überzeugt. Um E-Mobilität voranzubringen, müsse man Barrieren wie etwa das Thema Aufladen überwinden. Und was Österreich betreffen: "Wir haben in so viele Wohngebäude mit Garagen. Da könnte man sich überlegen, wie das zu nutzen ist."

Förderung von Besserverdienern

Auch Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich hält eine Prämie für keine gute Idee. "Solche Förderungen kommen eher denjenigen zugute, die hohe Einkommen haben." Das sei vor allem deswegen nicht zu begrüßen, weil E-Autos aufgrund der Tatsache, dass sie in der Anschaffung teurer sind als Benzin- und Dieselfahrzeuge, ohnedies eher von Besserverdienern gekauft würden. Gefördert wird E-Mobilität dennoch auch hierzulande. Die Zahl der Elektroautos auf Österreichs Straßen ist mit 6.100 ebenfalls noch vernachlässigbar.

Das könnte sich langsam ändern. Umweltminister André Rupprechter (ÖVP) will die E-Mobilität heuer mit 14 Millionen Euro ankurbeln. Ein Schwerpunkt ist der öffentliche Verkehr. Der Klima-Aktiv-Fonds des Umweltministeriums, ein Fördertopf zur Ankurbelung alternativer Energie, macht zu diesem Zweck acht Millionen Euro für E-Fahrzeuge locker, schwerpunktmäßig für Kleinbusse und Lieferwagen. Diese Entwicklung wird in den sieben vom Klimafonds geförderten Regionen vorangetrieben. Eintausend zusätzliche E-Fahrzeuge hätte man heuer durch betriebliche Förderung zusätzlich auf die Straßen gebracht, heißt es aus dem Umweltministerium. Gratzer hält das für sinnvoll: "Da ist noch viel Potenzial, vor allem wenn man bedenkt, dass der Onlinehandel und damit der Zustellverkehr weiter wachsen werden."

Steuerliche Förderung

Auch steuerlich wird das Thema forciert. Seit Jahresbeginn kann man für ein Elektroauto einen Vorsteuerabzug geltend machen. Schon vorher waren Elektroautos von der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Außerdem entfällt der Sachbezug für diejenigen, die ein reines E-Auto als Dienstwagen fahren, zählt Gratzer auf.

Bei der Infrastruktur hält Gratzer es für klug, zunächst dort anzusetzen, "wo man Verkehr nicht reduzieren kann": bei den Taxis, bei Fuhrparks und im Firmenbereich. Im städtischen Raum "kommt es auf den Mobilitätsmix an". Zwar würde ein Elektroauto im Sinne der Luftqualität positiv zu Buche schlagen, aber "das Parkplatzproblem werden wir damit nicht lösen". So gesehen sei nachvollziehbar, dass Wien in Sachen E-Tankstellen eher zögerlich vorgehe. Die Stadt plant in den kommenden zwei Jahren eine Art Grundversorgung an E-Tankstellen zu installieren, wie Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) Anfang März erklärte. Die Grünen mussten sich davor den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die Entwicklung durch ein Verbot von E-Ladestationen im öffentlichen Raum behindern würden.

Laden gegen Gebühr

Künftig sollen jedenfalls strombetriebene Fahrzeuge an den Wiener Ladestationen ihre Akkus gegen Gebühr aufladen. Wer die Stationen betreiben und errichten soll, ist indes noch nicht klar. "Das dauert einige Stunden. Da ist dann die Frage, ob man zum Beispiel dafür eine Parkgebühr zahlen muss", sagt Gratzer.

Bis 2018 will Wien darüber hinaus eine Flotte von 250 E-Taxis etappenweise auf die Straße bringen. Die ersten 20 sind schon unterwegs. Für die E-Taxler gibt es spezielle Stromtankstellen. Das Vorhaben ist ein gemeinsames Projekt des Verkehrsministeriums und der Stadtwerke beziehungsweise der Wien Energie. Das Ministerium fördert das Projekt mit drei Millionen. Unter anderem gibt es für Fahrer, die sich für ein Elektroauto entscheiden, eine Förderung von 8.000 Euro. Wien Energie spendiert den Kraftstoff, bis Ende 2017 können die E-Taxis gratis betankt werden. Sieben solche Standorte gibt es schon, vier weitere sind in Planung. Bis Ende 2017 soll es in der gesamten Stadt 1.000 Ladestationen geben.

Autos im Anrollen

Abgesehen von der Infrastruktur braucht es noch die passenden Autos. In der Reichweite werden die neuen Modell praxisnäher. Allerdings sind sie noch erheblich teurer als die konventionellen Modelle. In Europa kommt etwa in einigen Monaten der Opel Ampera e mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern auf den Markt. Und auch die Nachfrage nach Teslas künftigem Mittelklassemodell Tesla 3 ist groß. Nur das billige Consumer-Auto für die Speckgürtelbewohner Österreichs um 10.000 Euro muss erst noch erfunden werden.

Wifo-Forscherin Köppl fällt in Sachen Förderung auch noch die Diesel-Begünstigung ein: "Man kann alternative Antriebe schon dadurch vorantreiben in den man Wettbewerbsvorteile von anderen Antriebstechnologien wegnimmt." (rebu, 26.4.2016)

  • Um die Klimaziele zu erreichen, sollen mehr Elektroautos auf die Straßen.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jan woitas

    Um die Klimaziele zu erreichen, sollen mehr Elektroautos auf die Straßen.

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