500.000 Wahlkarten machen Wahlabend spannend

21. April 2016, 06:00
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Nach dem Sonntag geht die Kampagne für die Stichwahl weiter. Wahlkarten spielen dabei eine Rolle, eventuell auch das Los

Wien – Nach der Wahl ist Wahlkampf: Jene Kandidaten, die es in die Stichwahl für die Bundespräsidentenwahl schaffen, müssen sich direkt im Anschluss ans Feiern des Etappensieges um das Buchen von Plakatflächen kümmern – alle haben vorsorglich einen Teil des Werbebudgets für die zweite Runde zur Seite gelegt, wer das Geld tatsächlich ausgeben kann, steht frühestens am Sonntagabend, vielleicht aber auch erst Montagabend nach Auszählung der Wahlkartenstimmen fest.

Andreas Allerstorfer, Sprecher der Berufsgruppe Ankündigungsunternehmen in der Wirtschaftskammer, verweist darauf, dass die Zeit dann knapp wird. Ein bisserl Vorplanung haben die Werbeunternehmen schon geleistet – und sich informell mit den Wahlkampfleitern besprochen.

4000 Plakatflächen

Die zwei Sieger müssten – vereinfacht gesagt – nur noch in Listen für Plakatflächen eingetragen werden. Allerstorfer schätzt, dass österreichweit rund 4000 Werbeflächen – 2000 je Kandidat – für die Stichwahl zur Verfügung stehen, dies seien Erfahrungswerte aus dem ersten Wahldurchgang und früheren Wahlen.

Es kommt allerdings darauf an, wer es schaffen wird – sollte Irmgard Griss, die auf Privatspenden angewiesen ist, in die zweite Runde kommen, wird erwartet, dass sie weniger Werbung schaltet als andere Kandidaten, die auf Parteimittel zurückgreifen können.

Sorgen der ÖVP

Wahrscheinlich ist, dass Griss sich schon im ersten Wahlgang Stimmen vom ÖVP-Kandidaten Andreas Khol "ausborgt". Die Überlegungen in Teilen der ÖVP, wegen einer vermeintlich "verlorenen Stimme" für Khol die unabhängige Kandidatin Griss als bürgerliche Alternative zu wählen, sei durchaus nachvollziehbar, sagt der ehemalige steirische ÖVP-Landesgeschäftsführer und Bildungsexperte Andreas Schnider. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass für die ÖVP die Gefahr bestehe, dass etliche aus seiner Partei – von dieser Überlegung geleitet – in Richtung Griss tendieren werden, sagt Schnider, der für seine eigene Person auf das Wahlgeheimnis verweist.

Sehr kryptisch über sein persönliches Wahlverhalten äußert sich auch der ehemaligen ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Vom Standard gefragt, ob auch er Irmgard Griss wählen werde, sagte Bartenstein: "Aus Rücksicht auf meine Partei werde ich vor Sonntag dazu keine Stellungnahme abgeben."

Der Wahlabend wird aber in jeder Hinsicht spannend – egal wer dann sein Wahlgeheimnis preisgibt und wer nicht. Ein wenig auf die Preisgabe des Wahlverhaltens angewiesen sind die Wahlforscher, die aus Wahltagsbefragungen Wahlmotive und eine Prognose des Wahlergebnisses gleich zur Schließung des letzten Wahllokals um 17 Uhr bekanntgeben wollen.

Allerdings werden selbst für die offizielle Hochrechnung nur unvollständige Daten vorliegen: Die Wahlkarten werden nämlich noch nicht berücksichtigt sein.

Spannende Auszählung

An die 500.000 Wahlkartenstimmen werden noch am Montag gezählt werden – eine Zahl, die Robert Stein vom Innenministerium nicht bestätigen will: Da noch bis Freitag Wahlkarten in den Gemeinen behoben werden können, sei es nicht absehbar, wie viele Wähler per Briefwahl oder in einem anderen Wahllokal ihre Stimme abgeben werden.

Am Sonntagabend wird der neue Innenminister Wolfgang Sobotka jedenfalls das vorläufige Endergebnis verkünden, aber wenn der zweit- und dritthöchste Stimmenanteil sehr knapp beieinanderliegen, könnte sich das noch am Montagnachmittag drehen. Sollten im ersten Wahlgang der zweit- und drittstärkste Kandidat gleich viele Stimmen erhalten, wird per Los – zu ziehen durch den Innenminister – entschieden, wer in die zweite Runde kommt.

Offiziell verlautbart wird das Ergebnis der Wahl spätestens am Montag, 2. Mai, auf der Amtstafel des Innenministeriums. Gleichzeitig wird die "Vornahme der engeren Wahl" (also der Stichwahl) ausgeschrieben. Die Wahlkarten dafür gibt es bereits, die Stimmzettel darin sind leer, der favorisierte Kandidat muss in eine leere Zeile geschrieben werden.

Für den höchst unwahrscheinlichen Fall, dass auch bei der Stichwahl beide Kandidaten gleich viele Stimmen haben, ist im Bundespräsidentenwahlgesetz Vorsorge getroffen: Dann muss die Stichwahl so lange wiederholt werden, bis einer der bei- den zumindest eine Stimme mehr hat. (APA, mue, cs, 21. April 2016)

  • 4000 Plakatflächen sind für die Wochen bis zur Stichwahl schon gebucht – wer  in die Verträge einsteigen wird, weiß man aber  erst nach der Wahl vom Sonntag.  Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deren Ergebnis sich noch am Montag ändern wird – je nachdem, wie viele Wahlkarten genutzt werden.
    foto: apa/schlager

    4000 Plakatflächen sind für die Wochen bis zur Stichwahl schon gebucht – wer in die Verträge einsteigen wird, weiß man aber erst nach der Wahl vom Sonntag. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass deren Ergebnis sich noch am Montag ändern wird – je nachdem, wie viele Wahlkarten genutzt werden.

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