Der Niedergang der Großparteien in einer Grafik

Infografik26. April 2016, 07:26
151 Postings

Seit 1951 gab es auf Bezirksebene ausschließlich rote oder schwarze Gewinner bei Bundespräsidentenwahlen. Nie ging ein anderer Kandidat als Sieger hervor – bis zu dieser Wahl

Seit der ersten Bundespräsidentenwahl im Jahr 1951 haben sich Volkspartei und Sozialdemokratie das Match um das Amt des Bundespräsidenten untereinander ausgemacht. In keinem Bezirk ist jemals ein Vertreter einer anderen Partei oder ein unabhängiger Kandidat als Sieger hervorgegangen – das hat sich mit den Ergebnissen vom Wahlsonntag um 180 Grad gewendet. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wird kein Vertreter der SPÖ oder ÖVP in der Stichwahl sein.

In keinem der Bezirke bzw. Statutarstädte hat ein Vertreter der SPÖ oder ÖVP eine relative Mehrheit. Bei der Bundespräsidentenwahl hat FPÖ-Kandidat Norbert Hofer in fast jedem Bezirk die Oberhand. Nur in fünf Bezirken hat Alexander Van der Bellen besser abgeschnitten: Graz, Mödling, Linz, Innsbruck und Feldkirch. Wien ist ebenso zweigeteilt, gesamt gesehen liegt der frühere Grünen-Parteichef aber vor dem FPÖ-Kandidat.

Wahlergebnisse seit 1951 im Schnelldurchlauf

In dieser Animation sehen Sie, für welchen Kandidaten sich jeder Bezirk seit 1951 entschieden hat:

Einen ausführlicheren Artikel über die historischen Ergebnisse der Bundespräsidentenwahl auf Bezirksebene bis 2010 lesen Sie hier. (Gerald Gartner, Markus Hametner, 25.04.2016)

Alle in der Grafik angegebenen Prozentzahlen beziehen sich auf das verläufige Endergebnis inklusive Briefwahlstimmen.

Warum diese verzerrten Grenzen?

Im Forum gab es Nachfragen, warum Bezirke in dieser Form dargestellt werden. Wir haben Kartogramme erstellt, die jedem Bezirk in etwa gleich viel Raum geben. Demnach werden Städte größer dargestellt, als sie eigentlich sind, und große Bezirke eben kleiner. Wir wollten Städte mehr hervorheben, weil dort mehr Stimmen vergeben werden. Wenn wir die Bezirksgrenzen gleich nach Wahlberechtigten verzerrt hätten, würde die Karte im Wesentlichen nur aus Wien bestehen. Deshalb dieser Kompromiss.

Hinweise zu den Daten

Die Daten ab dem Jahr 1998 sind vom Bundesministerium für Inneres zur Verfügung gestellt. Die Wahldaten davor hat DER STANDARD aus den historischen Broschüren erhoben. Wir haben dabei größtmögliche Sorgfalt aufgewendet, können aber nicht ausschließen, dass uns beim Abtippen nicht ein Fehler unterlaufen ist.

Unschärfen bei den Bezirksgrenzen

Oberösterreich: Die Staturstadt Wels ist aus dem Bezirk Wels hervorgegangen. Die Staturstadt wird vor diesem Jahr trotzdem eigenständig mit den Ergebnissen des Bezirks Wels ausgewiesen.

Vorarlberg: Der Bezirk Dornbirn wird in der Karte ebenfalls durchgehend angezeigt, obwohl es ihn vor 1969 als solchen nicht gegeben hat. Vor diesem Datum zeigt er die Ergebnisse des Bezirks Feldkirch, aus dem der Bezirk Dornbirn hervorgegangen ist.

Kärnten: Der Bezirk Feldkirchen ist 1982 aus Klagenfurt-Land hervorgegangen. Er wird auch vor diesem Tag angezeigt, obwohl es ihn nicht gegeben hat, und zeigt die Ergebnisse von Klagenfurt-Land.

Niederösterreich: Das Jahr 1951 hat manche Bezirke, die damals so noch nicht existieren: Wien-Umgebung und Mödling. Beide sind Wien entsprungen. Die dortigen Ergebnisse werden in den Bezirken eingeblendet. Lilienfeld wird aus dem Bezirk St. Pölten-Land herausgebildet. Außerdem ist die eingescannte historische Broschüre im Jahr 1951 an jener Stelle unlesbar, wo die Bezirksergebnisse für Zwettl ausgewiesen werden. Deshalb wird in dem traditionell ÖVP-wählenden Bezirk Heinrich Gleißner als Wahlsieger angenommen (ÖVP).

Share if you care.