Jeder zweite tödliche Kinderunfall wäre vermeidbar

21. April 2016, 13:27
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Die meisten tödlichen Unfälle passieren in der näheren Wohnumgebung. Dabei wären die vielen Todesfallen für Kinder schnell entschärft

Wien – In Österreich kommen pro Jahr 20 bis 28 Kinder durch Unfälle ums Leben, rund 160.000 müssen ins Krankenhaus. Die Zahlen stagnieren seit Jahren auf hohem Niveau. Gäbe es das gleiche Sicherheitsniveau wie in Schweden, könnte jedes zweite Kind, das 2015 tödlich verunglückt ist, noch leben, sagte Elisabeth Stadler, Leiterin der Vienna Insurance Group, am Donnerstag.

Die Mehrzahl der tödlichen Kinderunfälle ereignet sich – vielleicht entgegen der landläufigen Annahme – nicht im Verkehr. Diesem Sektor wurden im Zeitraum 2010 bis 2014 rund 43 Prozent dieser Unfälle zugerechnet. 57 Prozent entfielen unter anderem auf Ertrinken, Stürze oder Ersticken. Viele dieser Ursachen wären durch relativ einfache Maßnahmen vermeidbar, betonten Stadler und Othmar Thann, Leiter des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, bei der Pressekonferenz des Versicherungsverbands.

Vorbild Schweden

Österreich könnte sich in Sachen Prävention Schweden zum Vorbild nehmen: Dort sind laut Stadler Sicherheitszäune um private Pools und Schwimmteiche Pflicht, ebenso Fenstersicherungen. Im Auto blicken die Kleinen in ihren Kindersitzen nicht in Fahrtrichtung, sondern nach hinten. "Die Statistik zeigt klar, dass das die sicherere Methode ist", sagt Stadler, die auch Vizepräsidentin des Roten Kreuzes ist.

Rauchmelder im Kinderzimmer gefordert

"Wir schaffen Gefahrenquellen, die wir aber auch absichern müssen", betont Thann vor Beginn der Badesaison angesichts der zunehmenden Zahl privater Swimmingpools. Er mahnt darüber hinaus zum Installieren von Rauchmeldern in Kinderzimmern. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat vor zwei Jahren unter dem Titel "Vision Zero 2020" eine Initiative ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, dass 2020 kein Kind mehr durch einen Unfall stirbt.

Spiel zeigt Gefahrenquellen auf

Das Kuratorium hat dazu ein interaktives Spiel entwickelt, in dem häusliche Gefahrenquellen aus der Perspektive eines Kleinkinds dargestellt werden. Fast die Hälfte aller Unfälle von unter Fünfjährigen passiert in den eigenen vier Wänden, weitere 22 Prozent in der unmittelbaren Wohnumgebung. (APA, red, 21.4.2016)

  • In Schweden sind Autokindersitze verbreitet, bei denen die Kinder nicht in Fahrtrichtung schauen – mit gutem Erfolg.
    foto: apa

    In Schweden sind Autokindersitze verbreitet, bei denen die Kinder nicht in Fahrtrichtung schauen – mit gutem Erfolg.

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