Kosten für Pensionen steigen weniger stark als erwartet

22. April 2016, 18:38
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Der Zuschuss ins Pensionssystem soll wegen Reformen und niedrigerer Inflation bis 2019 um 2,5 Milliarden geringer ausfallen als befürchtet

Wien – Kaum ein Posten im Budget ist politisch heißer umstritten: Die Kosten der Pensionen sorgen regelmäßig für Streit in der rot-schwarzen Koalition. Am Dienstag wird die Regierung den jährlichen Finanzrahmen und damit auch die neueste Prognose zu den Ausgaben für die Altersversorgung präsentieren. Dem STANDARD liegen die Zahlen schon jetzt vor.

Ergebnis: Die Pensionskosten werden laut neuem Budgetplan in den nächsten vier Jahren deutlich niedriger ausfallen als im Finanzrahmen aus dem Vorjahr angenommen. Pro Jahr beträgt die Ersparnis gegenüber der alten Prognose bis zu 820 Millionen Euro.

Konkret sollen die aus Steuergeld ins allgemeine Pensionssystem zugeschossenen "Bundesmittel" heuer um rund 246 Millionen geringer ausfallen als befürchtet, in den folgenden Jahren wächst die Differenz weiter an (siehe Grafik). Rechnet man die Werte der einzelnen Jahre zusammen, dann wird der Staat bis 2019 für die Pensionen – Beamten ausgeklammert – um 2,59 Milliarden Euro weniger ausgeben als bisher gedacht.

Relative Verbesserung

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es handelt sich dabei um eine relative Verbesserung gegenüber der letztjährigen Prognose. Absolut gesehen, steigen die Zuschüsse in die Pensionsversicherung an, und zwar von heuer 10,77 Milliarden Euro auf 12,51 Milliarden im Jahr 2019 und 13,26 Milliarden 2020. Gemessen an der Wirtschaftsleistung Österreichs, ergibt das einen Sprung von 3,08 auf 3,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Sozialminister Alois Stöger fühlt sich von den Zahlen nichtsdestotrotz bestätigt. "Wir brauchen nicht in Panik verfallen, sind auf einem guten Weg", sagt der SPÖ-Politiker: "Unsere Maßnahmen, um das faktische Pensionsalter anzuheben, greifen."

Niedrigere Teuerung

Es gibt freilich auch andere Gründe für die Verbesserung: Die Inflation wird laut jüngster Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) heuer mit 1,2 Prozent weit unter den noch im Vorjahr angenommenen 1,9 Prozent liegen. Das spart dem Staat Geld, denn eine moderatere Teuerung bedeutet auch eine geringere jährliche Erhöhung der Pensionen.

Dieser Effekt erkläre einen großen Teil der für 2016 verbuchten Verbesserung und schreibe sich in den Folgejahren fort, sagt Wifo-Expertin Christine Mayrhuber. Allein mit günstigeren Wirtschaftsdaten seien die geringeren Kosten bis 2019 aber nicht erklärbar, denn die Wachstumsprognose etwa habe sich ja eingetrübt. Eingedämmt worden seien Pensionsstand und Pensionshöhe, was Mayrhuber auf Verschärfungen im System zurückführt. Grosso modo schätzt sie: Ein Drittel der Kostendämpfung resultiere aus der Inflation, zwei Drittel seien Folge diverser Pensionsreformen.

Minister sieht Kulturwandel

Steigende Beschäftigung trage zur erfreulichen Entwicklung bei, ergänzt Stöger, vor allem aber hätten die Reformen einen "Kulturwandel" in der Arbeitswelt angestoßen, der zu weniger Früh- und Invaliditätspensionen führe.

Dass an der neuen Budgetvorschau in letzter Minute noch gerüttelt wird, schließt der Minister aus: Die Zahlen seien mit Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), der vor Dienstag keine offizielle Stellungnahme abgeben will, fix ausverhandelt und würden genau so im Finanzrahmen festgeschrieben. (Gerald John, 22.4.2016)

  • Die Pensionen in Österreich sind erschwinglicher als bisher vermutet.
    foto: apa / hochmuth

    Die Pensionen in Österreich sind erschwinglicher als bisher vermutet.

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