Deutsche sehen TTIP-Abkommen immer kritischer

21. April 2016, 12:13
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Skepsis steigt sowohl in Deutschland als auch in den USA. Jeder dritte Deutsche lehnt das Freihandelsabkommen komplett ab

Gütersloh – In Deutschland wächst die Ablehnung des geplanten Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Jeder dritte Deutsche lehnt das Abkommen mittlerweile komplett ab, wie eine am Donnerstag von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Umfrage ergab. In den vergangenen zwei Jahren nahm die Skepsis demnach sowohl in Deutschland als auch in den USA zu.

Während sich laut Stiftung 2014 noch mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten in Deutschland für TTIP aussprachen, waren es in diesem Jahr nur noch 17 Prozent. Gegen das Abkommen war vor zwei Jahren ein Viertel (25 Prozent) der Deutschen, jetzt ist es ein Drittel (33 Prozent). "Beim Exportweltmeister schwindet der Rückhalt für Handelsabkommen", erklärte Stiftungsvorstand Aart De Geus.

Weniger Verbraucherschutz

Die Deutschen fürchten der Umfrage zufolge vor allem schlechtere Standards beim Verbraucher- oder Produktschutz sowie am Arbeitsmarkt. So erwartet fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) negative Folgen für den Verbraucherschutz.

Auch in den USA schwindet der Rückhalt für TTIP. Gegen das Abkommen sprechen sich den Angaben zufolge 18 Prozent der US-Bürger aus, dafür sind nur 15 Prozent. Vor zwei Jahren waren noch 53 Prozent dafür und 20 Prozent dagegen. Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) fühlt sich nicht ausreichend informiert und sieht sich weder als Befürworter noch als Gegner des Abkommens.

US-Bürger pro Freihandel

Grundsätzlich ist in den USA aber die Zustimmung zum Freihandel höher als in Deutschland. Diesen bewerten 82 Prozent der Amerikaner allgemein positiv und damit mehr als im Jahr 2014 mit 71 Prozent. In Deutschland zeigt sich dagegen eine umgekehrte Entwicklung: Während sich vor zwei Jahren eine deutliche Mehrheit von 88 Prozent allgemein für den Freihandel aussprach, sind es jetzt nur noch 56 Prozent.

Für die Studie befragte das Institut YouGov Ende Februar in Deutschland 2019 Menschen online und in den USA 1126. Die Vergleichswerte aus dem Jahr 2014 beruhen auf einer Umfrage von Pew Research für die Bertelsmann-Stiftung.

Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen wird derzeit zwischen der EU und den USA verhandelt. Das Abkommen soll die Wirtschaft fördern, indem Zölle und Handelshemmnisse abgebaut werden. Kritiker sehen allerdings Gefahren für Rechtsstaat und Demokratie und befürchten den Abbau europäischer Standards etwa beim Verbraucherschutz. (APA, 21.4.2016)

  • Die Gegner des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP nehmen in Deutschland zu
    foto: apa/dpa/sebastian gollnow

    Die Gegner des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP nehmen in Deutschland zu

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