Pannonien und sein polyphones Kikeriki

Blog25. April 2016, 11:50
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Seit längerem erhebt das Burgenland immer wieder seine Stimme, nein: Stimmen. Und für die gibt es – mirabile dictu – auch Ohren

Dem Burgenland – es sträubt sich die pannonische Feder fast, das so hinzuschreiben, aber was sein muss, muss eben sein –, dem politischen Burgenland schwillt gerade der Kamm. Das ist mittlerweile zwar nichts ganz Neues mehr, aber dennoch ein ums andere Mal wieder erwähnenswert, weil viele sich darob halt doch immer noch ungläubig die Augen reiben.

Dem Michel sein Kamm

Gut, ja: Der grüne Michel Reimon gockelt eh schon seit der EU-Wahl 2014 zwischen Brüssel, Straßburg, Twitter, Facebook, Whatsapp und Instagram – und unter dem schönen magyarischen Genitiv immer wieder nachlesenswert da – wie weiland mit dem Moped zwischen Siegendorf/Cindrof und dem James Dean in Eisenstadt.

Kamm und Kreide

Und ja, gut: Seit dem Vorjahr stolziert unbeirrt der rote Landeshauptmann Johann Niessl – "Landeshansi" nennen sie ihn da und dort – auf dem Wiener Ballhausplatz vor zur Löwelstraße, weiter zum Rathaus und wieder zurück. Und seit diesen Tagen im Juni des Jahres 2015 kräht auch der blaue Johann Tschürtz – "Vizehansi" wird er zuweilen auch gerufen – überall dort, wo sich sicherheitspolitische Misthaufen türmen.

Zumal Burgenlands Norbert Hofer – der vielen Beobachter erscheinen wollte wie der Wolf den sieben Geißlein: bis oben hin voll mit Kreide – ihm diesbezüglich wacker und respektabel zur Seite stand im Wahlkampf ums oberste Amt im Staate.

Kamm vs. altbunten Vogel

Aber als nun unlängst selbst der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner, Burgenlands braver, ja biederer ÖVP-Obmann, direkt aus einer Landtagssitzung den Erhard Busek aufforderte, wegen seines Irmgard-Griss-Engagements parteibezüglich das Weite zu suchen, widrigenfalls er bei der nächsten Bundesparteivorstandssitzung ihn höchstpersönlich vom Hof scheuchen würde, da wusste man: Jetzt ist dem Burgenland endgültig der Kamm geschwollen.

Denn wenn selbst der pannonische ÖVP-Chef anfängt zu glauben, dass hier, zwischen Kalch im Süden und Kittsee im Norden (und nicht in St. Pölten), die Musi spielt, dann müssten eigentlich republikweit die Alarmglocken schrillen.

Katholischer Kamm

Aber selbst die werden schon hier geläutet. Denn kaum hatte man sich in Bundeswien – wo man noch ein wenig abgelenkt gewesen ist durch die St. Pöltner Amtsübergabe im Innenministerium – bemüht, dem pannonischen Wunsch nach ein paar ordentlichen Unüberwindlichkeiten an der Ostgrenze nachzukommen, erhob auch schon der pannonische Oberhirte Ägidius Zsifkovics seine mahnende Stimme: Den ums südliche Moschendorf geplanten Zaun müssten die Grenzschützer sich abschminken. Auf den Kirchengütern werde es ihn jedenfalls nicht geben. Natürlich verstehe er die Ängste der Menschen. Aber!

"Aber ich wäre ein schlechter Bischof, wenn ich auf diese Ängste keine christlichen Antworten geben könnte. Und diese Antwort ist nicht der Zaun. Sondern notfalls das Loch im Zaun." Türl mit Seitenteilen auf gut Katholisch: Seitenteile ohne versperrbare Türln.

Kritischer Kamm

Auch Peter Wagner, der ewige Störenfried des pannonischen Ruhebedürfnisses, erhob sein Dichterwort – nicht nur, aber auch – gegen den Zaun. Das inspirierte dann gleich auch eine einschlägige Facebook-Gruppe.

Wagner und Zsifkovics verbindet diesbezüglich auch das Ge- und Nachdenken über den heiligen Martin, Burgenlands Landespatron, den großen, barmherzigen Mantelteiler aus dem heutigen Szombathely, dessen 1.700. Geburtstag heuer groß noch gefeiert wird. Vom Regisseur Wagner mit der Inszenierung des Siegmund-Kleinl-Stückes "Europas heiliger Krieger". Vom Bischof mit der in Worte gefassten Tat: dass die Tote Hand der öffentlichen wirksam in den Arm fällt.

Kerys Kamm

Auch das etwas, was in dieser Schärfe vor einem Jahr noch ziemlich unvorstellbar gewesen wäre. Dass man so gegeneinander in Stellung geht in dem kleinen, feinen, ein wenig betulichen – in politischen Hahnenkämpfen meist eher kapaunisch daherwatschelnden – Land, von dem der Langzeit-Landeshauptmann Theodor Kery einst geschwärmt hatte: "Wir demonstrieren nicht, wir marschieren nicht. Nein: Wir Burgenländer singen, tanzen und spielen!"

Mit allem hatte Theodor Kery – dessen Langzeit-Amtsinhabe Hans Niessl im Jahr 2021 erreichen würde (Was heißt würde? Wird!) – nicht immer recht. Aber mit dem?

Oder eh kein Kamm

Der kurze Seitenblick in die Tiefe der Jahre sollte jedenfalls die gerade in der Wiener SPÖ durchaus verbreitete Aufgeregtheit, jeden Gockel gleich flügelschlagend über den geschwollenen Kamm zu scheren, ein wenig relativieren. Auch – oder gerade – im Eisenstädter Landhaus weiß man ja um die Gültigkeit der alten Bauernweisheit: "Kräht der Hahn am Mist, dann ändert sich's Wetter, oder es bleibt, wie es ist."

Oder anders: Wien, da kann im rot-blauen Burgenland noch so gekräht werden, bleibt eh Wien. Wahrscheinlich. (Wolfgang Weisgram, 25.4.2016)

  • Der Hahn ist auch ein Sinnbild fürs Politische; nicht nur, aber auch im Burgenland.
    apa/dpa

    Der Hahn ist auch ein Sinnbild fürs Politische; nicht nur, aber auch im Burgenland.

  • Kery im O-Ton: "Wir demonstrieren nicht, wir marschieren nicht. Nein: Wir Burgenländer singen, tanzen und spielen!"

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