Psychologen untersuchen die Ehrfurcht von Astronauten beim Blick auf die Erde

24. April 2016, 13:23
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US-Forscher widmen sich einer quasi-spirituellen Erfahrung ohne religiöse Assoziationen

Philadelphia – "Für diejenigen, die die Erde aus dem Weltraum gesehen haben, verändert das Erlebnis wahrscheinlich ihre Weltsicht. Die Dinge, die wir auf der Erde miteinander teilen, werden viel wertvoller, als jene, die uns trennen", sagte US-Astronaut Donald Williams, der in den 80er Jahren an zwei Raumflügen teilnahm: Eines von vielen, vielen Zitaten von Rückkehrern aus dem Weltraum, für die der Außenblick auf unseren Heimatplaneten zu einem in positiver Weise erschütternden Erlebnis wurde.

Ob das wirklich für alle Raumfahrer gilt oder ob die nüchterner eingestellten sich nur einfach nicht geäußert haben: Seit den 80ern gibt es für das Phänomen sogar einen eigenen Ausdruck: den Overview-Effekt (und seit 2012 auch eine Dokumentation mit dem Titel "Overview").

Versuche, es zu verstehen

Forscher der University of Pennsylvania wollen dieses psychologische Phänomen nun näher untersuchen. Sie beschreiben es als ein Erlebnis, das spirituellen Erfahrungen stark ähnelt – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Es enthält keine religiösen Assoziationen, wie das Team um David Yaden und Johannes Eichstaedt betont. "Der Weltraum ist so faszinierend, weil er eine hochwissenschaftliche, hoch säkulare Umgebung ist", sagt Yaden unter Bezug auf die Astronautenperspektive.

In stark abgeschwächter Form gebe es ähnliche Erlebnisse auch auf der Erde, etwa beim Betrachten eines Sonnenuntergangs. Die Ehrfurcht von Astronauten befindet sich jedoch auf einem wesentlich höheren Level. Yaden und seine Kollegen wollen sie besser verstehen lernen, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen. Dafür durchforsten sie zunächst die gesammelten Astronautenstatements nach immer wiederkehrenden Motiven in deren Berichten. Und nach häufig verwendeten Wörtern wie "Verbundenheit", "Einheit" oder "Größe".

Da der Overview-Effekt von den "Betroffenen" durchweg positiv beschrieben wird, hoffen die Forscher, ihn auch Menschen zugänglich zu machen, die nicht in den Weltraum reisen können. Experimente mit Virtual-Reality sollen zeigen, ob ein simulierter Blick aus dem Weltaum positive psychologische Auswirkungen hat. (red, 24. 4. 2016)

  • Vom Mond aus hat leider schon lange kein Mensch mehr die Erde gesehen. Dieser Anblick bot sich dem Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA.
    foto: epa/nasa/goddard/arizona state

    Vom Mond aus hat leider schon lange kein Mensch mehr die Erde gesehen. Dieser Anblick bot sich dem Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA.

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