US-Einigung dürfte VW Rekordverlust bescheren

22. April 2016, 10:19
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VW muss dem Deal zufolge einen Großteil der betroffenen Autos in den USA zurückkaufen und Schadenersatz zahlen

San Francisco / Wolfsburg – Volkswagen hat sich am Donnerstagabend in der Abgasaffäre mit den US-Behörden auf einen konkreten Plan geeinigt. Der Konzern stellt dafür in seiner Bilanz 2015 rund 16,4 Milliarden Euro zurück. Damit steigt der Puffer für die bisher absehbaren Kosten der Krise noch einmal um fast zehn Milliarden Euro. Mit den Rückstellungen steuert VW auf den größten Verlust in der Konzerngeschichte zu.

Dem Grünen-Politiker Jürgen Trittin zufolge muss sich VW als Reaktion auf die Abgasaffäre ganz neu aufstellen und von seiner Dieselstrategie verabschieden. Auch nach dem Kompromiss mit den US-Behörden sei VW "noch nicht über den Berg", sagte der frühere Umweltminister am Freitag dem Deutschlandfunk. "Ich glaube, dass die Tiefe der Veränderung von der Unternehmensführung und den dort Verantwortlichen noch nicht verstanden und noch nicht umgesetzt worden ist." Deutschland schone die Autoindustrie auf Kosten der Konsumenten und der Umwelt. Es könne der deutschen Autoindustrie nicht erlaubt sein, "sich einen Staat zu halten", der sie absichere, kritisierte Trittin. Nach dem Skandal sollte nicht nur VW, sondern auch die anderen deutschen Autobauer ihre "neurotische Dieselausrichtung" aufgeben. "Diese Strategie ist gescheitert."

US-Plan: Rückkauf und Entschädigung für Kunden

Die Einigung von VW in den USA umfasst Rückkäufe und mögliche Reparaturen der manipulierten Fahrzeuge sowie eine substanzielle Entschädigung für Dieselbesitzer, teilte der Richter des Bezirksgerichts in San Francisco, Charles Breyer, am Donnerstag mit. Zudem sei ein Umweltfonds vorgesehen. "Ich bin sehr erfreut mitteilen zu können, dass die Parteien einen konkreten Plan vorgelegt haben", verkündete Breyer. Die Lösung umfasse die Option, dass VW einen Großteil der betroffenen Dieselfahrzeuge zurückkaufe und "substanziellen Schadensersatz" an die Besitzer zahle.

Breyer forderte einen detaillierten Plan zur Reparatur der rund 580.000 Dieselwagen, die in den USA betroffen sind. Ob sich der US-Deal auf die Situation in Europa mit etwa 8,5 Millionen betroffenen Fahrzeugen übertragen lässt, gilt jedoch als fraglich.

Rückkauf manipulierter Autos

Reuters hatte bereits im Vorfeld von einem bevorstehen Kompromiss erfahren. Demnach soll VW bereit sein, bis zu 500.000 Dieselfahrzeuge mit Zwei-Liter-Motor-Motoren zurückzukaufen. Alternativ werde Kunden eine Reparatur angeboten, sofern die US-Aufseher dafür grünes Licht geben. In beiden Fällen würden die Autobesitzer eine Entschädigung erhalten, wofür ein Fonds mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar (880 Millionen Euro) eingerichtet werden solle.

Offizielle Zahlen zu VW-Verlust am Freitag erwartet

Mit den Rückstellungen in zweistelliger Milliardenhöhe steuert VW auf den größten Verlust in seiner Geschichte zu. Im Jahr 1993 hatte es zuletzt einen Jahresverlust gegeben: 1,94 Milliarden D-Mark, also rund eine Milliarde Euro. Weitere Verluste in den 70er- und 80er-Jahren fielen weit geringer aus. 2014 hatte der Konzern unter dem Strich rund elf Milliarden Euro verdient. Details für das Jahr 2015 sind zu diesem Posten, der sich nach dem Finanzergebnis und Steuern ergibt, noch unbekannt.

Allerdings hatte VW zuletzt erklärt, dass das operative Geschäft – also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) – in etwa auf dem Niveau von 2014 liege, wenn man die Sondereffekte der Dieselkrise außer Acht lasse. Damit ist rechnerisch absehbar, dass ein Rekordverlust droht.

Im dritten Quartal hatte VW bereits 6,7 Milliarden Euro für die Rückrufe zurückgestellt. Offizielle Eckzahlen zur Jahresbilanz werden am Freitag erwartet, wenn der Aufsichtsrat tagt und die Geschäftszahlen absegnet. Darauf folgt in der Regel unverzüglich eine Pflichtmitteilung an die Finanzwelt. (APA, Reuters, red, 22.4.2016)

  • Im VW-Abgasskandal – im Bild von Greenpeace-Aktivisten plakativ dargestellt – kam es zu einer Einigung zwischen dem Konzern und US-Behörden.
    foto: : fabian bimmer

    Im VW-Abgasskandal – im Bild von Greenpeace-Aktivisten plakativ dargestellt – kam es zu einer Einigung zwischen dem Konzern und US-Behörden.

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