Wählerströme: Wohin sich die Wähler von Rot und Schwarz verabschiedet haben

Infografik25. April 2016, 07:57
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Nur jeder dritte SPÖ- oder ÖVP-Wähler der Nationalratswahl 2013 hat diesmal für Hundstorfer oder Kohl gestimmt. Viele Stimmen wanderten zu den Nichtwählern oder zu Norbert Hofer

Eine hohe Mobilisierung der FPÖ-Wählerschaft und viele Proteststimmen von den Regierungsparteien: So lässt sich der Sieg von Norbert Hofer im ersten Wahlgang der Bundespräsidentschaftswahl einordnen. 86 Prozent aller freiheitlichen Wähler der Nationalratswahl 2013 haben am Sonntag für den 45-Jährigen gestimmt. Die Wählerströme zu Norbert Hofer im Detail:

Alexander Van der Bellen konnte relativ gesehen weniger Anhänger der Grünen motivieren: Sieben von zehn Grün-Wähler der Nationalratswahl 2013 sind ihm als "unabhängigem" Kandidaten gefolgt. Die größten Zugewinne holte er von den Sozialdemokraten, etwa 202.000 Stimmen kamen aus dem Lager der SPÖ. Die Wählerströme zu Alexander Van der Bellen im Detail:

Irmgard Griss hat die Volkspartei viele Stimmen gekostet: Etwa jede vierte Stimme, die sie lukrieren konnte, war 2013 noch bei der ÖVP. Etwas mehr als jeder Sechste ihrer Wähler hatte 2013 für die Sozialdemokraten oder die Grünen gestimmt. Völlig offen ist, welchem Kandidaten Griss-Wähler im zweiten Wahlgang ihre Stimme geben. Hier die Wählerströme zu Irmgard Griss im Detail:

Andreas Khol hat nur jeden dritten ÖVP-Wähler von der Nationalratswahl 2013 motivieren können. Das Potenzial für die Wählerschaft der Volkspartei lag bei 1,13 Millionen Stimmen. Irmgard Griss und Norbert Hofer konnten zusammen mehr Wähler aus der ÖVP überzeugen als Andreas Khol.

Rudolf Hundstorfer erging es ähnlich wie Khol. Er bekam die Stimmen eines Drittels der SPÖ-Wählerschaft von 2013. Fast jeder vierte SPÖ-Wähler ging diesmal nicht zur Wahl, viele wechselten zu Nobert Hofer, noch mehr allerdings zu Alexander Van der Bellen.

Hier können Sie durch die vollständige Wählerstrom-Grafik navigieren:

(Gerald Gartner, Markus Hametner, 24.4.2016)

Wählerstromanalyse: Wie wird sie berechnet?

Die Wählerstromanalyse rechnet die vorläufigen Endergebnisse in allen Bezirken, Gemeinden und Sprengeln auf ganz Österreich hoch. Ein Vergleich mit der Nationalratswahl wird vorgezogen, weil so ein breiterer Ausschnitt aus dem politischen Spektrum bewertet werden kann. Zu beachten ist, dass die Wahlkarten in der Wählerstromanalyse auf Seite der Bundespräsidentenwahl nur in Form einer Prognose enthalten sind. Mehr zur Methodik von SORA können Sie hier nachlesen.

Korrektur: In den Grafiken wurden Wählerströme beispielsweise von FPÖ 2014 zu Hofer 2015 angezeigt. Die Jahreszahlen sind nicht korrekt. Richtig muss es heißen, dass von den FPÖ-Wählern der Nationalratswahl 2013 bei der Bundespräsidentenwahl 2016 X Prozent Norbert Hofer gewählt haben. Wir bedauern.

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