Sorgen um das Säugetier mit der geringsten genetischen Vielfalt

25. April 2016, 17:37
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Der Kalifornische Insel-Graufuchs hat eine derart geringe genetische Varianz, dass sein Überleben Forscher erstaunt

Los Angeles – Geringe genetische Varianz innerhalb einer Spezies ist eine Eigenschaft, die Artenschützern große Sorgen macht. Eine solche Spezies kann trotz vergleichsweise hoher Anzahl an Individuen gefährdeter sein als eine zahlenmäßig viel kleinere mit höherer Varianz – ein klassisches Beispiel dafür ist der Gepard.

Im Fachblatt "Current Biology" berichten Forscher allerdings von einer Spezies, die Geparde und andere Kandidaten wie den Tasmanischen Teufel oder den Berggorilla noch um eine Größenordnung übertrifft: den Kalifornischen Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis).

Möglicherweise mitgebracht

Diese Tiere leben nur auf einigen der Channel Islands vor der Küste Kaliforniens und sind um ein Drittel kleiner als ihre nächsten Verwandten unter den Graufüchsen. Forscher vermuten, dass die Tiere von Festland-Graufüchsen abstammen, die vor über 7.000 Jahren die Inseln erreichten – und möglicherweise nicht aus eigener Kraft: Sie könnten von den amerikanischen Ureinwohnern teildomestiziert worden sein.

Auf den Inseln schmorten die Tiere, die auf nur wenige Urahnen zurückgehen dürften, jedenfalls im eigenen Saft, berichtet das Team um Jacqueline Robinson von der University of California. Die Varianz ist verschwindend gering, ergaben Genanalysen. Insbesondere die Population auf der Insel San Nicolas ist davon betroffen: Laut den Forschern könnte es sich um die (Sub-)Spezies mit der geringsten genetischen Diversität aller wildlebenden Tierarten handeln.

Die Forscher sprechen von einem einzigartigen "genomischen Flatlining"; ein Umstand, der in den Bemühungen um den Schutz der als stark bedroht eingestuften Inselfüchse berücksichtigt werden müsse. Da mangelnde genetische Diversität die Resistenz gegenüber Epidemien sowie die Anpassungsfähigkeit im Fall von Umweltveränderungen stark senkt, wundern sich die Forscher in ihrer Studie, wie es die Füchse überhaupt so lange geschafft haben, auf den Inseln zu überleben. (red, 25. 4. 2016)

  • Ein Fall von Inselverzwergung: Der Kalifornische Insel-Graufuchs ist um ein Drittel kleiner als seine Verwandten auf dem Festland.
    foto: gary roemer

    Ein Fall von Inselverzwergung: Der Kalifornische Insel-Graufuchs ist um ein Drittel kleiner als seine Verwandten auf dem Festland.

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