Experten nehmen Linzer Hitler-Aphrodite unter die Lupe

22. April 2016, 11:31
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Stadtpolitik einigte sich auf Prüfung einer Wiederaufstellung

Linz – In der seit Jahren brodelnden Diskussion über die Aphrodite vom Bauernberg – 1942 als Geschenk Hitlers an die Stadt Linz in einem Rundtempel im Park aufgestellt und 2008 nach Hinweisen von Kunststudenten vom damaligen Bürgermeister Franz Dobusch in den Keller des Stadtmuseums Nordico verbannt – gibt es jetzt eine durchaus überraschende Wende: Ein Dringlichkeitsantrag zur Einberufung einer Arbeitsgruppe, die eine Wiederaufstellung prüfen soll, fand am Donnerstagabend im Linzer Gemeinderat eine deutliche Mehrheit. Erstmals scheinen damit die verhärteten Fronten auf politischer Ebene zu bröckeln: SPÖ und Grüne haben nämlich als deklarierte Gegner einer Rückführung der Liebesgöttin in den öffentlichen Raum dem Initiativantrag zugestimmt.

In weiterer Folge soll sich jetzt eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Linzer Kulturdirektor Julius Stieber, der Leiterin des Stadtmuseums Nordico, Andrea Bina, und dem Stadtarchiv-Leiter Walter Schuster, mit dem heiklen Thema befassen. "Zudem sollen weitere Experten hinzugezogen werden, die die Wiederaufstellung der Aphrodite im öffentlichen Raum prüfen und begleitende Vermittlungsprojekte im Sinne einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur konzipieren", erläutert der Linzer Vize-Bürgermeister Bernhard Baier (ÖVP).

In der Causa ist übrigens durchaus Eile geboten: Am 15. Mai läuft die vom Bundesdenkmalamt genehmigte Verwahrungsfrist offiziell ab. Eine entsprechende Aufforderung zur Wiederaufstellung des Abgusses – das heute verschwundene Original des Bildhauers Wilhelm Wandschneider stand einst in der Berliner Reichskanzlei – ist beim Rathaus bereits eingelangt. Offen ist noch, ob das Bundesdenkmalamt jetzt, angesichts der Gründung der Arbeitsgruppe, einer Verlängerung der Verwahrungsfrist zustimmt. (Markus Rohrhofer, 22.4.2016)

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    foto: apa
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