Weichspülgang für Trump im US-Wahlkampf

26. April 2016, 09:00
54 Postings

Der Lobbyist Paul Manafort soll dem republikanischen Bewerber ein facettenreicheres, sanfteres Image verpassen

Paul Manafort ist Experte für Imagepflege. Er versucht Politiker von Rang in ein günstiges Licht zu rücken – auch wenn es sich im Lauf seiner Karriere bisweilen um Politiker handelte, an deren Image sich kaum noch etwas polieren ließ. Etwa um Mobutu Sese Seko oder Ferdinand Marcos, die Autokraten Zaires beziehungsweise der Philippinen. Vor ein paar Wochen hat er bei Donald Trump angeheuert und inzwischen die Regie im Kampagnenstab des Milliardärs übernommen. Manaforts Job ist es, seinen Klienten weichzuzeichnen, ihn so zu vermarkten, dass er daherkommt wie ein Mann mit Gravitas, nicht wie das vulgäre Großmaul, als das er bisher im Wahlkampf zu erleben war. Trump 2.0, wenn man so will.

Vor der Parteiführung der Republikaner hat es der PR-Profi neulich so skizziert: Wenn Trump auf der Bühne stehe, "dann projiziert er ein Image, das einzig und allein dem Zweck dient". Dem Zweck, die Wut seiner Anhänger zu schüren, sagte Manafort zwischen den Zeilen. Bald aber werde man einen anderen Trump erleben, einen facettenreicheren, seriöseren, "die reale Person". Sobald der Unternehmer die Kandidatur fürs Weiße Haus in der Tasche habe und sich dem voraussichtlichen Duell gegen Hillary Clinton zuwenden könne, werde er die politische Mitte ansteuern.

Das klang so zynisch, so abgeklärt, als wäre alles Vorangegangene nur billige Show gewesen. Als hätte "The Donald" nur eine Theaterrolle gespielt, als er forderte, elf Millionen illegale Immigranten zu deportieren und Muslime vorläufig nicht mehr einreisen zu lassen, als er Frauen verhöhnte und bei einer Kundgebung rief, er würde einem Demonstranten am liebsten ins Gesicht schlagen.

Manafort jedenfalls will den Parteigranden das Gefühl vermitteln, als ließe sich bis zum November wieder vergessen, was anständigere Konservative über Trump sagen: dass sie ihn nie und nimmer wählen und dem Votum lieber fernbleiben würden.

Salonfähiges Establishment

Schon der Habitus des 67-Jährigen soll wie eine Beruhigungspille wirken. Nadelstreifen, druckreife Wortwahl: Manafort wirkt wie der Inbegriff jenes politischen Establishments, gegen das sein neuer Auftraggeber so vom Leder zieht. Er bietet das Kontrastprogramm zu Trumps bisherigem Manager, zu Corey Lewandowski, einem rüden Tea-Party-Aktivisten aus New Hampshire.

Manafort hat sein gesamtes Berufsleben in der Politik verbracht. Beim republikanischen Wahlparteitag im Sommer 1976, da war er 27, gehörte er zur Mannschaft des damaligen US-Präsidenten Gerald Ford, die um die Gunst schwankender Delegierter buhlte. Fords Herausforderer hieß Ronald Reagan. Beide lagen praktisch gleichauf, sodass der Konvent zu einem Nervenspiel wurde. Das seltene Drama einer "Contested Convention", 2016 könnte es sich wiederholen. Gerade haben Trumps Konkurrenten Ted Cruz und John Kasich verkündet, gemeinsame Sache machen zu wollen, um genau das zu erreichen.

Zu Manaforts früheren Kunden zählte Jonas Savimbi, Chef der rechten angolanischen Rebellengruppe Unita, der die Beraterfirma Black, Manafort, Stone & Kelly einspannte, um die Regierung Reagans dazu zu bringen, die Guerilla finanziell zu unterstützen. Ferdinand Marcos, der philippinische Diktator, wollte sich durch Dienste des Lobbyisten ein demokratischeres Image verschaffen.

Auch Viktor Janukowitsch, bis vor zwei Jahren russlandnaher Präsident in Kiew, suchte im Wahlkampf Manaforts Rat. Der Anstoß dafür war von Rinat Achmetow gekommen, einem der reichsten Oligarchen der Ukraine. (Frank Herrmann aus Washington, 26.4.2016)

  • Donald Trump soll in ein günstiges Licht gerückt und "weichgezeichnet" werden.
    foto: reuters/eduardo munoz

    Donald Trump soll in ein günstiges Licht gerückt und "weichgezeichnet" werden.

  • Paul Manafort plant dafür bereits die nächste, staatstragende Phase der Wahlkampagne.
    foto: reuters / joe skipper

    Paul Manafort plant dafür bereits die nächste, staatstragende Phase der Wahlkampagne.

Share if you care.