BHS ziehen nach: Zentrale Reifeprüfung im ganzen Land

21. April 2016, 10:52
25 Postings

Startschuss am 9. Mai, Ende der Woche beginnt die Auslieferung der Aufgaben

Wien – Am 9. Mai erfolgt erstmals an allen Oberstufenschulen im Land der Startschuss zur Zentralmatura. Heuer stellen sich rund 19.000 Kandidaten an AHS und 21.500 an BHS dem schriftlichen Teil der neuen Reifeprüfung. Die AHS feierten bereits im Vorjahr ihre flächendeckende Zentralmatura-Premiere, die BHS sind heuer erstmals vollzählig dabei. Am Freitag beginnt die Auslieferung der Aufgabenhefte.

Unterschiede liegen im Detail

Die neue Matura an AHS und BHS ist ähnlich konstruiert – im Detail gibt es aber Unterschiede. Das beginnt schon beim Namen: An den BHS absolvieren die Maturanten nicht nur eine Reifeprüfung, sondern eine Reife- und Diplomprüfung – zum Zeichen dafür, dass damit nicht nur eine Hochschulberechtigung, sondern gleichzeitig auch Berufsberechtigungen und berufliche Qualifikationen erlangt werden. Auch die (mittlerweile großteils abgeschlossenen) Hausarbeiten unterscheiden sich: An den AHS ist eine als Einzelleistung gedachte vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) zu schreiben, an den BHS eine als Teamarbeit konzipierte Diplomarbeit.

251.000 Aufgabenhefte

Der schriftliche Teil der Reifeprüfung ist an AHS wie BHS grundsätzlich als Zentralmatura gestaltet und wird in den meisten Fächern (Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Minderheitensprachen, an AHS noch zusätzlich Latein und Griechisch) vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegeben, das 251.000 Aufgabenhefte (164.000 an AHS, 87.000 an BHS) ausliefern muss. Die fachtheoretischen- beziehungsweise Fachklausuren an den BHS werden dagegen weiter von den Klassenlehrern erstellt. Der Kandidat kann wählen, ob er in drei oder vier Fächern schriftlich maturiert (je nachdem sind mündlich drei oder zwei Prüfungen zu absolvieren). Die Prüfungen in den Zentralmaturafächern finden österreichweit am gleichen Tag statt (Deutsch: 9. Mai, Mathematik: 10. Mai, Englisch: 11. Mai, Französisch: 12. Mai, Italienisch: 13. Mai, Spanisch beziehungsweise Minderheitensprachen: 18. Mai, Latein und Griechisch: 19. Mai).

Allerdings sind nur die Deutsch- beziehungsweise Minderheitensprachen-Aufgabenstellungen sowohl an AHS als auch an BHS ident. In den lebenden Fremdsprachen wird es komplizierter: Es gibt sowohl gemeinsame Teile für AHS und BHS als auch BHS-spezifische und innerhalb der einzelnen BHS schultypenspezifische Aufgaben.

Komplexe Mathematik

Am komplexesten ist es in der Mathematik: Die Prüfungen für AHS und BHS sind komplett unterschiedlich. Innerhalb der BHS gibt es einen gemeinsamen Teil für alle Typen (Höhere technische Lehranstalten/HTL, Handelsakademien/Hak, Humanberufliche Schulen/Hum, Bildungsanstalten für Kindergarten- bzw. Sozialpädagogik/Bakip bzw. Basop, Höhere Schulen für Land- und Forstwirtschaft/HLFS) sowie einen zweiten Teil, der je nach Schultyp unterschiedlich ist. Insgesamt sind es sogar zehn Varianten (sechs für die unterschiedlichen HTL-Formen und je eine für Hum, HLFS, Hak und Bakip/Basop).

Insgesamt werden 113.100 (AHS: 61.100, BHS: 52.000) Zentralmatura-Prüfungen durchgeführt, für die (je nach Fach, Ausbildungsdauer bzw. Schulform) 71 unterschiedliche Prüfungshefte (38 an AHS, 33 an BHS) im Einsatz sind. Diese umfassen insgesamt knapp 4,5 Millionen Druckseiten.

