Polen: Initiative will Abtreibung praktisch komplett verbieten

25. April 2016, 10:53
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Mit einer Gesetzesinitiative sollen die rigiden Abtreibungsgesetze in Polen noch weiter verschärft werden. Tausende demonstrierten in Warschau

Seit dem Jahr 1993 ist ein Schwangerschaftsabbruch in Polen nur in wenigen Fällen zulässig, etwa bei Vergewaltigung oder Inzest sowie Gefahr für die Gesundheit der Mutter. Nun haben tausende Abtreibungsgegner für eine weitere Verschärfung der Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch demonstriert. Die Demonstranten in Warschau unterstützten mit dem Protestmarsch eine Gesetzesinitiative, die Abtreibung praktisch komplett verbieten will.

Prominente Unterstützung kam dabei von einem bekannten Musiker. Der Rapper Tomasz Karenko alias Job rief der demonstrierenden Menge vor dem Königspalast in Warschau zu, er wolle "die Stimme jener sein, die sich nicht verteidigen können". Der Musiker erzählte bei dem für eine derartige Kundgebung ungewöhnlichen Auftritt, wie Ärzte seiner schwer kranken Mutter geraten hatten, ihn abzutreiben, und wie er sich nach einer Fehlgeburt seiner Frau das Leben nehmen wollte. Doch habe Gott ihn erhört und ihm eine Tochter geschenkt, sagte der Rapper.

Der Gynäkologe und Abtreibungsgegner Bogdan Chazan sagte, "ein Abgeordneter, der für Abtreibung stimmt, begeht die selbe Sünde wie eine Mutter, die ihr Kind tötet". Die Unterstützer der Gesetzesreform müssen 100.000 Unterschriften zusammenbekommen, damit der Gesetzestext dem Parlament vorgelegt wird. Dort könnte er mit den Stimmen der regierenden nationalkonservativen Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) verabschiedet werden. (APA, 25.4.2016)

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