Exsenator Harris Wofford heiratet mit 90 einen Mann

Kopf des Tages25. April 2016, 20:12
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Bekenntnis zur zweiten Liebe seines Lebens

Harris Wofford war ein 65-jähriger gut vernetzter Anwalt, früherer Rektor des angesehenen Bryn Mawr College, demokratischer Parteifunktionär im US-Bundesstaat Pennsylvania und Bürgerrechtsaktivist, als er im Herbst 1991 plötzlich ins Scheinwerferlicht der nationalen Öffentlichkeit trat. Nach dem Unfalltod eines Senators trat er für die Demokraten als krasser Außenseiter gegen Dick Thurnburgh, Justizminister unter Ronald Reagan und George Bush Sr., an, holte einen massiven Rückstand in den Meinungsumfragen auf und siegte im November klar. Sein Erfolg war ein Zeichen der Unzufriedenheit mit der Bush-Regierung und ein Vorbote für Bill Clintons Wahlsieg 1992 – zumal auch Wofford von den späteren Präsidentenberatern James Carville und Paul Begala beraten wurde.

Kampf gegen Malaria

Aber schon im November 1994 verlor Wofford seinen Senatssitz gegen den erzkonservativen Rick Santorum in der ersten republikanischen Welle gegen Bill und Hillary Clinton. Der dreifache Vater übernahm die Leitung eines nationalen Freiwilligenprogramms, engagierte sich im Kampf gegen Malaria und unterrichtete an einer Universität. 1996 starb seine Ehefrau Clare Lindgren nach 48 Jahren Ehe. Wofford, der einst als erster Weißer an der schwarzen Howard University studierte und John F. Kennedy beim Aufbau des Peace Corps geholfen hatte, lernte 2005 den Senator Barack Obama kennen, freundete sich mit ihm an und stellte ihn vor, als Obama im Vorwahlkampf im März 2008 seine berühmte Rede über Rassenbeziehungen hielt.

Zweite Liebe seines Lebens

Nun, mit 90, wird Wofford erneut zur gesellschaftspolitischen Symbolfigur, und diesmal in eigener Sache. In der New York Times gab er bekannt, dass er vor 15 Jahren am Strand in Florida die zweite Liebe seines Lebens gefunden hat, den um 50 Jahre jüngeren Matthew Charlton, und ihn am 30. April heiraten werde. Drei Jahre lang hatte er gebraucht, um seinen Kindern von der Beziehung zu erzählen, und nun wolle er sich öffentlich dazu bekennen.

Für Wofford ist es die vielleicht wichtigste politische Botschaft seines Lebens, denn die vom US-Höchstgericht legalisierte gleichgeschlechtliche Ehe ist immer noch umstritten. Man könne eine Frau genauso wie einen Mann lieben, und er wolle sich nicht nach dem Geschlecht der von ihm Geliebten definieren. Es ist wohl sein letzter Akt, der im Gedächtnis der Nation mehr in Erinnerung bleiben wird als alles andere, was er in seinem langen Leben geleistet hat. (Eric Frey, 25.4.2016)

  • Harris Wofford.
    foto: ap/ron edmonds

    Harris Wofford.

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