Novum für BHS-Schüler

Ein Novum gibt es mit der neuen Matura für Schüler mancher BHS-Formen: Schüler in humanberuflichen Schulen müssen etwa erstmals verpflichtend zu einer Mathematik-Klausur antreten, HTL-Schüler erstmals zu einer Fremdsprachen-Matura (schriftlich oder mündlich).

Weniger Umstellungen an den BHS gibt es dann bei den mündlichen Prüfungen: Falls der Maturant schriftlich keine Fachklausur abgelegt hat, muss er sich mündlich einem Fachkolloquium stellen. Ähnlich wie an den AHS müssen an den einzelnen Standorten die Lehrer jedes Gegenstands 20 bis 25 Themenbereiche für die mündliche Matura erarbeiten. Aus diesem Korb zieht der Prüfungskandidat zwei Bereiche, von denen er sich einen aussuchen kann. Nach einer Vorbereitungszeit von 30 Minuten folgen die vom Prüfer vorbereiteten Fragen zu dem Themenbereich, die Prüfung selbst dauert zehn bis 15 Minuten.

Ein Fleck ist kein Problem

Sowohl an AHS als auch BHS müssen negative Leistungen bei der VWA/Diplomarbeit beziehungsweise in einem Fach bei der schriftlichen oder mündlichen Matura grundsätzlich durch eine neue Prüfung in genau diesem Teilbereich ausgebessert werden – also etwa durch eine neue VWA/Diplomarbeit, eine neue schriftliche Mathe-Matura oder eine neue mündliche Englisch-Prüfung. Ausnahme sind die schriftlichen Klausuren: Hier darf der Schüler auch eine mündliche "Kompensationsprüfung" (6. oder 7. Juni) ablegen. Ein "Fleck" in einer der drei Säulen hindert aber nicht am Antritt zu den anderen Prüfungen. (APA, 21.4.2016)

Stichwort: Zentralmatura an BHS

Mit den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) findet die neue Reifeprüfung ab heuer auch an der zweiten Form der maturaführenden Schulen neben den allgemeinbildenden höheren Schulen statt. Anders als die AHS mit nur wenigen Unterformen gliedern sich die BHS allerdings in zahlreiche weitere Zweige – im Anschluss ein Überblick über die verschiedenen BHS-Formen. BHS dauern fünf Jahre und schließen mit einer Reife- und Diplomprüfung ab. Deren erfolgreiches Bestehen berechtigt nicht nur zum Besuch einer Hochschule, sondern ermöglicht auch den Zugang zu gesetzlich geregelten Berufen. Darüber hinaus haben Absolventen der meisten höheren technischen beziehungsweise land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalten die Möglichkeit, nach dreijähriger Berufspraxis auf Antrag die Standesbezeichnung "Ingenieur" zu führen.

Insgesamt besuchten 2014/15 rund 125.000 Schüler eine BHS. Zum Vergleich: An den AHS-Oberstufen sind es rund 91.000 Schüler. Die meisten Schüler besuchen dabei eine Höhere Technische und Gewerbliche Lehranstalt (HTL; 58.000). Die Ausbildungsrichtungen reichen dabei etwa von der Bau- und Gesundheitstechnik über die Elektrotechnik, IT, Chemie und Wirtschaftsingenieurwesen bis zu Betriebsmanagement und Kunst und Design. Mit 35.000 Schülern folgen kaufmännische höhere Schulen alias Handelsakademien. Rund 21.000 Schüler besuchen wirtschaftsberufliche höhere Schulen – darunter fallen etwa Höhere Lehranstalten für Mode, Produktmanagement oder Tourismus beziehungsweise Höhere Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe. Ebenfalls als BHS gelten land- und forstwirtschaftliche höhere Schulen mit knapp 4.000 Schülern sowie Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik bzw. Sozialpädagogik mit knapp 7.000 Schülern, wobei die beiden letzteren Formen in manchen Statistiken auch als lehrerbildende höhere Schulen geführt werden.

  • Artikelbild
    grafik: apa
Share if you care.