Erdbeben der Stärke 4,2 im Osten Österreichs

25. April 2016, 15:13
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Epizentrum im Raum Alland südwestlich von Wien

Wien – Im Osten Österreichs hat sich Montagmittag ein deutlich spürbares Erdbeben ereignet. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien gab auf ihrer Website bekannt, dass sich "vor kurzem im Osten Österreichs ein heftiges Erdbeben ereignete". Es soll um 12.28 Uhr eine Stärke von 4,2 erreicht haben, das Epizentrum lag demnach im Raum Alland im niederösterreichischen Bezirk Baden, etwa 22 Kilometer südwestlich von Wien; das Hypozentrum wurde in einer Tiefe von neun Kilometern gemessen. Anfangs hatte die ZAMG eine Magnitude von 4,1 berechnet, das Portal "Global Incident Map" gab eine Stärke von 3,9 an.

"Leichte Schäden wie etwa Risse im Verputz sind bei dieser Stärke möglich", schrieb ZAMG-Seismologin Rita Meurers. Mit weiteren Nachbeben musste gerechnet werden. Zwölf Nachbeben wurden registriert, ein erstes um 12.49 Uhr war aber mit einer Stärke von 2,4 bereits wesentlich schwächer. Man könne nicht vorhersagen, ob es in den kommenden Tagen und Wochen noch zu stärkeren oder gleich starken Nachbeben komme, sagte die Seismologin auf Nachfrage. "Aber wir warten jetzt nicht auf das große Event."

Erschütterungen schon am Vortag

Der Sprecher der niederösterreichischen Feuerwehr, Franz Resperger, sagte, dass keine Einsätze gefahren wurden. Allerdings seien "Dutzende Anrufe" von Bürgern eingegangen, und laut ZAMG gebe es Berichte über "leichte Gebäudeschäden". Insgesamt erhielt der Erdbebendienst binnen einer Stunde 1.800 Mitteilungen zur Erdbebenwahrnehmung, sagte Meurers. Bis zum späten Nachmittag erhöhte sich die Zahl auf über 3.000. Wahrnehmungen der Vibrationen kamen aus "ganz Niederösterreich, Wien aber auch vereinzelt aus Oberösterreich und dem Burgenland".

Bereits in der Nacht auf Sonntag hatte die Erde im Raum Baden zweimal mit Stärken von 0,8 sowie 1,7 gebebt. "Das waren offensichtlich Vorbeben", erklärte Meurers. Laut der Seismologin kommt es in Niederösterreich etwa alle sieben Jahre zu einem Beben mit einer Magnitude von mindestens 4. Die letzten vergleichbaren Beben in Österreich waren am 20. September 2013 und am 2. Oktober 2013, beide im Raum Ebreichsdorf (Niederösterreich) mit Stärke 4,2.

1972 bröckelten Teile des Doms

Das stärkste Beben der vergangenen Jahrzehnte in Österreich wurde am 16. April 1972 im niederösterreichischen Seebenstein mit einer Magnitude von 5,3 gemessen. Die Erschütterungen waren bis Wien zu spüren, wo es als stärkstes Beben des 20. Jahrhunderts galt. In Guntramsdorf und in Schwarzau stürzten zwei ältere Gebäude ein, zwei Eisenkreuze fielen von den Türmen der Kirche. Im Wiener Neustädter Dom fielen während des Gottesdienstes Mauerteile herab, parkende Autos wurden durch Bauteile beschädigt.

Seither gab es laut ZAMG in Österreich nur elf Gebäudeschäden verursachende Beben mit einer höheren Stärke als jenes von Montag. Eines des schwersten Beben auf dem Staatsgebiet des heutigen Österreich erreichte laut einer ZAMG-Rekonstruktion im Jahr 1201 eine Magnitude von 6,1. (mcmt, APA, 25.4.2016)

Hintergrund

Bei der Messung von Erdbeben wird die Stärke der Bodenbewegung angegeben (Magnitude). Jeder Punkt bedeutet etwa eine Verzehnfachung der Bebenstärke. Ein Erdbeben der Magnitude 5,0 ist demnach zehnmal so stark wie eines mit 4,0.

Früher wurde die Erdbebenstärke einheitlich nach der Richterskala bestimmt. Der amerikanische Geophysiker Charles Francis Richter hatte die Skala 1935 speziell für Kalifornien ausgearbeitet. Heute wird die Skala nur noch eingeschränkt eingesetzt, auch weil das Verfahren nur bei Erschütterungen in der Nähe der Messstationen zuverlässige Werte liefert.

Mittlerweile werden mehrere Skalen parallel verwendet. Derzeit gilt die sogenannte Momentmagnitude als bestes physikalisches Maß für die Stärke eines Bebens. Sie bestimmt das gesamte Spektrum der seismischen Wellen bei Erdstößen. Die meisten Skalen ergeben zumindest bei schwächeren Beben ähnliche Werte wie die Richterskala, erlauben aber eine genauere Differenzierung bei schweren Beben.

Weltweit treten jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke 3 bis 4 auf. Etwa 800 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat den Wert 8. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise unterschiedliche Auswirkungen haben. Meist gilt:

  • Stärke 1 bis 2: nur durch Instrumente nachzuweisen
  • Stärke 3: nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren
  • Stärke 4: bis 5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden
  • Stärke 6: mäßiges Beben, Tote und schwere Schäden in dichtbesiedelten Regionen
  • Stärke 7: starkes Beben, Katastrophen mit Todesopfern
  • Stärke 8: Großbeben mit vielen Opfern und schweren Verwüstungen (APA)
  • Bebengefährdete Gebiete in Österreich.
    foto: apa

    Bebengefährdete Gebiete in Österreich.

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