Mars-Rover auf Testfahrt in spanischem Erzabbaugebiet

25. April 2016, 15:00
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EU fördert internationales Forschungsprojekt mit österreichischer Beteiligung: Außer Rover auch Mars-Habitat im Test

foto: apa/afp/jorge guerrero
Der Italienisch-kolumbianische Astronaut Diego Urbina, der schon an der großen Marsflugsimulation "Mars 500" teilgenommen hat, testet einen Weltraumanzug vom Typ "Gandolfi 2"; neben ihm der Rover YEMO.

Wien/Huelva – Um Systeme zu testen, die einmal bei einer Mission zum Mars zu Einsatz kommen sollen, setzen Forscher auf sogenannte "Analogmissionen" auf der Erde – nicht zuletzt das Österreichische Weltraum Forum lässt gerne Analogastronauten losmarschieren. Eine ähnliche Mission geht nun in Spanien unter dem Titel "Moonwalk" über die Bühne – und auch hier sind Österreicher mitbeteiligt.

Nachdem in der vergangenen Woche die Vorbereitungen abgeschlossen wurden, steht diese Woche im Zeichen der eigentlichen Tests, wie Barbara Imhof von der Wiener Weltraum-Architekturplattform Liquifer erklärte. Die technologischen Kernstücke des von der EU geförderten Forschungsprojektes sind der Mars-Rover YEMO, der von den Astronauten mittels Gesten gesteuert werden kann, das von Liquifer designte selbstentfaltende Habitat mit dem Namen "Self-deployable Habitat for Extreme Environments" (SHEE) und ein neuer Raumanzug.

foto: apa/afp/jorge guerrero
Marsgefährt mit einem Hauch Spielzeug-Anmutung: YEMO.

Die Handlungsanweisungen für die in einem Erz-Tagbau nahe der Stadt Sevilla durchgeführte Mission wurden von den österreichischen Projektpartnern erstellt. Auf deren Grundlage läuft die Kommunikation über ein Tablet, über das der Astronaut wichtige Informationen über seinen Zustand erhält und den Rover steuern kann. Die Kommunikation mit den Kontrollzentren in Brüssel und am Georgia Institute of Technology in Atlanta erfolgt wie bei einer echten Marsmission zeitverzögert.

Der federführend von deutschen Forschern entwickelte Rover hat die sogenannte Payload-Box an Bord, die die Werkzeuge für die Astronauten bereithält und die gesammelten Proben aufnimmt. Für den Fall, dass der Astronaut stürzt, soll ihm der Rover auf eine Geste hin eine Art Stock reichen, um wieder auf die Beine zu kommen.

foto: apa/afp/jorge guerrero
Das Marshabitat SHEE.

Besonders an dem Missions-Konzept ist unter anderem, dass der Astronaut direkt aus dem Habitat in den Raumanzug steigt und sich dann abdockt. Das sei wichtig, weil so sichergestellt wird, dass er nichts Irdisches auf die fiktive Mars-Oberfläche mitbringt. "Denn man möchte ja am Mars nicht Leben finden, das man selbst mitgebracht hat", sagte Imhof.

Eine der Forschungsfragen bezieht sich auch darauf, ob und wie sich die Kommunikation zwischen Mensch und Roboter bzw. Mensch und Mensch unterscheidet. Denn die Qualität der Beziehung zwischen Mensch und Maschine könnte auf einer langen Marsmission entscheidend sein. In der ersten Juni-Hälfte sollen Raumanzug und Rover in der Nähe von Marseille auch unter Wasser und damit bei geringerer Schwerkraft getestet werden.

foto: apa/afp/jorge guerrero
Wie gut Mensch und Maschine harmonieren, ist eine der entscheidenden Forschungsfragen des Projekts.

Einiges der nun eingesetzten Technologien und im Missions-Ablauf ist laut Imhof "schon sehr realitätsnah". Auf dem Weg zu einer tatsächlichen Reise zum Roten Planeten seien allerdings noch viele Fragen zu klären. So fehlen etwa noch eine geeignete Schwerlastrakete und verlässliche lebenserhaltende Systeme. Auch punkto Nahrungsmittelproduktion während der Mission sei noch einiges offen.

"Mit einem richtigen Willen ginge vieles aber schneller", sagte Imhof, die in der Auseinandersetzung mit diesen Themen auch irdische Aspekte hervorhebt: Man lerne nämlich viel über nachhaltige Nutzung von knappen Ressourcen auf besonders engem Raum. In den immer größer werdenden Städten könnten solche Konzepte bald sehr gefragt sein, und mit Fragen der Nachhaltigkeit müsse man sich global viel stärker auseinandersetzen. "Es schärft auch das Bewusstsein dafür, dass auch die Erde ein Raumschiff ist, von dem man sich gut überlegen muss, wie man damit umgeht", sagte Imhof. (APA, red, 25. 4. 2016)

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