Deutscher Bank droht wegen Investmentbanking Quartalsverlust

24. April 2016, 13:16
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Nach dem Rekordverlust 2015 konnte die Deutsche Bank auch im ersten Quartal 2016 keinen Boden gutmachen – Quartalsbilanz am Donnerstag

Frankfurt – Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten dürften der Deutschen Bank den Jahresauftakt verhagelt haben. "Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe", sagte Finanzvorstand Marcus Schenck im März. "Das hat natürlich auch bei uns seine Spuren hinterlassen."

Einige Analysten rechnen mit roten Zahlen, wenn Deutschlands größtes Geldhaus an diesem Donnerstag (28.4.) seine Quartalsbilanz vorlegt.

Höchster Verlust

Für das Gesamtjahr 2015 hatte die Deutsche Bank mit 6,8 Mrd. Euro den höchsten Verlust ihrer Geschichte ausgewiesen. Grund waren vor allem neue Rückstellungen für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten sowie Abschreibungen im Investmentbanking und auf die vor dem Verkauf stehende Postbank. Im Tagesgeschäft lief es dagegen noch recht gut.

Das hat sich im ersten Quartal 2016 dramatisch geändert. Die Einnahmen des Dax-Konzerns dürften nach Schätzungen von Analysten um mehr als ein Viertel auf 7,6 Mrd. Euro eingebrochen sein. Dabei sind die ersten drei Monate eines Jahres in der Regel die besten für Banken. Doch schon die großen US-Instituten meldeten herbe Rückgänge vor allem im Handelsgeschäft, da sich wegen der großen Unsicherheiten an den Märkten viele Unternehmen etwa mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen zurückhielten. Das drückt auf die Erträge der Banken.

Die Deutsche Bank kam besonders unter die Räder: Sie verlor Vergleichsstatistiken zufolge Marktanteile. Konzernchef John Cryan versuchte zuletzt, Investoren zu beruhigen und begründete die Entwicklung auch mit der bewussten Entscheidung, sich stärker aus wenig profitablen Geschäften herauszuhalten.

Alptraum

Auch an anderer Stelle war das erste Vierteljahr für den deutschen Branchenprimus ein Alptraum: Das Institut musste sich gegen ein kaum für möglich gehaltenes Misstrauen von Investoren wehren. Im Februar rutschte der Aktienkurs auf den tiefsten Stand seit den frühen 1990er Jahren. Die Bank sah sich gezwungen, öffentlich ihre finanzielle Kraft zu betonen. Sie versicherte, auch auf einige besonders riskante Anleihen die versprochenen Zinsen zahlen zu können. Mit dem Rückkauf eigener Anleihen beruhigte das Institut die Stimmung zudem etwas.

Der Vorstand hat 2016 zum Höhepunkt des Umbaus erkoren. Vorstandschef Cryan will möglichst viele der juristischen Baustellen beenden. In den ersten Monaten wurden aber noch keinen großen Einigungen bekannt. Zuletzt hatte die Bank für Strafen 5,5 Mrd. Euro reserviert, weitere Rückstellungen schloss der Vorstand nicht aus.

Weil die Finanzbranche insgesamt unter Druck ist, ist auch die geplante Trennung von der Postbank kein Selbstläufer. Die Deutsche Bank rechnet nach letzten Angaben damit, dass ein Börsengang oder Verkauf erst im kommenden Jahr gelingen kann. Aktuell müsste die Bank beim Preis für die Bonner Tochter große Zugeständnisse machen. (APA, 24.4.2016)

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