Neue E-Control-Führung um Kraftwerke besorgt

20. April 2016, 18:25
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Bis Herbst will der Energie-Regulator die Strategie für die nächsten fünf Jahre erarbeiten, gemacht wird alles gemeinsam

Wien – Zumindest streiten tun sie noch nicht. Knapp vier Wochen sind Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer an der Spitze der Energieregulierungsbehörde E-Control, entsprechend harmonisch versuchten sich die beiden am Mittwoch zu präsentieren. "Wir haben bestes Einvernehmen und bereits erste Entscheidungen getroffen", sagte Urbantschitsch, bis 24. März Leiter der Rechtsabteilung der E-Control. "Es macht Spaß, im Vorstand der E-Control zu arbeiten", pflichtete Eigenbauer bei, der sein Berufsleben lang bei Wien-Energie, Wiener Stadtwerke und im Rathaus als Energiebeauftragter der Stadt Wien gearbeitet hat.

Um der Kritik des Rechnungshofs (RH) genüge zu tun, wird ein Strategieprozess eingeleitet, der mutmaßlich im Herbst abgeschlossen sein wird. Die staatlichen Buchprüfer hatten in ihrem im Jänner vorgelegten Bericht kritisiert, dass die E-Control wohl ihre gesetzlichen Aufgaben erfüllt, dabei aber keine strikte Unternehmensstrategie verfolge. Die internen Kontrollsysteme seien nicht lückenlos dokumentiert, auch das Risikomanagementsystem sei verbesserungsfähig. Und: Der Vorstand verfüge über "keine formell verbindliche Festlegung der Aufgabenverteilung", etwa in Form einer vom Vorstand beschlossenen Geschäftsverteilung.

Alles gemeinsam

Das soll für eine Weile noch so bleiben, betonte das Duo in einer Pressekonferenz: "Wir machen alles gemeinsam." Erst auf Nachfrage räumten sie ein, dass die Geschäftsordnung Ausfluss des Strategieprozesses sein werde. Es habe ja keinen Sinn, Ressourcen und Aufgaben vorher festzulegen. An Gelegenheiten für Meinungsverschiedenheiten dürfte es also nicht mangeln.

Zweifel an der Unabhängigkeit der E-Control seien unangebracht, betonte Urbantschitsch, "die E-Control ist neutral." Man werde gegenüber allen Marktplayern ebenso neutral agieren wie gegenüber der Politik. Daran ändere auch seine Karenzierung als Spitzenbeamter nichts, versicherte Eigenbauer auf die Frage, ob er angesichts einer allfälligen Rückkehr ins Rathaus wohl objektiv genug sein werde gegenüber Wien-Energie. "Das hat keinen Zusammenhang mit der Frage, ob man unabhängig ist oder nicht."

Die Arbeitsschwerpunkte des Duos unterscheiden sich kaum von jenen der Vorgänger. Das "Zieldreieck" Versorgungssicherheit – Nachhaltigkeit – Wirtschaftlichkeit werde um Energieeffizienz und Leistbarkeit ergänzt. Besorgt ist man um Kraftwerke, weil niedrige Strompreise die Erhaltung erschwerten. Der Aufwand der Haushalte für Netzsicherheit dürfe angesichts verfallender Strom- und Gaspreise eher steigen statt sinken. Wer das finanziell nicht schafft, kann bei der Gebühren Info Service (Gis) Befreiung von den Ökostromaufschlägen beantragen. 123.000 Kunden sind bereits befreit, sie zahlen maximal 24 Euro pro Jahr statt 120 Euro. Energie müsse für alle leistbar sein, betont Eigenbauer. (ung, 21.4.2016)

  • Das neue Vorstandsduo der E-Control: Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer (rechts).
    foto: apa/georg hochmuth

    Das neue Vorstandsduo der E-Control: Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer (rechts).

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