8:1-Sieg für Hofer, nur in Wien war Van der Bellen vorne

Ansichtssache24. April 2016, 20:42
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Schwarz und Rot erzielten in den von ihnen regierten Bundesländern katastrophale Ergebnisse. Außer in der Bundeshauptstadt lag am Sonntag überall FPÖ-Kandidat Norbert Hofer an der Spitze

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foto: apa/herbert p. oczeret

SPÖ-Blamage in Wien, Van der Bellen bleibt vor Hofer

In Wien erreicht Alexander Van der Bellen 32 Prozent, der Grüne bleibt vor dem blauen Wahlsieger Norbert Hofer. Rudolf Hundstorfer schafft in der einstigen roten Bastion blamable 12,3 Prozent. Andreas Khol unterbietet die Stadt-ÖVP klar: 5,7 Prozent.

"Wähler-Watsch’n für Rot und Schwarz"

In den roten und schwarzen Zirkeln in Wien blickte man in entsetzte Gesichter, die Wiener Freiheitlichen waren hingegen nach dem Durchsickern erster Ergebnisse aus den anderen Bundesländern schon am frühen Nachmittag in aufgelöster Jubelstimmung. Wiens Vizebürgermeister Johann Gudenus sprach von einem "historischen Ergebnis". Hofer sei ohne Maulkorb aufgetreten und habe so bei den Wählern punkten können. Der Ausgang sei aber auch "eine gesunde Wähler-Watsch’n für Rot und Schwarz", sagte er dem STANDARD. "Die müssen sich jetzt echt etwas überlegen." In Wien schnitt Hofer aber mit 29,3 Prozent unterdurchschnittlich ab.

Blamage für Hundstorfer

Den Sieg in der Hauptstadt holte sich Alexander Van der Bellen, der 32 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte. Rudolf Hundstorfer, der in der SPÖ Floridsdorf beheimatet ist, ging in der einstigen roten Bastion unter. Er erreichte abgeschlagen hinter Irmgard Griss (19 Prozent) nur blamable zwölf Prozent und damit den vierten Platz. Selbst in Floridsdorf schaffte Hundstorfer keine 15 Prozent, Hofer gewann hier mit 39,9.

Andreas Khol schaffte das Kunststück, die Stadt-Schwarzen noch zu unterbieten, die bei der Gemeinderatswahl im vergangenen Oktober 9,2 Prozent erreichten. Khol wurde von nicht einmal sechs Prozent gewählt.

"Das wird ein Wahlkampf zwischen Hofer-Hetze und der Hoffnung", sagte der Klubobmann der Wiener Grünen, David Ellensohn, zur Stichwahl zwischen Hofer und Van der Bellen am 22. Mai. Die Blauen hätten sich am Sonntag für die Startaufstellung einen Vorsprung erarbeitet. "Aber die Aufholjagd beginnt jetzt." Mit Van der Bellen wolle man "verhindern, dass Österreich orbánisiert wird". Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sagte: "Jetzt ist alles offen."

Häupl sieht "Debakel" für SPÖ

Bürgermeister Michael Häupl sprach von einem roten "Debakel" und zeigte sich "tief betroffen". Es müsse Konsequenzen geben, "aber sicher keine personellen". Der schwankende Asylkurs der SPÖ sei nicht Grund für die deutliche Wahlniederlage, sagte Häupl. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl wollte der Stadtchef nicht aussprechen, diese würde aber auf der Hand liegen.

Der sozialistische Nachwuchs forderte hingegen eine personelle Neuaufstellung. Die Wähler "haben nicht Rudolf Hundstorfer, sondern Faymanns politischen Kurs abgestraft", sagte Julia Herr, Chefin der Sozialistischen Jugend (SJ). Das Wahlergebnis sei Resultat von Faymanns Politik, "die FPÖ-Forderungen übernimmt und umsetzt". (David Krutzler)

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