Sprengelergebnisse: Das rote Wien ist jetzt grün-blau

Infografik25. April 2016, 15:42
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Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen teilen sich die Bundeshauptstadt. Nur aus drei von 1.528 Wahlsprengeln ging Rudolf Hundstorfer als Sieger hervor

Im blauen Österreich gibt es eine große Ausnahme: Wien. Die Hauptstadt ist das einzige Bundesland, in dem FPÖ-Kandidat Norbert Hofer keine relative Mehrheit hat. Er liegt etwa zwei Prozentpunkte hinter Alexander Van der Bellen.

Tendenz der Wien-Wahl fortgesetzt

Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl am Sonntag zeigt auf Ebene der Wahlsprengel starke Kontraste: Die Flächenbezirke Favoriten, Simmering, Meidling, Floridsdorf, Donaustadt und Liesing haben mehrheitlich für Norbert Hofer gestimmt. Damit hat sich der Trend der Wien-Wahl des Vorjahres fortgesetzt: Jene Wahlsprengel, die im Oktober für die FPÖ gestimmt haben, sind jetzt in der Hand von Norbert Hofer.

Innenstadtbezirke an Van der Bellen

Alexander Van der Bellen liegt in den Innenstadtbezirken sowie im Westen der Stadt vorne. Die Bezirke innerhalb des Gürtels sind mit Ausnahme der Inneren Stadt traditionell links der politischen Mitte angesiedelt.

Die Hochburgen der Kandidaten im Detail

Am stärksten hat Norbert Hofer im Arbeiterbezirk Simmering abgeschnitten. Gemäß vorläufigem Endergbnis ohne Wahlkarten hat er dort 42,8 Prozent aller gültigen Stimmen erhalten. Seit der Wahl im Oktober hat der Bezirk mit Paul Stadler einen blauen Bezirksvorsteher. Aus demografischer Sicht hat Simmering eine junge Bevölkerung mit überdurchschnittlich hohem Anteil an Personen mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss. Die Akademikerquote ist mit neun Prozent die niedrigste in Wien (Stand 2013, Statistik Austria). Das beste Einzelergebnis hat Hofer in einem Wahlsprengel eingefahren, in dem vorwiegend Polizisten in einem Wohnheim leben. Im Wahlsprengel 44 in Ottakring hat Norbert Hofer 65 Prozent der Stimmen bekommen.

Angezeigt wird jenes Zehntel der Wahlsprengel, in denen der Kandidat die besten Wahlergebnisse hat.

Jene Bezirke, die bei der Gemeinderatswahl im Vorjahr noch rot waren, haben sich bei der Bundespräsidentschaftswahl mehrheitlich für Alexander Van der Bellen entschieden. Sein bestes Bezirksergebnis hat er in Neubau eingefahren – dort, wo auch die Grünen bei der Gemeinderatswahl am stärksten waren. Der siebente Bezirk hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Personen unter 30 Jahren. Die Hochburg von Alexander Van der Bellen liegt allerdings in Ottakring. Im Sprengel 6 sind 62,8 Prozent der Stimmzettel auf ihn entfallen.

Angezeigt wird jenes Zehntel der Wahlsprengel, in denen der Kandidat die besten Wahlergebnisse hat.

Irmgard Griss hat überdurchschnittlich viele Wähler im Westen Wiens. Im bürgerlichen Döbling hat sie mit 40,5 Prozent aller Stimmen ihr bestes Sprengelergebnis erreicht. Tendentiell schneidet Griss in den bürgerlichen Grätzeln Wiens besser ab. Im ersten Bezirk hat sie mit 28,11 Prozent ihr bestes Ergebnis, dicht dahinter folgen Hietzing mit etwa 27 Prozent und Döbling mit 25,7 Prozent.

Angezeigt wird jenes Zehntel der Wahlsprengel, in denen der Kandidat die besten Wahlergebnisse hat.

Rudolf Hundstorfer hat in drei Sprengeln eine relative Mehrheit erhalten. In diesen Wahlsprengeln sind jeweils Senioren- bzw. Pensionisten-Wohnheime zu finden (Engerthstraße, 1020; Khlesplatz, 1120; Breitenfurterstraße, 1230). Vom roten Wien der Gemeinderatswahl im Oktober ist wenig übrig geblieben:

Angezeigt wird jenes Zehntel der Wahlsprengel, in denen der Kandidat die besten Wahlergebnisse hat.

Die im Oktober verkündete Neuaufstellung der Wiener Volkspartei hat Andreas Khol keinen Aufwind gebracht. Der ÖVP-Kandidat hat insgesamt 5,7 Prozent der Stimmen erhalten. Selbst in der traditionell ÖVP-affinen Inneren Stadt bleibt Khol mit 10,3 Prozent hinter Norbert Hofer, Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss.

Angezeigt wird jenes Zehntel der Wahlsprengel, in denen der Kandidat die besten Wahlergebnisse hat.

(Markus Hametner, Gerald Gartner, 25.4.2016)

Datenhinweis

In den Sprengelergebnissen sind Wahlkarten nicht enthalten. Es werden nur die im jeweiligen Wahllokal abgegebenen Stimmen dargestellt. Alle Bezirksangaben beziehen sich auf das vorläufige, amtliche Endergebnis ohne Wahlkarten.

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