Kriminelle waschen in Deutschland jährlich 50 bis 100 Milliarden Euro

21. April 2016, 14:03
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Eine Untersuchung im Auftrag der Regierung ergab: Kunst und Luxusgüter sind für Geldwäsche besonders geeignet

Berlin – Kriminelle waschen in Deutschland nach Erkenntnissen einer vom Finanzministerium in Auftrag gegebenen Studie wahrscheinlich Geld in einer Größenordnung von etwa 50 bis 100 Milliarden Euro im Jahr. Die oft unterschätzten "großen Drehscheiben für Geldwäsche" seien wertstabile und leicht handelbare hochpreisige Investitionsgüter wie Antiquitäten und Kunstgegenstände sowie Luxusgüter wie Uhren.

Ein hohes und von den betroffenen Branchen häufig unterschätztes Risiko bestehe auch beim Immobilienhandel, im gesamten Baugewerbe, beim Boots- und Yachtverkauf sowie bei der Betreuung von Treuhand- und Anderkonten durch Juristen oder Vermögensverwalter, hieß es darin unter Verweis auf die Ergebnisse der von einem Experten der Universität in Halle-Wittenberg verfassten Untersuchung, die den sogenannten Nicht-Finanzsektor in den Blick nahm. Zu diesem gehören Berufe außerhalb der Bank- und Versicherungsbranche.

Firmen mit hohem Bargelddurchsatz

Die geschätzte Zahl aller Geldwäscheverdachtsfälle im sogenannten Nicht-Finanzsektor ist dabei laut Studie ähnlich hoch oder vermutlich sogar höher als im Finanzsektor. Zu dem Güterhandel kommen dabei ferner noch Geldwäscheaktivitäten mit eigens gegründeten Firmen mit hohem Bargelddurchsatz etwa in der Glücksspiel- oder Gastronomiebranche. Geldwäscher im Auftrag der international agierenden organisierten Kriminalität ziehe das reiche Deutschland mit seiner prosperierenden Wirtschaft "magnetisch" an.

"Das gesamte Geldwäschevolumen des Finanz- und Nicht-Finanzsektors Deutschlands zusammengenommen dürfte daher 50 Milliarden Euro übersteigen und sich wahrscheinlich in der Größenordnung in Höhe von über 100 Milliarden Euro jährlich bewegen", fasste das Ministerium die Ergebnisse zusammen. Die Aufsicht über den Nicht-Finanzsektor müsse verstärkt werden. Dies falle allerdings vollständig in die Kompetenz der Länder.

Obergrenze für Bargeldzahlungen

Studienverfasser Kai Bussmann empfahl darüber hinaus die Einführung einer Obergrenze für Bargeldzahlungen. Bargeld sei eines der größten "Geldwäscherisiken". Verschiedene europäische Staaten haben bereits nationale Obergrenzen für die Bezahlung mit Bargeld. Die Finanzminister der EU forderten die EU-Kommission inzwischen auf, die Einführung eines europaweit geltenden Schwellenwerts für Bargeldgeschäfte zumindest zu prüfen.

Der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Experte stützte sich bei seiner Studie den Angaben zufolge auf Interviews mit Experten aus Polizei, Justiz, Wissenschaft und betroffenen Branchenverbänden. Zudem zog er die Ergebnisse repräsentativer Befragungen von Vertretern solcher Berufe heran, die nach dem Geldwäschegesetz dazu verpflichtet sind, Verdachtsfälle zu melden. Dazu zählen etwa Immobilienmakler und Spielbanken. (APA, 21.4.2016)

  • Die Herkunft von 50 bis 100 Milliarden Euro soll in Deutschland durch Geldwäsche pro Jahr verschleiert werden.
    foto: gero breloer

    Die Herkunft von 50 bis 100 Milliarden Euro soll in Deutschland durch Geldwäsche pro Jahr verschleiert werden.

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