Julian Le Play: Auf dem Amtsweg nach Hollywood

26. April 2016, 07:00
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Der Wiener Musiker veröffentlicht sein drittes Album. Es berichtet vom Reisen in einer seltsamen Sprache

Wien – Mitte 20 zu sein ist super. Zumindest für ein europäisches Weißbrot aus gutem Haus. Der Lebenshunger ist groß, die Möglichkeiten schier unendlich, die Leber funktioniert nie wieder besser. Da tut man gut daran, das Leben zu leben, sich die Welt anzuschauen. Das ist gut für die Weltanschauung, und womöglich entdeckt man einen Platz für sich.

Julian Le Play befindet sich gerade in dieser Phase. Der Wiener Musiker wird heuer 25 und schöpft gewissermaßen aus dem Vollen. Eben hat er sein drittes Album veröffentlicht, flügge hat er es Zugvögel genannt.

foto: max parovsky
Julian Le Play ging für sein Album "Zugvögel" auf Reisen. Seine akustischen Postkarten fürchten keine Banalität.

Der Titel ist eine Chiffre für die Entstehungsgeschichte des Werks. Dafür hat der als Julian Heidrich geborene Le Play eine Auszeit genommen und ist gereist. Statt einer Wanderklampfe trug er ein Keyboard im Rucksack. Es ist ein ambitioniertes Werk geworden, es soll ihm helfen, den deutschen Markt zu knacken. Das könnte sich ausgehen.

Julian Le Play spielt eine Musik, die in Deutschland gut eingeführt ist. Es ist moderne Schlagermusik. Emotionalisiert, verständlich, niederschwellig. Das ist ein Euphemismus für schlicht, aber das ist nicht automatisch schlecht, siehe Punk.

Im Falle von Le Play bedeutet es, dass er seine Songs aus sehr persönlicher Perspektive vorträgt, das macht man im Schlager so. Die Texte sind nachvollziehbar, fürchten sich vor keiner Banalität. Sie pochen auf ihr Recht, mit großen Augen durch die Welt zu wandern, das Herz offen, "den Fuß am Gas", wie Le Play irgendwann singt. Das zeitigt Zeilen wie "Ich lass die Sonne wieder rein. Lass frische Luft in meine Brust hinein. Ich will mein Leben mit dir teilen. Lass niemand anderen in mein Herz hinein." Kein katholischer Würdenträger, keine Carmen Nebel wird sich je an diesen Zeilen stoßen.

digster pop

Le Play trägt das in einem fahnenflüchtigen Idiom vor, das seinen Platz zwischen dem Gesang eines Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer mit freier Nase sucht und findet. Als aus freien Stücken säuselnder Kunstpiefke erzählt er vom Hollywood BLVD, sehnt sich nach einer Starken Schulter oder gibt sich in Du schmeckst nach Sommer lebensfroh verknallt. Oder er singt vom Durchmachen. Atemlos durch die Nacht, das weiß man, das ist gerade angesagt.

Die Musik ist artig bis bieder. Das Klavier bedient die Gefühle, an deren Existenz einen sonst Coldplay erinnern, die behutsam eingesetzte Elektronik suggeriert Modernität. Alles passt. Auch der Werdegang des Musikers.

Julian Le Play geht brav den Amtsweg für Popstars. Als Kaulquappe nahm er am Kiddy Contest teil, später war er Moderator der ORF-Show Close Up. Er ritterte sich durch die Demütigungen von Castingshows, bemühte sich um die Song-Contest-Teilnahme und jobbte vier Jahre lang beim Stromlinienradiosender Ö3, drei Amadeusse stehen für so viel Anpassungsfähigkeit bereits in seinem Regal.

Jetzt will also Deutschland erobert werden. Im Moment spricht nichts dagegen, dass sich ihm der Schlagerolymp öffnet. Höchstens seine Garderobe. Aber die kann man ja ändern. (Karl Fluch, 26.4.2016)

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