Vitamin D: Viele Menschen unterversorgt

25. April 2016, 13:32
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Den Österreichern fehlt es an Vitamin D, das kann schwerwiegende Folgen haben. Die meisten Menschen sollten Vitamin-D-Präparaten einnehmen, sagt ein US-Experte

"Wichtig ist es für Babys genauso wie für alte Menschen. Rezeptoren dafür gibt es in jeder Zelle, vom Gehirn bis in die Haut", sagt Michael Holick, Endokrinologe und Direktor der Klinik für Knochenerkrankungen sowie des Forschungszentrums für Heliotherapie, Licht- und Hautforschung in Boston. Die Rede ist von Vitamin D. Holick beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Thema. Ein großer Teil der Menschen abseits des Äquators dürfte zu wenig dieses fettlöslichen Vitamins im Körper haben, das vielfältige Wirkungen besitzt.

Der Körper synthetisiert es zum Teil selbst unter der Einwirkung von UV-B-Licht in der Haut, zum Teil stammt es aus der Nahrung. Der Wissenschafter hat unter anderem Calcidiol als im Körper zirkulierende Form von Vitamin D und Calcitriol als die in biologischen Abläufen aktive Form des Vitamins identifiziert.

Üblicherweise wird das Vitamin bzw. ein Mangel daran vor allem mit Knochenerkrankungen wie der Rachitis oder der Osteoporose in Verbindung gebracht. Lebertran sollte ehemals dagegen helfen. "An einem Mangel an Vitamin D leiden beispielsweise zwischen 57 und 64 Prozent der Kinder in Europa. Bei den Erwachsenen ist es nicht viel anders. Selbst in Indien sind 50 Prozent der Kinder in Neu-Delhi davon betroffen", sagt der Experte.

Abwanderung aus Afrika nicht vorgesehen

An sich sollte die Evolution beim Menschen keinen so weit verbreiteten Mangel an einem wichtigen Vitamin vorgesehen haben. Doch beim Vitamin D machte wahrscheinlich die für genetische Veränderungen ziemlich schnelle Auswanderung des Homo sapiens aus Afrika in Richtung Norden einer möglichen Anpassung einen Strich durch die Rechnung. Der Endokrinologe: "Wenn man sich die Massai in Afrika ansieht, die den ganzen Tag mit ihrer dunklen Haut in der Sonne sind, dann findet man bei ihnen robuste und ausreichende Vitamin-D-Spiegel."

Doch die Menschheit hat sich über den ganzen Erdball mit Regionen raren Sonnenscheins verbreitet. Die Kleidung hält das Sonnenlicht von der Haut ab. Der westliche Lebensstil mit zunehmend mehr Zeit, die in Innenräumen verbracht wird, schirmt die Menschen noch zusätzlich vom UV-Licht ab. Wer beispielsweise am Strand eine Sonnenschutzcreme mit dem Lichtschutzfaktor 30 verwendet, reduziert die Vitamin-D-Synthese in der Haut um 98 Prozent.

Holick: "Mit der Ernährung nimmt man Vitamin D am ehesten mit frisch gefangenem Wildlachs oder anderen Fischen auf." Dann geht es schon steil bergab. Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten kein bis sehr wenig des Vitamins. Die Folge kann ein deutlicher Mangel sein. Im österreichischen Ernährungsbericht 2012 finden sich Daten, wonach nur um die 40 Prozent der sieben- bis 14-jährigen Kinder normale Vitamin-D-Konzentrationen im Blut aufweisen. Bei den Erwachsenen sind es zwischen 55 und 60 Prozent, bei den über 65-Jährigen wiederum nur noch um die 35 Prozent.

Verdoppeltes Sterberisiko

Das führt dazu, dass laut Holick eigentlich die meisten Menschen an eine Substitution durch die regelmäßige Einnahme von Vitamin-D-Präparaten denken sollten. "In der Schwangerschaft ist das enorm wichtig für das Ungeborene. Schwangere haben bei einer ausreichenden Vitamin-D-Substitution viel weniger Präeklampsie-Zwischenfälle. Ein optimaler Vitamin-D-Status verringert das Diabetes mellitus-Risiko bei Kindern um 50 Prozent", sagt der Experte. Die in Fachkreisen weltbekannte Framingham-Langzeitstudie zeigte, dass Menschen mit Vitamin-D-Mangel ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und ein verdoppeltes Sterberisiko aufweisen. Zusammenhänge gebe es auch offenbar mit Multipler Sklerose und anderen neurodegenerativen Erkrankungen, meinte Holick.

"Erwachsene sollten 2.000 Internationale Einheiten pro Tag (I.E.) zu sich nehmen, Kinder die Hälfte", sagt Holick. Wobei man durchaus auch die Gesamtdosis für eine oder zwei Wochen auf einmal schlucken könnte. "Vitamin D ist eine Substanz, die das 'verzeiht'", fügt er hinzu. Den künstlichen Zusatz zu Nahrungsmitteln hätte man in Europa nach angeblich wegen Überdosierung bei Babys aufgetretenen Zwischenfällen verboten. Ein ursächlicher Zusammenhang sei aber nicht gegeben gewesen. (APA, 25.4.2016)

  • Der Körper synthetisiert Vitamin D zum Teil selbst unter der Einwirkung von UV-B-Licht, zum Teil stammt es aus der Nahrung.
    foto: apa/dpa/frank rumpenhorst

    Der Körper synthetisiert Vitamin D zum Teil selbst unter der Einwirkung von UV-B-Licht, zum Teil stammt es aus der Nahrung.

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