"News"-Eigentümer schießen zweistelligen Millionenbetrag nach

22. April 2016, 08:04
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Fellners beteiligen sich nicht an Kapitalerhöhung – Pirker: Verlagsgruppe schrieb 2014 und 2015 Verluste, "News"-Zuwächse "in Summe zu wenig"

Wien – Die Gesellschafter der Verlagsgruppe News (VGN) greifen dem Magazinriesen finanziell unter die Arme. "Die Kapitalzufuhr ist gesichert, aber noch nicht umgesetzt", sagte VGN-Chef Horst Pirker in einem Interview mit der APA. Sie sei in einer Größenordnung, die zu einer nachhaltigen Absicherung beitrage, und ein Commitment, das für mehrere Jahre angelegt sei.

Die News-Gruppe ("News", "Profil", "Trend", "Woman", "TV-Media", "Gusto", "Autorevue") hat de facto drei Eigentümer. Durchgerechnet 56 Prozent gehören der Hamburger Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr, 18,7 Prozent der "News"-Gründerfamilie Fellner, die nun "Österreich" betreibt. Gruner+Jahr und Fellner besitzen über eine gemeinsame Beteiligungsgesellschaft 74,7 Prozent an der Verlagsgruppe News. Die restlichen 25,3 Prozent hält der "Kurier". Laut Pirker wird es keine Änderung an der Gesellschafterstruktur geben, auch nicht in der Beteiligungsgesellschaft.

Fellners beteiligen sich nicht an Kapitalerhöhung

Die Kapitalspritze soll in den nächsten Wochen erfolgen. Über Details wollte sich Pirker nicht äußern, auch die konkrete Summe – und wer wie viel davon stemmt – sei kein Thema für eine öffentliche Erörterung. Nur so viel: "Es wird jedenfalls Eigenkapital in einer zweistelligen Millionenhöhe zugeschossen werden." Abgebildet wird die Finanzspritze in der Bilanz für 2016, somit wird sie erst Mitte 2017 im Firmenbuch aufscheinen.

Die Fellners beteiligen sich jedenfalls nicht daran, "weil unser Vertrag definitiv vorsieht, dass wir keine Nachzahlung haben. Wir sind nicht nachschusspflichtig", sagte Wolfgang Fellner auf APA-Anfrage.

Das Eigenkapital der Verlagsgruppe News war nach einem Verlust (nach Steuern im Einzelabschluss) von 5,4 Millionen Euro im Jahr 2014 in den roten Bereich gerutscht, wie im "Firmencompass" ersichtlich ist. 2015 dürfte sich der Verlust in einer ähnlichen Größenordnung bewegen, dazu kommen noch vier bis fünf Millionen Euro an Rückstellungen und Wertberichtigungen, die Pirker vornehmen will. Der Geschäftsabschluss 2015 soll parallel zur Umsetzung der Kapitalerhöhung fertiggestellt werden.

Umsatz 2014 zurückgegangen

Der Geschäftsergebnis 2015 hänge davon ab, welche Vorsorgen der Wirtschaftsprüfer anerkennt, sagte Pirker. Für die Zusammenlegung der Wirtschaftsmagazine "Trend" und "Format", die 2015 beschlossen, aber erst 2016 wirksam wurde, wolle man etwa schon 2015 rückstellen.

2014 war der Umsatz der Verlagsgruppe von 99 auf 89 Millionen Euro zurückgegangen, habe sich 2015 aber in dieser Größenordnung stabilisiert, so Pirker. Sowohl bei Anzeigen als auch Vertrieb sei man im Vorjahr nicht schlecht gelegen, aber die aktuelle internationale Großwetterlage bedeute Gegenwind für alle Printmedien, vor allem für jene, die ein breites Publikum bedienen. "Je spezifischer das Interesse, desto stabiler sind die Titel."

"News"-Zuwächse "in Summe zu wenig"

Das Flaggschiff "News", dessen Auflage die vergangenen zehn bis 15 Jahre nur nach unten gegangen sei, habe sich zuletzt bei verkaufter Auflage, Media-Analyse und im Anzeigengeschäft verbessert. "Das sind lauter erfreuliche Kennzahlen, aber in Summe trotzdem zu wenig." Das Anzeigenwachstum müsste eigentlich zweistellig sein. "Jetzt haben wir uns für dieses Jahr zehn Prozent vorgenommen, das scheint noch realistisch", so Pirker. "Das würde im Übrigen – auch um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – auch noch nicht reichen." Pirker fährt, wie es selbst formuliert, den Titel "News" mit "Abblendlicht" und "auf Sicht".

Pirkers Prognose für die Presse: "Print wird nie out sein, aber es ist im Moment nicht in Mode. In Mode ist im Moment Social Media und all diese digitalen Kanäle." Sie hätten die "Erotik des Neuen", die von den Mediaplanern ganz stark belohnt werde. Umso erfreulicher sei "Lola", die erste VGN-Neugründung in "dieser anstrengenden Phase". Das kürzlich mit einer Auflage von 50.000 Stück gestartete Heft sei "Social Media auf Papier" und ziele auf junge, urbane Menschen mit einem Faible für Kulinarik ab. Es bediene die Zielgruppe der "von vielen außerhalb der Reichweite von Print vermuteten jungen Leute". (APA, 22.4.2016)

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