Wahl in Serbien: Meister des Feigenblatts

Kommentar25. April 2016, 18:17
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Aleksandar Vučić konnte die Serben davon überzeugen, dass seine Gegner an allem schuld sind

Es ist schon phänomenal: In einem Transitionsland mit einer Arbeitslosigkeit von rund 25 Prozent, in dem die Regierung nach dem Diktat des Internationalen Währungsfonds ein Sparprogramm durchführt, in dem die Pensionen gekürzt und Massenentlassungen angekündigt werden, in dem es mit dem Lebensstandard bergab geht, erreicht eine allein herrschende Partei mit einem Alleinherrscher an der Regierungsspitze zum zweiten Mal in Folge bei Parlamentswahlen die absolute Mehrheit.

Wie kann das sein, dass das Wahlvolk diese Partei und ihren Alphaführer, Premier Aleksandar Vučić, nicht für die immer größere soziale Misere bestraft, obwohl beide seit vier Jahren an der Macht sind?

Regierungschef Vučić hat das Rezept gefunden und umgesetzt: Kontrolle von Massenmedien bei Duldung von einigen kritischen Zeitungen als Feigenblätter für die Medienfreiheit; Abstimmung der Außen- und Regionalpolitik mit EU und USA, womit er sich die Unterstützung des Westens sichert; brutale Abrechnung mit Andersdenkenden via Medien, Justiz und Polizei; und zügellose populistische Versprechen von einem serbischen Wirtschaftswunder.

Mit Feingefühl konnte er die Serben davon überzeugen, dass seine Gegner an allem schuld sind, während er allein heldenhaft gegen das Böse kämpft. Meisterhaft hat er sich als aufopfernder Volksführer präsentiert, als der Einzige, der Serbien aus dem Abgrund ziehen kann. (Andrej Ivanji, 25.4.2016)

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