SPÖ-Abgeordneter Pupp: "Mit Van der Bellen wären wir besser beraten gewesen"

Interview25. April 2016, 18:43
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Der Tiroler Landtagsabgeordnete und stellvertretende SPÖ-Klubobmann Thomas Pupp hält Rudolf Hundstorfer für die falsche Wahl und die Tage von Werner Faymann für gezählt

STANDARD: Die Sozialdemokraten wurden ein weiteres Mal – diesmal fast vernichtend – vom Wähler abgestraft. Welche Konsequenzen müssen auf Bundesebene gezogen werden?

Pupp: Nach diesem Ergebnis kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Niemand hat mit einem Resultat in dieser Drastik gerechnet. Das ist wirklich schade, denn Rudi Hundstorfer war ein Supersozialminister, aber der falsche Präsidentschaftskandidat. Intern wurde ja kurz diskutiert, ob wir als Sozialdemokraten Alexander Van der Bellen als gemeinsamen Kandidaten unterstützen sollen. Damit wären wir vermutlich besser beraten gewesen.

STANDARD: Wäre man künftig mit einem neuen Parteichef besser beraten?

Pupp: In erster Linie muss die Sozialdemokratie wieder zu ihren Werten zurückfinden. Wir brauchen eine Neuausrichtung. Ein großes Problem war die Kehrtwende des Kanzlers in der Flüchtlingspolitik, als er begonnen hat, die Rhetorik der Freiheitlichen zu übernehmen. Das hat intern viele abgeschreckt und in der Bevölkerung das Gefühl erweckt, dass wir Sozialdemokraten Wendehälse sind.

STANDARD: Und in zweiter Linie?

Pupp: Natürlich müssen wir jetzt auch über Personalien diskutieren.

STANDARD: Denken Sie wirklich, dass Werner Faymann schon bald geht?

Pupp: Diese Rhetorik in der ersten Schockstarre, dass wir ein schlechtes Wahlergebnis nun erst einmal analysieren müssen und Wählerforschung betreiben, um dann daraus Schlüsse zu ziehen, das erzählen wir seit Jahren, das kann niemand mehr hören. Es gibt akuten Handlungsbedarf.

STANDARD: Wer könnte Faymann nachfolgen?

Pupp: Wünschenswert wäre einmal wieder ein starker Vorsitzender mit Strahlkraft, die weit über alle Parteigrenzen hinaus reicht. Jemand mit einem sozialdemokratischen Kern, der Lösungen präsentiert und Lust an Politik weckt. Jemand wie Kreisky oder Vranitzky.

STANDARD: Und wer könnte das heute sein?

Pupp: ÖBB-Chef Christian Kern macht einen tollen Job, ich würde ihm das zutrauen. Was die Leute maßlos stört, ist das Herumschieben von Positionen. Wir brauchen ein neues Verständnis von Politik und Parlamentarismus. Das frühere Lagerdenken ist Geschichte. (Katharina Mittelstaedt, 25.4.2016)

Thomas Pupp ist studierter Jurist seit dem Jahr 2013 stellvertretender Klubobmann der SPÖ Tirol. Zuvor war er in der schwarz-roten Tiroler Regierung Landesrat für Wohnbauförderung, Umwelt, Naturschutz und Sport.

  • Thomas Pupp (54) wünscht sich einen SPÖ-Parteivorsitzenden "mit Strahlkraft, die weit über alle Parteigrenzen hinaus reicht".
    foto: uwe schwinghammer

    Thomas Pupp (54) wünscht sich einen SPÖ-Parteivorsitzenden "mit Strahlkraft, die weit über alle Parteigrenzen hinaus reicht".

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