Sterblichkeit: Arme Kinder, reiche Kinder

22. April 2016, 11:29
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Eine Schweizer Studie untersucht die Kindersterblichkeit in den USA. Ergebnis: Die Sterblichkeitsrate bei wirtschaftlich benachteiligten Kindern sinkt

Gesundheit wird nicht nur durch die genetische Grundausstattung, sondern maßgeblich auch von den sozialen Umständen bestimmt. Darüber herrscht unter Experten Einigkeit. Reichere Menschen haben eine niedriger Sterblichkeitsrate als ärmere. Die gängige Annahme, dass sich dieser Effekt in den letzten Jahren verstärkt hat, widerlegt jedoch eine aktuelle Studie der Universität Zürich. Anstelle der Lebenserwartung bei Geburt untersucht sie die Sterblichkeitsraten nach Altersgruppen in verschiedenen Regionen der USA.

Das Resultat: Die Sterblichkeitsraten von wirtschaftlich benachteiligten Kindern und Jugendlichen sinken und gleichen sich jenen in wohlhabenden Umfeldern an, während die Unterschiede bei älteren Personen ausgeprägt bleiben.

Lebenserwartung und Sterblichkeit sind sozial ungleich verteilt – dies das Fazit vieler Studien, welche auf die zunehmenden Unterschiede der Lebenserwartung von Personen in wohlhabenden und armen Regionen in den USA verweisen.

Wirtschaftlich benachteiligt

Parallel zur Einkommensschere öffnet sich gemäß den Forschenden die Gesundheits- und Lebenserwartungsschere. Ein differenzierterer Blick auf die Sterblichkeitsraten lässt durchaus positive Trends erkennen: Zwischen 1990 und 2010 verringerten sich die Unterschiede in den Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen aus diversen US-Regionen.

Wirtschaftlich benachteiligte Kinder haben heute stark verbesserte Überlebenschancen, wie Hannes Schwandt vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich zusammen mit Janet Currie von der Princeton University in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science zeigt.

Rückläufige Sterblichkeitsrate bei Säuglingen – vor allem in armen Regionen Zwischen 1990 und 2010 nahm die Sterblichkeitsrate der Säuglinge in allen US-Regionen ab – am stärksten zeigte sich dieser positive Trend in den ärmsten Regionen. Während im Jahr 1990 von 1000 männlichen Neugeborenen in den ärmsten Regionen der USA 18,3 in den ersten drei Lebensjahren starben, waren es in 2010 nur noch 9,8 – ein Rückgang von 8,5.

Abnahme von Ungleichheit

In den reicheren Regionen sank die Rate im selben Zeitraum um 4,3 pro 1000 Neugeborene (von 9,8 auf 5,5). Diese Abnahme der Ungleichheit punkto Mortalitätsrate zwischen reichen und armen Regionen ist laut Studienautoren bis zum Alter von knapp 40 Jahren sichtbar. Im höheren Erwachsenenalter sinkt die Mortalitätsrate in armen und reichen Regionen etwa in gleichen Masse, nur im Seniorenalter nimmt die Ungleichheit der Sterblichkeit zu: "Die Jüngsten in den ärmsten Regionen profitieren am stärksten und schnellsten sichtbar von den Wohlfahrtsverbesserungen, während Ältere eine gesundheitliche Lebensgeschichte haben, die von der Vergangenheit geprägt ist", erklärt Hannes Schwandt.

Er nimmt an, dass aufgrund der verbesserten Lebensbedingungen zukünftig auch die Ungleichheit der Mortalitätsraten im Alter abnehmen wird. Die Sterblichkeitsrate pro Altersgruppe ist relevant

Effekte auf andere Altersgruppen

In der Regel basieren frühere Untersuchungen zur Sterblichkeitsrate entweder auf dem Einfluss von Einkommen oder Bildung auf die Überlebenswahrscheinlichkeit im mittleren oder hohen Alter, oder sie beobachten die Veränderungen der Lebenserwartung bei Geburt.

Diese Studien fokussieren entweder nur auf eine Bevölkerungsgruppe, oder sie basieren auf den kumulierten Effekten der Vergangenheit und gelten nur, solange die Einflussfaktoren konstant bleiben. "Die Lebenserwartung als Zahl ist kein guter Prädiktor für die Anzahl der Jahre, die ein Mitglied einer bestimmten Gruppe leben wird. Es ist sinnvoller, die Entwicklung der einzelnen altersspezifischen Sterblichkeitsraten zu analysieren", erklärt Hannes Schwandt die Bedeutung der für die Studie angewandten Herangehensweise. (red/idw, 22.4.2016)

Originalstudie:

Inequality in Mortality Decreased Among the Young While Increasing for Older Adults, 1990-2010.

  • Artikelbild
    foto: apa
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