Porr baut auf weitere Erfolgsstory im Jahr 2016

21. April 2016, 08:30
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Der Baukonzern Porr setzt mit einer neuen Struktur auf kostenbewusstes Wachstum

Wien – Der börsennotierte Baukonzern Porr sieht sich auch für 2016 auf gutem Wachstumskurs. Den Rekord-Auftragsstand von 4,6 Mrd. Euro Ende 2015 hat man schon auf 5,4 Mrd. Euro ausgebaut, viele Order reichen dabei ins nächste Jahr hinein. Man wolle "intelligent wachsen", also mit striktem Kostenmanagement, so Karl-Heinz Strauss, Chef des 15.000-Mitarbeiter-Konzerns.

Das vorjährige Umsatzplus von 4,3 Prozent auf 3,14 Mrd. Euro und vor allem die kräftige Konzerngewinn-Steigerung um ein Viertel auf 61 Mio. Euro täuschen darüber hinweg, dass der Markt weltweit nicht wächst, sondern sogar leicht nach unten geht. Auch Süd- und Südosteuropa schrumpft, doch nicht Zentral- und Nordeuropa, wo Porr hauptsächlich tätig ist.

Zur besseren Marktbearbeitung hat Porr den Konzern vor einigen Wochen umgebaut. Es gibt vier neue Business Units – Österreich/Schweiz/Tschechien, Deutschland, Internationales sowie Umwelttechnik/Healthcare, wie Strauss am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation erläuterte. Auch heuer würden 85 Prozent der Bauleistung auf die sicheren deutschsprachigen Märkte sowie Tschechien und Polen entfallen. In Deutschland, dem für Porr zweitwichtigsten Markt mit zuletzt 700 Mio. Umsatz für den Konzern, wolle man Richtung 1 Mrd. Euro gehen; der deutsche Markt ist insgesamt 300 Mrd. Euro schwer, aber stark fragmentiert: Die Nummer 1 dort bringt es "nur" auf 6 Mrd. Euro Umsatz. Porr sei am großen Zukunftsmarkt Deutschland im Hochbau für 2016 und wahrscheinlich auch 2017 voll ausgelastet, so Strauss. Skandinavien mit Norwegen/Schweden rückt stärker in den Fokus, in Großbritannien erwartet man in den nächsten Wochen den ersten Großauftrag, einen Tunnelbau nahe London. Dafür hat man sich 2015 aus Serbien zurückgezogen, und auch Kroatien ist nicht mehr auf der "Landkarte".

Höherer Auftragsbestand

2015 legte der Auftragsbestand um 13 Prozent auf 4,58 Mrd. Euro zu – Ende Februar seien es jetzt schon 5,3 Mrd. Euro gewesen, aber nicht getrieben durch einzelne Großprojekte, sagte Strauss. Noch stärker wuchs voriges Jahr der Auftragseingang: um 29 Prozent auf 4,05 Mrd. Euro. Porr macht bereits fast 47 Prozent seines Geschäfts im Ausland und beschäftigte im Vorjahr im Schnitt 13.878 Mitarbeiter (+8 Prozent), aktuell liege man schon bei 15.000, so Strauss.

Für das Jahr 2016 geht der Vorstand von einer "weiteren Leistungs- und Ergebnissteigerung" aus. Eine genaue Prognose gab das Management nicht, begründet wurde dies mit der "hohen Dynamik der Baumärkte". Strauss zeigte sich aber vor Journalisten angesichts der "sehr guten breiten Ausgangsbasis sehr optimistisch für 2016". Von der neuen Wohnbauoffensive der Bundesregierung, die bis 2020 die Schaffung von 30.000 zusätzlichen Wohneinheiten in Österreich vorsieht, erwartet sich Porr in den nächsten Jahren zusätzliche Impulse für den Wohnbau, heißt es im Geschäftsbericht.

Die Aktionäre der Porr sollen, wie bereits vorige Woche angekündigt, eine höhere Dividende bekommen. Konkret sollen 1 Euro je Aktie sowie 50 Cent Sonderdividende aufgrund des erfolgreichen Abschlusses der Spaltung und Ausgliederung des Immobilienbereichs gezahlt werden. Wahlweise soll es die Gesamtdividende entweder nur in bar oder teils teils geben, wobei voraussichtlich zu jeweils rund 50 Porr-Aktien eine weitere hinzukommen dürfte, wie es heute hieß. Grundsätzlich wolle man ein stabiler Dividendenzahler werden, verwies Strauss auf das Pay-out-Range-Ziel von 30 bis 50 Prozent.

Kennzahlen verbessert

Die Finanzkennziffern hat Porr 2015 insgesamt verbessert. Die Net-Cash-Position sei von 65 auf 187 Mio. Euro angewachsen, so CFO Christian Maier. Die Gearing Ratio habe sich somit weiter von -0,17 auf -0,46 Prozent verbessert. Das Eigenkapital wuchs um 7,0 Prozent auf 412,1 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote ging dagegen leicht von 18,0 auf 17,9 Prozent zurück, da Porr v. a. durch die Bilfinger-Übernahme in Polen gewachsen ist – und damit auch die Bilanzsumme um 7,4 Prozent auf 2,30 Mrd. Euro.

In Polen hat Porr 2015 auch einen der größten Aufträge an Land gezogen, die Expresstrasse S17; der Wachstumsmarkt Polen laufe erst heuer so richtig an nach der Bilfinger-Akquisition, sagte Strauss. Den volumsmäßig größten Auftrag akquirierte man dagegen in Katar. Währen die Arbeiten an der U-Bahn-Linie Green Line planmäßig voranschreiten, wurde Porr zusätzlich als Systemlieferant mit der Errichtung der Festen Fahrbahn (Slab Track System) im gesamten U-Bahn-Netz von Doha betreut. Außerdem baut Porr bis 2018 am Al-Wakrah-Stadion mit 40.000 Plätzen in Doha mit.

Zu den vielfach kritisierten "schlechten Arbeitsbedingungen" in Katar bis hin zu "Ausbeutung" merkte der Porr-Chef an, dass dort bei sämtlichen großen öffentlichen Ausschreibungen, etwa bei Infrastruktur oder Stadion-Bauten Arbeitsbestimmungen und Sicherheitsbedingungen herrschen, "die dem europäischen System überlegen sind. Sie sind um einiges besser". Es könne also in diesem Bereich "weder von Ausbeutung noch von schlechten Lebensbedingungen die Rede". Anders sei es freilich um den kleinteiligen Privatbereich bestellt, schloss Strauss Missstände dort nicht aus.

Jüngste heimische Vorschläge einer Verschärfung der EU-Entsenderichtlinie kritisierte der Porr-Chef und nannte sie "Schwachsinn". "Das ist die Schnapsidee des Monats", so Strauss: "Ich kann nur davon abraten, hier Grenzen und Zäune aufzubauen." (APA, 21.4.2016)

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