Studie: Spätere Mutterschaft macht sich finanziell bezahlt

22. April 2016, 07:00
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Auch schlechtergebildete Frauen, die ihre Kinder später bekommen, haben weniger Gehaltseinbußen und nehmen ihre Karriere früher wieder auf als junge Mütter

Frauen bekommen ihre Kinder immer später. Eine Studie der Washington University in St. Louis hat nun gezeigt, dass "späte Mütter" weniger Einbußen bei Einkommen und Karriere riskieren als Frauen, die in jüngeren Jahren Mütter werden. Interessantes Detail: Die Ergebnisse sind unabhängig davon, ob Frauen einen Hochschulabschluss haben oder nicht.

Betrifft auch Frauen ohne höhere Bildung

Je jünger die Mutter bei der Geburt ihres Kindes ist, desto mehr bricht ihr durchschnittliches Lebenszeiteinkommen ein, schreiben die Forscher um Man Yee Leung. Das gelte für Frauen mit Hochschulabschluss genauso wie für diejenigen ohne. Dennoch: Besonders treffen die Einkommensverluste Mütter, die keinen Abschluss haben und bei ihrem ersten Kind jünger als 25 Jahre sind.

"Die Ergebnisse rücken finanzielle Abwägungen in den Mittelpunkt, die Frauen hinsichtlich Karriereentscheidungen und Kinderkriegen treffen", sagt Studienleiterin Leung. Gemeinsam mit Raul Santaeulalia-Llopis (Washington University) und Fane Groes (Copenhagen Business School) hat sie die Studie verfasst. "Frühere Studien haben sich auf die Auswirkungen von Kindern auf Fraueneinkommen konzentriert, aber unsere Studie ist die erste, die einen Zusammenhang herstellt zwischen dem Lebenszeiteinkommen von Frauen im Alter von 25 bis 60 Jahren und dem Alter, in dem die Frau ihr erstes Baby bekommt."

Kinder beeinflussen Karriereweg

Um zu untersuchen, wie sich das Alter der Mutter bei der Geburt des ersten Kindes auf ihr Lebenszeiteinkommen auswirkt, haben die Forscherinnen Berufserfahrungen, Geburtsstatistiken und Haushaltsdaten von fast 1,6 Millionen Frauen in Dänemark im Alter von 25 bis 60 Jahren ausgewertet. Dänemark gilt als Goldgrube für Forscher, denn das Land erfasst Gesundheitsdaten und sozioökonomische Statistiken von 100 Prozent der Bevölkerung. Die Analyse der dänischen Daten zeigt, dass Kinder die möglichen Karrierewege ihrer Mütter erheblich beeinflussen.

"Kinder sind keine Karrierekiller, aber je früher sie zur Welt kommen, desto mehr sinkt das Einkommen der Mutter. Das ist ein klarer Anreiz, das Kinderkriegen aufzuschieben", sagt Santaeulalia-Llopis. "Wir haben herausgefunden, dass Frauen zwei bis zweieinhalb Jahre ihres Arbeitseinkommens einbüßen, wenn sie ihr erstes Kind vor ihrem 25. Geburtstag bekommen."

Nachwuchs aufschieben?

Aber wie lange wollen Frauen auf ihre Kinder warten? Wie lange lässt sich der Nachwuchs aufschieben? Die Forschergruppe stellte darüber hinaus fest, dass das Aufkommen der In-vitro-Befruchtung signifikante Folgen für die Entscheidung der Frauen hat, zu welchem Zeitpunkt ihrer Karriere sie sich für eine Babypause entscheiden. (chrit, 21.4.2016)

  • "Kinder sind kein Karrierekiller, aber je früher Kinder zur Welt kommen, desto mehr leidet das Einkommen der Mutter", sagt Raul Santaeulalia-Llopis von der Washington University.
    foto: apa

    "Kinder sind kein Karrierekiller, aber je früher Kinder zur Welt kommen, desto mehr leidet das Einkommen der Mutter", sagt Raul Santaeulalia-Llopis von der Washington University.

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