Abmahnung: Bing-Maps-Screenshot kostet Blogger 1.200 Euro

27. April 2016, 10:16
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Betreiber von Dr. Windows verzichtete auf Prozess gegen Fotoanbieter und zahlt rund die Hälfte der Forderung

Anfang März berichtete der Blogger Martin Geuß, Betreiber der Plattform Dr. Windows, über ein ihm zugestelltes Abmahnschreiben. Weil er 2012 in einem Bericht über Microsofts Dienst Bing Maps zum Vergleich mit Google Maps einen Kartenausschnitt veröffentlicht hatte, forderte die norwegische Firma Blom 1.700 Euro von ihm. Unter Berücksichtigung aller Kosten drohte Geuß letztlich ein Schaden von 2.400 Euro.

Das Vorgehen sorgte nicht nur bei Geuß für Ärger, sondern auch bei Besuchern seiner Seite, von denen einige ihm finanzielle Unterstützung für einen etwaigen Prozess zusagten. Der Blogger hatte die Forderung von Blom damals zunächst zurückgewiesen, ist nun aber einen Vergleich mit dem Unternehmen eingegangen.

Urheberrechtsfragen

Als Grund für sein Vorgehen, über das er nun in einem weiteren Artikel informiert hat, nannte Geuß die unsichere Ausgangslage für einen Prozess. Blom sei unzweifelhaft Eigentümer des am Screenshot ersichtlichen Fotomaterials. Microsoft hat die Bilder lediglich lizenziert.

Den dadurch legitimierten Ansprüchen von Blom könnte jedoch das deutsche Urheberrechtsgesetz entgegen stehen. Dieses ermöglicht in Paragraf 51, das Zitate definiert, die "öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichen Werkes (…) sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist." In diesem Fall hatte Geuß überlegt, sich auf die journalistische Verwendung zu berufen.

Vergleich wegen unklarer Erfolgsaussichten

Sein Anwalt hatte ihn allerdings in Kenntnis gesetzt, dass dieses Argument funktionieren könne, aber nicht müsse. Und da er selbst nach eigenen Erfahrungswerten davon ausgeht, dass die erste Instanz keine Grundsatzentscheidung fällen, sondern einen Vergleich vorschlagen würde, schlug er Blom "zähneknirschend" einen solchen vor.

Das Unternehmen stimmte einer außergerichtlichen Lösung zu, Geuß muss nach eigenen Angaben nun "rund die Hälfte" der Summe begleichen, insgesamt etwas mehr als 1.200 Euro. "Es war unter Abwägung aller Fakten eine Entscheidung der Vernunft", argumentiert er diesen Schritt. "Der Krieger in mir rebelliert immer noch dagegen." Den Artikel zum Update von Bing Maps aus 2012 hat er mittlerweile offline gestellt. (gpi, 27.04.2016)

  • Ein Screenshot von Bing Maps ist den Blogger Martin Geuß letztlich teuer zu stehen gekommen.
    foto: faksimile/dr. windows

    Ein Screenshot von Bing Maps ist den Blogger Martin Geuß letztlich teuer zu stehen gekommen.

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