Affen kamen als Geisterfahrer der Evolution nach Nordamerika

24. April 2016, 15:17
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Primaten trieben einst auf natürlichen Flößen über den Atlantik – so dürften sie auch früher als gedacht von Süd- nach Nordamerika übergesetzt haben

Gainesville – Als sich vor etwa 3,5 bis 3 Millionen Jahren der Isthmus von Panama schloss und Nord- und Südamerika miteinander verband, kam es zu einer der tiefgreifendsten zoologischen Veränderungen der Erdneuzeit: dem Großen Amerikanischen Faunenaustausch. Zahllose Tierarten aus Nordamerika wanderten im Süden ein – viele davon hatten Wurzeln in der Alten Welt, die mit Nordamerika mehrfach durch eine Landbrücke verbunden gewesen war.

Vergleichsweise wenige Arten aus dem bis dahin isolierten Südamerika schafften es hingegen, sich im Norden zu etablieren. Die meisten stammten aus der damals auf Südamerika beschränkten Überordnung der Xenarthra – etwa Faultiere oder Gürteltiere. Es gab aber auch Tiere, die gleichsam als Geisterfahrer unterwegs waren.

(Unfreiwillige) Seefahrt

Affen stammen ursprünglich ebenfalls aus der Alten Welt. Trotzdem erreichten die Primaten Südamerika vor Nordamerika, weil sie eine ganz andere Route genommen hatten: Sie kamen im Süden spätestens vor 36 Millionen Jahren an – vermutlich indem sie auf "Inseln" aus Pflanzenmaterial von Afrika aus über den damals noch schmaleren Atlantik getrieben waren.

Den Wasserweg dürften sie auch genommen haben, um viel später auch Nordamerika zu erreichen – aber doch deutlich früher gedacht. Forscher um den Paläontologen Jonathan Bloch vom Naturgeschichtlichen Museum in Florida berichten nämlich in "Nature" von einem 21 Millionen Jahre alten Fund aus Panama. Die sieben Zähne, die bei Erweiterungsarbeiten am Panamakanal freigelegt wurden, stammen von einer bisher unbekannten Spezies, die die Bezeichnung Panamacebus transitus erhielt.

Offenbar mussten die Affen nicht erst warten, bis sie über festes Land spazieren konnten. Ungeklärt muss vorerst aber bleiben, ob sie es damals schon schafften, an den äußersten Ausläufern des nordamerikanischen Kontinents eine dauerhafte Population zu bilden. (red, 24. 4. 2016)

  • Der Pionierprimat von Panama könnte mit heutigen Kapuzineraffen verwandt gewesen sein, vermuten die Forscher, die seine fossilen Zähne untersuchten.
    illustration: martin moynihan, stri

    Der Pionierprimat von Panama könnte mit heutigen Kapuzineraffen verwandt gewesen sein, vermuten die Forscher, die seine fossilen Zähne untersuchten.

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