Brexit: Warum Freunde zusammenhalten sollen

22. April 2016, 17:19
160 Postings

US-Präsident Obama machte in London Station, um Premier Cameron im Brexit-Wahlkampf den Rücken zu stärken

Mit ebenso deutlichen wie diplomatischen Worten hat US-Präsident Barack Obama in den Abstimmungskampf um Großbritanniens Verbleib in der EU eingegriffen. Der Brüsseler Club "vermindert nicht den britischen Einfluss, sondern vergrößert ihn", sagte der Präsident am Freitag in London. Als enger Freund und Verbündeter dürfe er seinen Gastgebern sagen: "Derzeit sollten Freunde und Verbündete zusammenhalten."

Dass Obama sich zu Wort melden würde, hatte schon seit Tagen zu giftigen Vorabreaktionen des Brexit-Lagers geführt. Amerika habe wenig Glaubwürdigkeit, weil es selbst keinen Souveränitätsverlust dulde, argumentierte Exverteidigungsminister Liam Fox und vergaß dabei die Nato-Bündnisverpflichtung der Supermacht zu erwähnen.

Boris Johnson vergreift sich im Ton

Und Londons Bürgermeister Boris Johnson führte Obamas Haltung gar auf dessen "halb-kenianische Herkunft und Abneigung gegenüber dem britischen Empire" zurück, was schwarze Politiker umgehend als Rassismus geißelten.

Die schrille Rhetorik des Brexit-Lagers stand in klarem Kontrast zu Obamas gewohnt abgewogenen Worten. Dreimal verwies der Präsident in einem Artikel für den Daily Telegraph auf das "besondere Verhältnis" zwischen der Supermacht und ihrem früheren Kolonialherrn.

Von Europa profitieren

Bei außenpolitischen Initiativen der vergangenen Jahre – der Iran-Deal, das Klimaabkommen von Paris, die klare Haltung gegen Russlands neuen Imperialismus – machte Obama britischen Einfluss innerhalb der EU verantwortlich für erreichte Erfolge. In der komplizierten, vernetzten Welt seien die EU und die USA mit denselben Problemen konfrontiert: "Migration, ökonomische Ungleichheit, die Bedrohung durch Terrorismus und Klimawandel." Durch kollektive Aktion könnten Nationen ihren Einfluss am effektivsten geltend machen.

Obama reiht sich ein in die Phalanx jener, die den Briten vom Brexit abraten: von den EU-Verbündeten selbst über Indiens Premier Narendra Modri bis zum chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

Le Pen und Putin für Brexit

Hingegen hat Front-National-Chefin Marine Le Pen von Paris aus angekündigt, sie wolle ihren Freunden im Brexit-Lager zu Hilfe eilen. Und Sympathien für die Schwächung der EU zeigt – wenig überraschend – auch der russische Präsident Wladimir Putin.

Als Grund seines Besuchs in London nannte Obama scherzhaft, er habe der Queen persönlich zum 90. Geburtstag gratulieren wollen. Am Freitag war das Präsidentenpaar zum Mittagessen auf Schloss Windsor Gast von Elizabeth II. und ihrem Gatten Philip, 94, der die hohen Besucher im königlichen Range Rover kutschierte. Zudem erneuerten die Obamas ihre Bekanntschaft mit dem Prinzenpaar Catherine und William. Am Samstag will sich der Präsident den Fragen Londoner Bürger stellen, ehe er nach Hannover weiterreist. (Sebastian Borger aus London, 22.4.2016)

  • Wie es sich für gute Gastgeber gehört, warteten Queen Elizabeth und Prince Philip am Heliport von Windsor Castle auf den Staatsgast.
    foto: afp / jim watson

    Wie es sich für gute Gastgeber gehört, warteten Queen Elizabeth und Prince Philip am Heliport von Windsor Castle auf den Staatsgast.

  • Der britische Premier David Cameron und sein Gast US-Präsident Barack Obama.
    foto: reuters/stefan wermuth

    Der britische Premier David Cameron und sein Gast US-Präsident Barack Obama.

  • Obama unterstützte Cameron in seinem Vorhaben die Briten davon zu überzeugen, nicht aus der EU auszutreten.
    foto: apa/afp/justin tallis

    Obama unterstützte Cameron in seinem Vorhaben die Briten davon zu überzeugen, nicht aus der EU auszutreten.

  • Die Obamas trafen Prinz William, dessen Frau Kate und Prinz Harry zum Abendessen.
    foto: reuters/kevin lamarque

    Die Obamas trafen Prinz William, dessen Frau Kate und Prinz Harry zum Abendessen.

Share if you care.