USA ziehen in den Cyberkrieg gegen Terrormiliz IS

26. April 2016, 08:40
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NSA-geleitetes Cyber Command soll Kommunikations- und Propagandakanäle stören

In seinem Kampf gegen den Terror greifen die USA nun zu neuen Waffen, und diese sind digitaler Natur. Erstmals wird das vor sechs Jahren gegründete "Cyber Command" offensiv gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eingesetzt, berichtet die "New York Times". "Wir werfen Cyberbomben ab", das haben wir bisher noch nie getan", zitiert die Zeitung Vizeverteidigungsminister Robert Work.

Falschmeldungen

Ziel dieser Angriffe sei es nicht nur, Propaganda-, sondern auch Kommunikationskanäle des IS zu stören. Indem man in die Netzwerke der Terroristen eindringe, könne man gezielt falsche Nachrichten verbreiten. Damit soll der IS zu falschen Entscheidungen provoziert werden, etwa um seine Kämpfer in Gebiete zu verlagern, die besser durch US-Drohnenangriffe zu erreichen seien.

Verunsicherung

Gleichzeitig hofft man auch auch auf einen abschreckenden Effekt, wenn sich etwa neue IS-Rekruten nicht mehr sicher sein können, dass ihre Kommunikation mit der Terrormiliz tatsächlich geheim ist. Ein weiteres Ziel sei es, durch gezielte Angriffe die Finanzkanäle des IS zu stören, um beispielsweise Zahlungen an Kämpfer zu unterbinden, so der Bericht.

Nicht das einzige Werkzeug

Susan Rice, Beraterin von US-Präsident Obama in Fragen der nationalen Sicherheit, betont allerdings, dass man die Aussagen von Work nicht überbewerten solle. Diese Angriffe gebe es, sie seien aber nicht das einzige Werkzeug, das man nutze. Klar sei aber natürlich, dass der IS stärker als andere Gegner Onlinekanäle nutze, um zu rekrutieren und seine Operationen zu koordinieren.

Hintergrund

Der Einsatz des Cyber Command gegen den IS soll laut Quellen aus dem Pentagon auf eine Initiative von US-Präsident Obama selbst zurückgehen. Dieses soll vor einigen Monaten intern die Frage aufgeworfen haben, warum eigentlich das Arsenal von Cyberwaffen, in deren Entwicklung man hunderte Millionen wenn nicht gar Milliarden an US-Dollar investiert hat, nicht gegen die Terrormiliz eingesetzt würde.

NSA-Verwandschaft

Das für all diese Aktionen zuständige Cyber Command ist das militärische Pendant zur National Security Agency (NSA). Wie die NSA auch steht es unter dem Kommando von Michael Rogers. In den vergangenen Jahren war das Cyber Command vor allem mit anderen Ländern wie Russland, China, Iran und Nordkorea beschäftigt, da ein Großteil der Cyberangriffe gegen die USA aus diesen Ländern stammen. Gegen den IS hatte man sich in der Vergangenheit hingegen auf Aufklärung beschränkt.

Kritik

Der jetzige Richtungswechsel hin zu offensiven Maßnahmen gegen den IS stößt bei der NSA übrigens keineswegs auf ungeteilte Begeisterung. Immerhin hat man viele Jahre investiert und darauf gebaut, die eigenen Operationen möglichst unbeobachtet durchführen zu können. Ein breiterer Einsatz solcher Werkzeuge erhöhe auch die Gefahr der Entdeckung, so die Befürchtung. In der Folge würden die Terroristen – und andere Gegner – ihre Kommunikationskanäle noch besser absichern und so die NSA potenziell aussperren. (red, 26.4.2016)

  • Michael Rogers leitet nicht nur die NSA, sondern auch dessen militärisches Gegenstück, das US Cyber Command.
    foto: apa/afp/yuri gripas

    Michael Rogers leitet nicht nur die NSA, sondern auch dessen militärisches Gegenstück, das US Cyber Command.

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