David Schalko will Fritz-Lang-Klassiker "M" fürs Fernsehen adaptieren

26. April 2016, 12:21
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Schreibt mit Ehefrau Evi Romen an TV-Dreiteiler und verlegt Handlung ins heutige Wien – FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer "kokettiert mit brandgefährlicher Ideologie"

Wien – Einen ORF-Landkrimi als Kammerspiel dreht David Schalko aktuell rund um die Wiener Höhenstraße. Sein nächstes Projekt legt der Autor und Regisseur aber wesentlich größer und ambitionierter an: Schalko arbeitet mit seiner Ehefrau und Filmemacherin Evi Romen an einer Adaption von Fritz Langs Filmklassiker "M – Eine Stadt sucht einen Mörder" aus dem Jahr 1931, erzählte er am Montag Journalisten am Rande des "Höhenstraße"-Drehs.

Neuauflage als Dreiteiler

Geplant sei die Neuauflage als Fernseh-Dreiteiler, "und da muss man noch schauen, ob das finanziert wird", so Schalko, dem bewusst ist, dass das Projekt eine "Fallhöhe" hat – "weil einen das Feuilleton eh schon vorher hasst und angreift". "Aber das macht mir nichts", meinte der 43-Jährige, "weil ich die Idee faszinierend finde und es einer meiner Lieblingsfilme ist." Eine Stadt als Protagonist habe ihn gereizt, wobei Schalko seine Fassung nicht wie das Original in Berlin, sondern in Wien ansiedeln will.

In seinem ersten Tonfilm überhaupt erzählte der gebürtige Wiener Fritz Lang legendär von einem psychopathischen Triebtäter (Peter Lorre), der – weil die Polizei versagt – von der Unterwelt gejagt wird. "Ich finde es sehr zeitgemäß, diese Mobilisierung von Städten und diese leise Etablierung von Faschismus, die da stattfindet in Zusammenhang mit Einschränkung von Bürgerrechten, Überwachung, etc. Das ist eigentlich das Thema des Films für mich und macht dann auch als Remake Sinn, weil man vergleicht, wie das 1931 war und wie das jetzt ist."

Bundespräsidentschaftswahl am Sonntag

Schalko ist dafür bekannt, sich prägnant zu gesellschaftlichen wie auch politischen Entwicklungen zu äußern, so auch nach dem ersten Durchgang der Bundespräsidentschaftswahl am Sonntag. Mit "Oh, du peinliches Österreich" hat er den Sieg des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer mit 35,05 Prozent im ersten von vielen Facebook-Postings betitelt und wurde dafür in Kommentaren u.a. als "Nestbeschmutzer" und "linkslinke Bazille" beschimpft. "Ich finde es schwierig, dass man das gar nicht mehr so sagen darf, weil dann behauptet wird, da kommen die Linken mit der Nazi-Keule", so Schalko. "Aber es ist halt nicht wurscht, welche Ideologie der vertritt. Es ist ganz klar, wofür er steht und dafür ist er gewählt worden."

Hofer kokettiere "offenkundig mit einer Ideologie", die "brandgefährlich" ist. "Das ist ein Status Quo der Gesellschaft, und das ist nicht nur in Österreich so, sondern auch in Deutschland, Holland oder Dänemark, und in ganz Osteuropa ist das mittlerweile etabliert und salonfähig. Da finde ich es auch total gerechtfertigt, seine Meinung offensiv kundzutun." Sorge, dass das den Rechten in die Hände spielen könnte, mache er sich nicht, "so bedeutend bin ich nicht". Und auch in Bezug auf die Stichwahl zeigte er sich hoffnungsvoll: Der weite Abstand von 14 Prozentpunkten zwischen Hofer und Alexander Van der Bellen werde sich "noch einmal relativieren", ist er überzeugt. "Die Frage ist nur, wer wen mobilisiert am Ende des Tages." (APA, 26.4.2016)

  • David Schalko.
    foto: fiala/payer/verband regie

    David Schalko.

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