Bereits 970 von Türkei geschickte Imame in Deutschland

24. April 2016, 18:05
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Kritik auch an Finanzierung durch Saudi-Arabien

Berlin/Wien – In deutschen Moscheen predigen laut einem Zeitungsbericht derzeit rund 970 Imame, die von der türkischen Religionsbehörde (Diyanet) entsandt worden sind. Ihre Aufenthaltsdauer in Deutschland liege in der Regel bei fünf Jahren, schreibt die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB).

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte der "Welt am Sonntag", in DITIB-Moscheen gebe es zwar viele engagierte Gemeindemitglieder, die "tolle Arbeit" leisteten. Der Dachverband selbst aber sei der verlängerte Arm des türkischen Staates. Ankara mache DITIB immer mehr zu einer politischen Vorfeldorganisation der regierenden islamisch-konservativen AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung). Er forderte: "Die Türkei muss die Muslime endlich freigeben."

Problem Wahhabismus

Özdemir sieht vor allem den Einfluss des Wahhabismus als großes Problem. Vertreter dieser puritanischen Interpretation des sunnitischen Islam, die in Saudi-Arabien Staatsreligion ist, versuchen seiner Ansicht nach auch in Deutschland den "Mehrheitsislam zurückzudrängen". Der Regierung fehle in Bezug auf saudische Finanzmittel für hiesige islamische Einrichtungen das Problembewusstsein, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Man behandelt Saudi-Arabien mit Samthandschuhen und arbeitet sich stattdessen an Symbolthemen wie dem Burka-Verbot ab."

Die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln, Franziska Giffey (SPD) sagte der "Welt am Sonntag", sie sehe es kritisch, "wenn Moscheevereine fremdgesteuert sind und dort Imame predigen, die nicht nach dem deutschen Werteverständnis ausgebildet und nicht hier aufgewachsen sind".

Das Bundesvorstandsmitglied der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Georg Pazderski, sagte: "Die Türkei mischt sich mit dieser Praxis massiv in die deutsche Innenpolitik ein." Dies dürfe genauso wenig geduldet werden wie die Finanzierung von Moscheen in Deutschland aus dem Ausland.

Die religionspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Christine Buchholz, betonte, es dürfe keine "Sonderbehandlung" einzelner Religionen geben. Deshalb brauche Deutschland auch kein Islamgesetz, wie in Österreich. Aus der CSU war zuletzt die Forderung gekommen, die Finanzierung von Moscheen aus dem Ausland zu stoppen. Das im Vorjahr in Österreich in Kraft getretene Islamgesetz brachte als einen zentralen Punkt ein Verbot der Finanzierung aus dem Ausland. (APA, 24.4.2016)

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